Die online verfügbaren Artikel der sozialdemokratischen Zeitung "Vorwärts" über Homosexualität und Magnus Hirschfeld 1876-1940

Hinweise zur Benutzung:

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat alle Ausgaben der sozialdemokratischen Zeitung „Vorwärts“ bis 1940 online gestellt, die jetzt im Volltext durchsuchbar sind. Die Texterkennung erkennt vermutlich zwei Drittel aller eingescannten Wörter. Alleine aus diesem Grund kann diese Bibliographie über Homosexualität keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben. Unter der falschen Schreibweise „Institut für Segualwissenschaft“ gibt es 40 Treffer; unter „Bäderastie“ statt „Päderastie“ gab es 13 Treffer. Dazu kommt, dass viele Wörter erst gar nicht gesucht werden können. In Artikel über Magnus Hirschfeld ist oft nur von „Hirschfeld“ oder „Dr. Hirschfeld“ zu lesen. Nur nach Hirschfeld zu suchen, ist aufgrund der mehr als 2.200 Treffer nicht möglich. Auch eine Suche nach „§ 175“ ist wegen dem Sonderzeichen nicht möglich. Die Suche nach „175“ führt zu rund 10.000 Treffern; nach „Der Eigene“ rund 9.000 Treffern. In fast allen Fällen ist weder der § 175 RStGB noch die gleichnamige Homosexuellenzeitschrift gemeint. Es ist nicht immer leicht zu beurteilen, ob ein Artikel von Homosexualität handelt oder nicht.

Von dem schwulen Serienmörder Fritz Haarmann gibt es mehr als 200 Artikel im „Vorwärts“, aber nur die rund 60 größeren und mit Bezug auf Homosexualität deutlicheren Artikel habe ich verlinkt. Von den wohl Tausenden Artikeln, die zur Harden-Eulenburg-Affäre im „Vorwärts“ erschienen sind, habe ich nur rund 60 Artikel verlinkt.

Bei der Suche nach Artikeln über Homosexualität habe ich mit mehr als 20 verschiedenen Suchbegriffen gesucht (gleichgeschlechtliche Liebe, widernatürliche Unzucht, Urning etc.). Bei Magnus Hirschfeld (ca. 480 Artikel) und Adolf Brand (ca. 70 Artikel) habe ich aufgrund ihrer Bedeutung nicht nur auf die Artikel über Homosexualität, sondern auch auf weitere Artikel geachtet. Artikel über Friedrich Radszuweit waren nicht zu finden. Mehrere Personen im Kontext vom Institut für Sexualwissenschaft und des WhK wie Felix Abraham, Johanna Elberskirchen, Karl Giese, Kurt Hiller Arthur Kronfeld und Richard Linsert habe ich auch separat gesucht.

Bei der inhaltlichen Erfassung habe ich auf ein einheitliches Vokabular geachtet. „Verein für“ statt „des Vereins für“. Ich habe einheitlich den Begriff „Gutachter“ verwendet, auch wenn im Text nur „Sachverständiger“ stand. Alle Artikel zur „Harden-Eulenburg-Affäre“ wurden einheitlich unter dieser Bezeichnung erfasst. Unterschiedliche Namen wurden – soweit bekannt – einheitlich erfasst und falsche Schreibweisen wie „Adolf Brandt“ statt „Brand“ stillschweigend korrigiert. Zusätzlich habe ich Schlagwörter wie „Szene“ in runden Klammern ergänzt. Das Schlagwort „Cover“ bezieht sich darauf, dass der Text auf der Titelseite des „Vorwärts“ veröffentlicht wurde. Jeder verlinkte Artikel über das WhK, das Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen und das Institut für Sexualwissenschaften ist immer auch über das Schlagwort Magnus Hirschfeld erschlossen. Alle Artikel, in denen es mindestens auch um weibliche Homosexualität ging, können mit dem einheitlichen Schlagwort „Lesben“ gesucht werden. Bei Artikeln über einzelne Verurteilungen nach § 175 RStGB wurde das Schlagwort „§ 175“ ergänzt. Das Schlagwort „Literatur“ wurde nicht nur für Romane, sondern für alle belletristischen Texte vergeben. Bei Artikel über das Ausland habe ich immer das entsprechende Land als Schlagwort vergeben. Jedes Datum habe ich durchgehend mit Zahlen geschrieben und ggf. noch mit Nullen aufgefüllt (wie „01.01.1891“).

Es gibt vier Zeitungen, die hier berücksichtigt wurden: Bei der Erfassung wurde zwischen den beiden Zeitungen mit dem Namen „Vorwärts“ (1876–1878; 1891–1933) nicht unterschieden. Erfasst wurden außerdem der „Sozialdemokrat“ (1879–1890) und der „Neue Vorwärts“ (Juni 1933–1940). Mit einer Suche „Vorwärts.“ (also mit einem Punkt) kann man sich anzeigen lassen, wie viele Zeitungsartikel verlinkt wurden; das sind zur Zeit rund 1.250 verlinkte Artikel. Hinzu kommen sieben Verlinkungen mit Artikel aus „Sozialdemokrat“. Mit einer Suche nach „Magnus Hirschfeld“ kommt man zu 480 Treffern. Pro Zeitungsartikel habe ich die Wörter „Vorwärts.“ bzw. „Magnus Hirschfeld“ nur ein Mal verwendet, damit ein Artikel nicht doppelt gezählt wird. Wenn der Name eines Prominenten das erste Mal erwähnt wird, habe ich manchmal allgemeine Erläuterungen zu dieser Person bzw. zu dem Skandal gegeben. Der Hinweis auf „Herzer“ mit einer darauffolgenden Nummer bezieht sich auf die durchnummerierten Einträge in Manfred Herzers „Bibliographie zur Homosexualität“ (1982) und ist rund 15 Mal vergeben worden. Mit „!!“ habe ich auf rund 40 Artikel von überdurchschnittlicher Bedeutung hingewiesen.

Erwin In het Panhuis

1877

Vorwärts. 30.05.1877. Der Versuch, die menschliche Natur einzudämmen, hat „unnatürliche Laster zur Folge“.

 

Als Folge des Sozialistengesetzes musste der „Vorwärts“ am 26.10.1878 sein Erscheinen einstellen; er erschien 1879 illegal in Zürich unter dem Titel „Sozialdemokrat“ (1879-1890) weiter.

 

1882

Sozialdemokrat. 02.03.1882. Erwähnung, dass Kaplan Cronenberg zu zwei Jahren Gefängnis u.a. wegen „widernatürlicher Unzucht“ verurteilt wurde. („§ 175. Am 22.09.1886 wurde er als „Säufer“ bezeichnet)

 

1883

Sozialdemokrat. 14.06.1883. Erwähnung des „knabenliebende“ „König Einsiedler“ in Bayern (Damit ist der bayrische König Ludwig II. gemeint)

Sozialdemokrat. 13.12.1883. Erwähnung: „Die Päderastie war damals (in der Antike) bei den Christen stark in Mode“

 

1884

Sozialdemokrat. 21.02.1884. Der bayrische König Ludwig II. fröhnte der Päderastie und vergewaltigte seine Reitknechte.

Sozialdemokrat. 28.08.1884. In München wurde der Gymnasialprofessor Ziegler wegen „widernatürlicher Unzucht“ zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, weil er für „hübsche Knaben“ mehr als „väterliche Liebe“ empfand. Kritik der Zeitung an zu geringer Strafe.

 

1888

Sozialdemokrat. 02.06.1888. Erwähnung von „Knabenschändern“ und „Weichlingen“ im Rahmen einer Aufzählung.

Sozialdemokrat. 03.11.1888. Auf dem Cover: „Widernatürliche Unzucht“ und ein „Päderast“ aus dem Hause Wittelsbach als Zeichen der Demoralisierung (Damit der bayrische König Ludwig II. gemeint).

 

Nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes wurde die Zeitung unter dem Titel „Vorwärts – Berliner Volkszeitung“ am 01.01.1891 erneut gegründet.

 

1891

Vorwärts. 29.10.1891. Über den „Knabenschänder“ und Pastor Hans Jürgen Harder aus Weissensee wurde in Graz verhaftet und wird wohl ausgeliefert werden (Österreich; Pädo. Das Schlagwort Pädo wurde hier und in anderen Fällen vergeben, weil in der Berichterstattung zwischen pädosexuellen Handlungen an Jungen und homosexuellen Handlungen unter Männern oft nicht unterscheiden wurde. Österreich).

 

1893

Vorwärts. 25.07.1893. Die Beantwortung eines Leserbriefs: Unter „widernatürlicher Unzucht“ im Sinne des § 175 RStGB wird „immissio penis in Anum“ (Analverkehr) und im Allgemeinen auch „immissio penis in os“ (Oralverkehr) verstanden.

Vorwärts. 27.07.1893. Der 63-jährige Hospitalist Vermum wurde verurteilt, weil er mit „sieben Schulknaben widernatürlich Unzucht betrieben hat“ (Pädo).

Vorwärts. 14.10.1893. Karl Röseler aus Berlin in Frauenkleidung wegen „widernatürlicher“ Unzucht verhaftet und zum 18 Monaten Gefängnis verurteilt (Transvestit. Zum vierfach vorbestraften Karl Röseler s.a. di Beiträge vom 31.01.1899 und 04.07.1913).

 

1894

Vorwärts. 06.02.1894. Erwähnung der Hingabe „zu widernatürlicher Unzucht“ im unklaren Kontext.

Vorwärts. 22.06.1894. Eine Verurteilung wegen § 175 bzw. „widernatürlicher Unzucht“, führt in der Armee zu Verlust von Titel und Pensionsansprüchen.

Vorwärts. 26.07.1894. Erwähnung von zarten Knaben, die in Gruben arbeiten müssen und dann auch noch „Opfer der Päderastie“ werden (Pädo).

 

1895

Vorwärts. 05.04.1895. Oscar Wilde hatte Queensberry wegen Beleidigung verklagt. Dieser hatte ihm „unnatürliche Vergehen“ vorgeworfen. Gestern war Eröffnung des Prozesses wegen Beleidigung. (England. Artikel zu Oscar Wilde wurden, von Ausnahmen abgesehen, nur für das Jahr 1895 berücksichtigt. Zum Skandal und zur Verurteilung von Wilde wegen homosexueller Handlungen s. Wiki)

Vorwärts. 07.04.1895. Freispruch für Queenberry. Oscar Wilde kam daraufhin wegen dem Vorwurf „unnatürlicher Vergehen“ in Haft.

Vorwärts. 09.04.1895. Oscar Wilde und seine „unnatürlichen Vergehen“

Vorwärts. 01.05.1895. Am Freitag begann der zweite Prozess nun gegen Oscar Wilde wegen „Verbrechen gegen die Sittlichkeit“

Vorwärts. 03.05.1895. Noch kein Urteil gegen Oscar Wilde. Neuerliche Verhandlung.

Vorwärts. 05.05.1895. „Sonntagsplauderei“. Der „perverse“ Oscar Wilde. Großer Artikel auch über Lord Byron, Shakespeare und über einem Prozess in München gegen Oskar Panizza.

Vorwärts. 23.05.1895. Taylor, der „Genosse“ Oscar Wildes, wurde für schuldig befunden.

Vorwärts. 08.06.1895. Oscar Wilde und Tayler sind „wegen ihrer Sünden“ verurteilt worden.

Vorwärts. 09.07.1895. Der „Vorwärts“ über Oscar Wilde: „Wie klein erscheint doch das Wilde vorgeworfene Vergehen“ (der Homosexualität) gegenüber der Folter.

Vorwärts. 07.12.1895. Anklage u.a. gegen den Adolf Brand, wegen Verteilung von einem „Proletarischen Manifest“. Weitere Artikel in gleicher Angelegenheit erschienen am 05.01.1896 und am 08.03.1896. (Bei diesen drei Artikeln über einen 21-jährigen anarchistischen Buchhändler aus Neu-Rahnsdorf kann es sich nur um den am 14.11.1874 geborenen späteren Homosexuellenaktivisten handeln, der seit März 1896 die Zeitschrift „Der Eigene“ herausgab. Diese war ab 1898 die erste regelmäßig erscheinende Homosexuellenzeitschrift der Welt. Die falsche Schreibweise von „Brandt“ statt Brand ist weit verbreitet. Zu Brand s. a. Wiki) !!

 

1896

Vorwärts. 30.04.1896. Erwähnung von „Ehebruch, Sodomie und Päderastie“ im Scheidungsrecht.

Vorwärts. 16.07.1896. Die Strafkammer in Dortmund hat am 13.09.1895 den Musiker Franz Legula zu Unrecht zu vier Monaten Gefängnis wegen „widernatürlicher Unzucht“ verurteilt (§ 175er).

 

1897

Vorwärts. 16.01.1897. Strafanzeige gegen die „Volkswacht“ wegen „Vergehen gegen die Sittlichkeit“, weil in einem Artikel auf „das im Orient weit verbreitete Laster der Päderastie“ hingewiesen wurde. Der Freispruch erfolgte auch deshalb, weil „die erwähnten Handlungen als widerlich mit Abscheu scharf verurtheilt werden“.

Vorwärts. 05.05.1897. Oscar Wilde ist aus dem Gefängnis entlassen worden.

 

1898

Vorwärts. 20.01.1898. Plenarprotokoll der Reichstagssitzung vom 19.01.1898. Der Abgeordnete Schall bezieht Stellung gegenüber August Bebel, die „widernatürliche Unzucht“ und den § 175. (Damit bezieht er sich auf die Rede von August Bebel vom 13.01.1898. Am 14.01.1898 hat der „Vorwärts“ zwar auf S. 2-3 aus dem Reichstag vom 13.01.1898 berichtet, ist aber nicht auf die bekannte Rede von August Bebel über die Petition zur Abschaffung des § 175 eingegangen. Diese Rede kann in den Verhandlungen des Reichstages (S. 410) nachgelesen werden. Zu August Bebel und seiner Rede s. a. meinen queer.de-Artikel).

Vorwärts. 03.02.1898. In Cleve musste ein Buchhändler Zeichnungen von Sascha Schneider aus dem Schaufenster nehmen. (zu Sascha Schneider als Freund von Karl May s. auch meinen Artikel auf queer.de)

Vorwärts. 19.02.1898. Die Reichstagskommission hat die von August Bebel vorgeschlagene Streichung des § 175 abgelehnt.

Vorwärts. 02.06.1898. Die Erpressung auf homosexueller Grundlage des „Grafen von G“. (Identität konnte nicht ermittelt werden).

Vorwärts. 25.07.1898. Banale Aufzählung von „Päderastie“ im Kontext von Prostitution und Trunkenheit.

Vorwärts. 29.07.1898. Von „Die neue Zeit“. 16. Jg. Heft 44 wird u.a. der Beitrag von W. Herzen: „Die konträre Sexualempfindung und der § 175 des Reichsstrafgesetzbuches“ hervorgehoben (Herzer 356).

 

1899

Vorwärts. 07.01.1899. Gegenüber Adolf Brand, Herausgeber des Eigenen, wurde durch einen Amtsvorsteher eine körperliche Messung durchgeführt. Grund war offenbar die Prüfung für eine Militärtauglichkeit.

Vorwärts. 31.01.1899. Der Kellner Karl Röseler aus Berlin wurde in Frauenkleidern verhaftet. Kurz zuvor war er auf einer Haftanstalt entlassen worden, wo er wegen Erpressung und „widernatürlicher Unzucht“ einsaß (Transvestit).

Vorwärts. 12.02.1899. Gegenüber Adolf Brand, Herausgeber des Eigenen, wurde durch einen Amtsvorsteher am 02.01.1899 eine körperliche Messung durchgeführt.

Vorwärts. 17.03.1899. Großer Artikel über „Der Prozess Gohier“ in Paris. Dabei auch die Erwähnung, dass der Militärarzt Mayor Boyer den Hauptmann Bonis der Päderastie überführt habe (Cover, Frankreich. Bei dem Prozess gegen Urbain Gohier ging es nicht um Homosexualität, sondern im Kontext der Dreyfus-Affäre nur um Gohiers antimilitaristische und regimekritische Veröffentlichungen).

Vorwärts. 19.03.1899. „Die Affaire Elberskirchen/Aebi“. Der Rechtsanwalt Aebi lebte mit seiner Ehefrau Anna Maria Eysoldt in Scheidung. Öffentliche Äußerungen von Johanna Elberskirchen hat er als Verleumdung angesehen und sie verklagt. Zu diesem Rechtsstreit erschien am 05.04.1899 eine Kurzmeldung und am 18.04.1899 eine Gegendarstellung von Johanna Elberskirchen. (In der Biographie von Christiane Leidinger „Keine Tochter aus gutem Hause. Johanna Elberskirchen. 1864-1943“ von 2008 wird dieser Konflikt auf S. 58–68 erläutert. Der Konflikt hatte nichts mit Homosexualität zu tun, aber Anna Maria Eysoldt bzw. Aebi-Eysoldt wurde später die langjährige Lebenspartnerin von Johanna Elberskirchen. Am 28.05.1907 erschien im „Vorwärts“ noch ein Hinweis auf die gemeinsame Schrift von Johanna Elberskirchen und Anna Eysoldt „Die Mutter als Kinderärztin“ und am 23.11.1913 ein Hinweis darauf, dass Johanna Elberskirchen das Wahlrecht für Frauen forderte. Artikel über Homosexualität in Verbindung mit Johanna Elberskirchen wurden nicht gefunden).

Vorwärts. 29.03.1899. Gegenüber Adolf Brand, Herausgeber des Eigenen, wurde durch einen Amtsvorsteher eine körperliche Messung durchgeführt. Betroffen waren auch andere Anarchisten. Der Regierungspräsident hat nun anerkannt, dass der Amtsvorsteher dazu nicht ermächtigt war.

Vorwärts. 26.04.1899. Stadtverordneten-Ausschuss über ein Betätigungsrecht bei Verstößen gegen § 175 (Kommunalrecht, Städteverordnung)

Vorwärts. 10.05.1899. Adolf Brand schleuderte viele Exemplar seiner Schrift „Ein Fall Dreyfuss in Deutschland“ in den Reichstag und wollte damit eine Strafanzeige gegen sich selbst provozieren. Es ging ihm um die unrechtmäßige Entmündigung von Dr. Sternberg. (Dieser Vorfall ereignete sich am 09.05.1899. Der Stabsarzt Dr. Hermann Sternberg hatte dem preußischen Innenminister Hermann von Schelling sexuelle Verfehlungen vorgeworfen und wurde daraufhin wegen „Geistesstörung“ entmündigt. S. Marita Keilson-Lauritz: „Die Geschichte der eigenen Geschichte“, 1997. S. 84-85, die auf die „Vehemenz“ der Verteidigung von Sternberg durch Brand eingeht, aber offenbar keinen direkten homosexuellen Zusammenhang sieht. In der SPD-Zeitung „Freiheit“ vom 28.07.1920 wird im Kontext eines anderen Skandals mitgeteilt, dass Sternberg wegen „krankhafter sexueller Neigung“ entmündigt wurde, was auf Homosexualität hindeutet und das besondere Engagement von Brand erklären könnte).

Vorwärts. 16.06.1899. Adolf Brand ist bekannt durch „seine Agitation“ in „Der Eigene“ und das Attentat vom 09.05.1899.

Vorwärts. 30.11.1899. Einleitung eines Strafverfahrens gegen Adolf Brand wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften. Es geht um eine Novelle und mehrere Gedichte in seiner (Homosexuellen-)Zeitschrift „Der Eigene“, die „gewisse unnatürliche Laster verherrlichen sollen“ (Literatur).

Vorwärts. 13.12.1899. Artikel über den Angriff von Adolf Brand gegenüber dem Abgeordneten Lieber (Dieser Artikel führte zu einer Strafanzeige von Brand gegen den „Vorwärts“ s. dazu 27.03. und 5.5.1900. Adolf Brand hatte den Reichstagsabgeordneten Ernst Lieber mit einer Hundspeitsche angegriffen).

 

1900

Vorwärts. 04.03.1900. Vortrag ohne Nennung des Redners: „Die konträre Sexualempfindung oder ist die gleichgeschlechtliche Liebe ein Laster oder ein Unglück“ mit Hinweis auf § 175 und „sogenannte widernatürliche Unzucht“ am 06.03.1900 (Freier Verein für Naturheilkunde und Gesundheitspflege)

Vorwärts. 27.03.1900. Adolf Brand kontra „Vorwärts“ im Kontext der Lieber-Affäre. Weil Brand nicht erschien, wurde die Berufung verworfen.

Vorwärts. 03.05.1900. Hinweis auf „Jahrbuch für sexuellen Zwischenstufen unter besonderer Berücksichtigung der Homosexualität“ (WhK, Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 05.05.1900. „Brand kontra Vorwärts“. Im Kontext der Lieber-Affäre hatte Adolf Brand den Vorwärts verklagt. Es kam zu einer außergerichtlichen Einigung: Brand zog seine Klage zurück und der Vorwärts betonte, dass das Verhalten gegenüber Herrn Lieber „nicht auf unehrenhafte Motive zurückzuführen sei“.

Vorwärts. 10.06.1900. Großer Artikel: Adolf Brand wurde zu einem Jahr Gefängnis wegen seinem Angriff auf Dr. Lieber verurteilt.

Vorwärts. 24.06.1900. Hinweis auf das „Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen“. 2. Jg. von 1900. Verlag Max Spohr.

Vorwärts. 29.06.1900. Verhaftung von einem Schankwirt in der Müllerstraße wegen „Widernatürlicher Unzucht“ (§ 175er).

Vorwärts. 17.07.1900. Adolf Brand wurde im Kontext der Entmündigung Dr. Sternberg wegen Beleidigung zu zwei Monaten Gefängnis verteilt.

Vorwärts. 24.08.1900. Adolf Brand und sein Attentat auf Dr. Lieber.

Vorwärts. 04.12.1900. Oscar Wilde ist gestorben. Hinweis auf den vier Jahre alten Sensationsprozess.

 

1901

Vorwärts. 22.01.1901. Erwähnung: Im Reichstag wurde die Petition zur Abschaffung des § 175 vom WhK an die Kommissionen zurückverwiesen. (Erster Beitrag über das WhK und indirekt Magnus Hirschfeld)

Vorwärts. 12.03.1901. Anzeige: Vortrag von Naturarzt R. Geist „Die verkehrte Geschlechtsempfindung oder das 3. Geschlecht. Verbrechen oder Krankheit“ am 13.03.1901 für Männer und Frauen und am 21.03.1901 nur für Frauen (Neuer Naturheilverein. Zum Referenten liegen keine weiteren Angaben vor).

Vorwärts. 30.04.1901. Adolf Brand ist nun begnadigt worden. Am 09.06.1900 war er wegen der Beleidigung des Abgeordneten Lieber zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden.

 

1902

Vorwärts. 27.02.1902. „Krupp auf Capri“ (ohne homosexuellen Subtext).

Vorwärts. 08.03.1902. Der Diener Louis Gaudin wurde auf dem Tempelhofer Felde ermordet gefunden. Die Homosexualität des Täters „unterliegt keinem Zweifel“ (Erster von zwei Artikeln, die auf diesen Mordfall eingehen. Die Leiche von Louis Gaudin, *1865, wurde am 06.03.1902 gefunden. Die Täter waren der Dragoner Hermann August Fandrich und der Dragoner-Gefreite Schulze. Zu dem Fall gibt es eine Akte über den Zeitraum 1902-1927 mit Berichten, Vermerke, Briefe, Zeugenaussagen und einer Ausgabe der Homosexuellenzeitschrift „Blätter für Menschenrecht" von September 1926).

Vorwärts. 18.03.1902. „Krupp auf Capri“ (ohne homosexuellen Subtext).

Vorwärts. 25.03.1902. Im Rahmen „Gaudinschen“ (Louis Gaudin) Mordaffäre. Durchsuchungen in einer Kaserne. Hinweis, dass sich Homosexuelle als Soldaten verkleiden, wie schon vor 13 Jahren bei der Ermordung des Militär-Invaliden Roese. Damals fand man ein Fotoalbum mit den Fotos von „pervers veranlagten Männern“. Die Täter wurden nie gefasst. (Anhand von anderen Zeitungsartikeln von 1888/1889 kann zumindest bestätigt werden, dass nach der Ermordung von Roese 1888 der Täter im homosexuellen Umfeld gesucht wurde. Nach dem Berliner Volksblatt vom 28:12.1888 geschah der Mord am 24.12.1988 und nach dem Berliner Volksblatt vom 11.12.1889 ist der Täter auch nach einem Jahr noch immer nicht gefasst, „den man in jenen männlichen Personen, die zu verwerflichem Verkehr mit Männern stehen, suchen zu müssen glaubte“).

Vorwärts. 03.04.1902. „Männer-Vortrag“ vom Naturheilkundigen Herrn Grundmann: „Homosexualität im Geschlechts- und Seelenleben“ morgen (Naturheilverein Reform. Über den Referenten liegen keine weiteren Angaben vor).

Vorwärts. 04.04.1902. „Krupp auf Capri“ (ohne homosexuellen Subtext).

Vorwärts. 23.04.1902. Erwähnung: Im 29. Heft von „Die neue Zeit“ geht es u.a. um „Was muss das Volk vom dritten Geschlecht wissen“ (Magnus Hirschfeld, WhK).

Vorwärts. 21.08.1902. Sascha Schneiders Gemälde: „Der Kampf um die Wahrheit“.

Vorwärts. 30.10.1902. „Herr Krupp auf Capri“ (dezente Hinweise auf Beiträge in der italienischen Presse, die Herr Krupp richtigstellen könnte. S. 15.11.1902).

Vorwärts. 15.11.1902. S. 2: „Krupp auf Capri“. Mit einer Fortsetzung auf S. 3 über den Wunsch nach Abschaffung des § 175, aber auch über den „pervers veranlagten Mann“. (§ 175er. Dieser deutliche Artikel löste einen weitreichenden Skandal aus. S. Wiki !!).

Vorwärts. 21.11.1902. Wegen dem nachgedruckten Artikel „Krupp auf Capri“ wurde in Hannover der „Volkswille“ beschlagnahmt.

Vorwärts. 22.11.1902. Wegen dem nachgedruckten Artikel „Krupp auf Capri“ wurde in Düsseldorf die „Volkszeitung“ beschlagnahmt.

Vorwärts. 26.11.1902. In „Die Kruppianer“ über „Krupp auf Capri“ und italienische Zeitungen. Der „Vorwärts“ gibt hier an, die „Angelegenheit lediglich als Material für die politische Gesetzgebung“, also zur Streichung des 175, behandelt zu haben. Die Zeitung weist darauf hin, dass sie nicht behauptet habe, dass Krupp strafbare Handlungen begangen hat.

Vorwärts. 26.11.1902. Am 26.11.1902 sollte Magnus Hirschfeld in der Hochschule einen Vortrag halten „Die Entstehung der Geschlechter unter besonderer Berücksichtigung des dritten Geschlechts (konträre Sexualempfindung)“, die der Rektor verbot. Kritik vom „Vorwärts“.

Vorwärts. 27.11.1902. Werbeanzeige für die Schrift von M. Braunschweig: „Das dritte Geschlecht. Gleichgeschlechtliche Liebe“ (Herzer 508).

Vorwärts. 29.11.1902. Vorwürfe der „Frankfurter Zeitung“ gegen den Artikel „Krupp auf Capri“ (Cover).

Vorwärts. 02.12.1902. Eine Erklärung zu Krupp vom WhK, die in der „Welt am Montag“ abgedruckt wurde, wurde nun auch in dieser Ausgabe des „Vorwärts“ nachgedruckt: Der Hinweis homosexuell zu sein, ist keine Beleidigung und Ehrenkränkung. Unterschrieben von Magnus Hirschfeld, Ernst Burchard und Georg Merzbach.

Vorwärts 04.12.1902. Anzeige: Vortrag: G. Wagner: „Verkehrte Geschlechtsempfindung und die Opfer des § 175 d. St.-G.-B.“ am 05.12.1902 in Buggenhagen (Vereinigte Naturheilvereine. Über den Referenten sind keine weiteren Angaben bekannt).

Vorwärts. 05.12.1902. Abdruck einer Richtigstellung von Magnus Hirschfeld: Die in Leipzig verbotene Versammlung wurde nicht von Hirschfeld, sondern vom dortigen Komitee einberufen. Obwohl zugesichert wurde, den Fall Krupp nicht zu behandelt, wurde die Versammlung mit einem Hinweis auf einen „Vorwärts“-Artikel verboten.

 

1903

Vorwärts. 11.01.1903. Werbeanzeige: Vortrag von Magnus Hirschfeld am 12.01.1903. „Der Verein für die Gesundheitspflege des Volkes“ versucht eine Reform des § 175.

Vorwärts. 13.01.1903. Zehnte Konferenz des WhK. Vortrag von Magnus Hirschfeld. Der Fall Krupp. Unter der Zustimmung der Versammlung gab Hirschfeld an, dass der „Vorwärts“ bei dem Artikel „von edlen Motiven geleitet worden sei“, als er den Artikel veröffentlichte.

Vorwärts. 14.01.1903. „Der Verein für die Gesundheitspflege des Volkes“ versucht eine Reform des § 175. Redaktionelles: Magnus Hirschfeld, der Präsident des WhK, hielt einen Vortrag über das dritte Geschlecht. An der Diskussion beteiligten sich u.a. Dr. Burchard und Dr. Oppell. (Nach KI handelt es sich dabei um Dr. med. Karl von Oppell, 1839–1913).

Vorwärts. 15.01.1903. Strafanzeige gegen Magnus Hirschfeld von einer Frau, die sich beleidigt fühlte, weil er ihr diesen Fragebogen zuschickte. Kommentar vom „Vorwärts“, die sich an Krupp erinnert fühlt (WhK).

Vorwärts.16.01.1903. Die Vermutung von gestern, dass die Staatsanwaltschaft gegen Hirschfeld vorgeht, wird als falsch dargestellt.

Vorwärts. 08.02.1903. Vortrag von Magnus Hirschfeld am 10.02.1903 „Das dritte Geschlecht und der § 175“ mit dem Hinweis: „Arbeiter, Genossen! Protestiert (…) gegen die Verleumdung unserer Gegner“, dass der Beitrag „Krupp auf Capri“ aus „niederen Motiven“ veröffentlicht wurde.

Vorwärts. 10.02.1903. Vortrag von Magnus Hirschfeld am 10.02.1903 „Das dritte Geschlecht und der § 175“ mit dem Hinweis: „Arbeiter, Genossen! Protestiert (…) gegen die Verleumdung unserer Gegner“, dass der Beitrag „Krupp auf Capri“ aus „niederen Motiven“ veröffentlicht wurde.

Vorwärts. 17.02.1903. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Das urnische Kind“ am Dienstag im Altstädter Hof. Veranstaltet vom WhK (s. auch gleichnamige Publikation unter Herzer 562).

Vorwärts. 20.02.1903. Das „unsittliche Bild“ von Sascha Schneider: „Der Kampf um die Wahrheit“.

Vorwärts. 08.03.1903. Werbeanzeige. Vortrag am 11.03.1903: Magnus Hirschfeld: „§ 175“ und „Was soll das Volk vom dritten Geschlecht wissen“. Der Fall Krupp. „Wir müssen Protest zur Beseitigung dieser verhängnisvollen Strafbestimmung erhaben“.

Vorwärts. 10.03.1903. Vortrag von Reinhold Gerling am 11.03.1903 über „Die Enterbten des Liebesglücks oder das dritte Geschlecht und der § 175“.

Vorwärts. 13.03.1903. Vortrag von Magnus Hirschfeld vom WhK vor 1200 Männern und Frauen. „Aufklärung über gleichgeschlechtliche Neigungen“ war der Zweck einer Volksversammlung von einem Naturheilverein. Es wurde sich gegen den § 175 ausgesprochen. Am Ende wurde eine Resolution verabschiedet, wonach der Artikel „Krupp auf Capri“ „nicht unlauteren Motiven entsprungen sei“, sondern der Abschaffung des § 175 dienen sollte (!!).

Vorwärts. 14.03.1903. Die freie Hochschule Berlin hat beschlossen, Magnus Hirschfeld mit Vorträgen zu beauftragen.

Vorwärts. 15.03.1903. Anzeige. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Bau und Pflege des weiblichen Unterleibes“ für Frauen und Mädchen „reiferen Alters“ am 16.03.1903. Organisiert vom Verein für Gesundheitspflege des Volkes.

Vorwärts. 28.03.1903. Zitat aus der „Deutschen Tageszeitung“, dass Frauen die Teilnahme an politischen Vorträgen verboten ist. Nach dem „Vorwärts“ bezieht sich dies auf den Umstand, dass bei den Vorträgen von Magnus Hirschfeld über den § 175 auch Frauen teilnehmen können. (Gleichberechtigung).

Vorwärts. 31.03.1903. Das Januar und Februar-Heft von „Der Eigene“ von Adolf Brand wurden konfisziert.

Vorwärts. 02.04.1903. Verfahren gegen den Maler Allers, seine Villa auf Capri und „widernatürliche Unzucht“ (Zu Christian Wilhelm Allers und den Eklat in Folge von Krupp s. Wiki).

Vorwärts. 12.04.1903. Vortrag bzw. „Grosse Versammlung“ am 15. April über „Fall Krupp!“ und „Homosexualität und Sittlichkeit. Die Betrogenen des Liebesglücks und der § 175“. Als Referenten werden Adolf Brand und Edwin Bab genannt (Bei dem Arzt Dr. Edwin Bab habe ich fast nur die Artikel verlinkt, die eine Aussage darüber machen, wie er mit dem Homosexuellenaktivisten Adolf Brand zusammenarbeitete. Ergänzend möchte ich noch den Artikel vom 07.04.1903 anführen: Eine Anzeige für einen Vortrag von Edwin Bab über ein Blumenmedium, Spiritismus und Gedankenübertragung. S.a. auch Herzer 545, 597 und 598).

Vorwärts. 23.04.1903. Vortrag bzw. „Grosse Versammlung“ am 24. April über „Fall Krupp!“ und „Homosexualität und Sittlichkeit. Die Betrogenen des Liebesglücks und der § 175“ (Adolf Brand, Edwin Bab).

Vorwärts. 23.04.1903. Referat (Vortrag) von Dr. von Oppell über „Die Frage der Homosexualität“. Beifall für die Forderung den § 175 zu beseitigen. Auch Dr. Ernst Burchard, der den Vorsitz hatte, beteiligte sich an der anschließenden Diskussion.

Vorwärts. 10.05.1903. Hinweis auf Magnus Hirschfeld: „Der urnische Mensch“ (Spohr-Verlag. Herzer 563).

Vorwärts. 16.06.1903. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Schlaf, Hypnose und Suggestion“ am 17.06.1903 in der Technischen Hochschule Berlin, Abteilung für Kunst und Wissenschaft.

Vorwärts. 04.07.1903. Werbeanzeige für den Vortrag Magnus Hirschfeld: „Die homosexuelle Frage (das dritte Geschlecht) und der § 175“.

Vorwärts. 11.07.1903. Hinweis auf Hans Fischer: „Homosexualität, eine physiologische Erscheinung?“ (Herzer 552).

Vorwärts. 07.08.1903. Es wurde Strafanzeige gegen Adolf Brand erhoben, weil in „Der Eigene“ Friedrich von Schillers Gedicht „Die Freundschaft“ und Kunstwerke von Fidus abgedruckt wurden. Positionierung des „Vorwärts“ auch zum § 175 !! (Ein Verfahren wegen einem „unsittlichen“ Gedicht von Schiller war nur deshalb möglich, weil beim Abdruck des Gedichtes in „Der Eigene“. 4. Jg. 1903. S. 313-314 Schillers Name nicht genannt wurde).

Vorwärts. 02.09.1903. Der „Vorwärts“ freut sich über die Solidarität, die u.a. durch Adolf Brands Vortrag „Schriftsteller, Staatsanwalt und Justizminister“ zum Ausdruck kommt.

Vorwärts. 03.09.1903. Werbeanzeige: Vortrag von Adolf Brand „Schriftsteller, Staatsanwalt und Justizminister“ am 03.09.1903 in den Germania-Prachtsälen. Ein anderer Mitredner ist Senna Hoy über zwei Redakteure. (Über den Anarchisten und Schriftsteller Senna Hoy, eigentlich Johannes Holzmann, hat der „Vorwärts“ mehr als 40 Mal berichtet. Ich habe nur die Beiträge verlinkt, die in Verbindung mit § 175 oder dem Homosexuellenaktivisten Adolf Brand stehen. S. a. Wiki mit dem Hinweis, dass er sich für die Legalisierung homosexueller Handlungen einsetzte).

Vorwärts. 05.09.1903. Auf einer Versammlung von 1500 Personen sprechen u.a. Senna Hoy (=Johannes Holzmann) und Adolf Brand u. a. zur Entmündigung von Dr. Sternberg (Dr. Hermann Sternberg).

Vorwärts. 15.09.1903. Werbeanzeige: Vortrag von Adolf Brand „Schriftsteller, Staatsanwalt und Justizminister“ am 15.09.1903 bei Patt (Verein der freiheitlichen Sozialisten Berlins).

Vorwärts. 22.09.1903. Erwähnung vom neuen „Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen“.

Vorwärts. 23.09.1903. Werbeanzeige für den Vortrag von Senna Hoy und Adolf Brand. „Justizminister als Angeklagte oder Klassenjustiz und Entmündigungs-Unfug“ am 25.9.1903.

Vorwärts. 24.09.1903. Werbeanzeige für den Vortrag von Senna Hoy und Adolf Brand „Justizminister als Angeklagte oder Klassenjustiz und Entmündigungs-Unfug“ am 25.9.1903. (Dr. Hermann Sternberg).

Vorwärts. 27.09.1903. Adolf Brand und Senna Hoy (=Johannes Holzmann) hielten einen Vortrag über „Justizminister als Angeklagte“. Senna Hoy wurde während der Veranstaltung von Polizisten verhaftet und Brand führte seinen Vortrag weiter aus. (Es liegt kein direkter homosexueller Zusammenhang vor. Dr. Sternberg war nach Kritik an Justizminister Schelling entmündigt worden).

Vorwärts. 29.09.1903. Hinweis auf den 5. Jahrgang vom „Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen“ mit der Behandlung von Krupp.

Vorwärts. 01.10.1903. „Sittlichkeitsrettung in Sachsen“ (ironische Überschrift). Adolf Brand („Der Eigene“) wurde wegen der Verbreitung „unzüchtiger Schriften“ angeklagt. Dazu gehören auch Friedrich von Schillers Gedicht „Die Freundschaft“ und Zeichnungen von Fidus.

Vorwärts. 07.10.1903. Am Montag begann die Hauptverhandlung gegen Adolf Brand, Herausgeber von „Der Eigene“, wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften vom Landgericht Leipzig.

Vorwärts. 13.10.1903. Adolf Brand, Herausgeber von Der Eigene, ist wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften vom Landgericht in Leipzig zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. (Dass sich diese Verurteilung auch auf Friedrich von Schillers Gedicht „Die Freundschaft“ bezieht, ist eine Falschmeldung)

Vorwärts. 15.10.1903. Freie Hochschule in Berlin. (Vortrag) Die Vorträge von Magnus Hirschfeld über „Das Geschlechtsleben des Menschen“ sollen wiederholt werden. Für Frauen ab dem 20.10.1903 und für Männer ab dem 21.10.1903.

Vorwärts. 24.10.1903. In Leipzig wurde die bei Adolf Brand erschienene Anthologie von Elisar von Kupffer „Lieblingminne und Freundesliebe“ von 1901 konfisziert. Vorwärts: „Sittlichkeitsretterei“ (Herzer 449)

Vorwärts. 14.11.1903. Vortrag von Adolf Brand über „Der Herr Justizminister als Angeklagter oder Klassenjustiz und Entmündigungs-Unfug“ am Sonntag im Adlershof.

Vorwärts. 20.11.1903: Werbeanzeige für den Vortrag Magnus Hirschfeld: „Die homosexuelle Frage (das dritte Geschlecht) und der § 175“ am 20.11.1903 in Kellers Festsäle.

 

1904

Vorwärts. 01.01.1904. Freie Hochschule in Berlin. (Vortrag) Die Vorträge von Magnus Hirschfeld über „Das Geschlechtsleben des Menschen“ sollen ab dem 11.01.1904 wiederholt werden.

Vorwärts. 17.01.1904. Ein Leserbriefschreiber mit einer unbekannten Frage wird an Magnus Hirschfeld verwiesen.

Vorwärts. 19.01.1904. Verhandlung gegen den Grafen Tyschkiewicz und den Schlächtergesellen Hermann Knorre wegen § 175 und Erpressung. Der erpresste Konsul K. von Schenk hat sich das Leben genommen.

Vorwärts. 21.02.1904. Hinweis auf Rudolf Quanter: „Wider das dritte Geschlecht. Ein Wort zu Aufklärung über die konträre Sexualempfindung“ (Herzer 652).

Vorwärts. 28.02.1904. Erwähnung: Ein Arzt erklärt den Austritt aus der SPD. Er stand an der Spitze der Bewegung für die Straflosigkeit von Homosexualität.

Vorwärts. 06.03.1904. In Magdeburg wurde vom Kriegsgericht der Unteroffizier Heinrich Pessel zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte mit einem „18jährigen Musketier widernatürliche Unzucht getrieben“.

Vorwärts. 06.03.1904. In einer Versammlung wird Senna Hoy das Wort verwehrt, „weil er Gegner des § 175 sei“.

Vorwärts. 15.03.1904. Anzeige. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Die Lungenschwindsucht, eine Geißel der Menschheit“ am 16.03.1904 in den Arminiushallen. (Hausarztkasse Volkswohl)

Vorwärts. 29.03.1904. Die Umfrage von Magnus Hirschfeld unter Studenten mit der Nennung der Namen der sechs Studenten, die ihn später anzeigten. (WhK)

Vorwärts. 07.04.1904. Kaplan Dasbach war von dem Kellner Lambert Pohl aus Bonn auf homosexueller Grundlage erpresst worden. Bei einer Kölner Gerichtsverhandlung wurde Pohl zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. (Dies war offenbar der erste Artikel über den Skandal Dasbach. S. mein Buch „Anders als die Anderen“, 2006. S. 22-23 und den Beitrag in Wiki. Zum Hintergrund: Adolf Brand veröffentlichte in diesem Jahr die Broschüre „Kaplan Dasbach und die Freundesliebe“ und wollte ihn in die Nähe der „Freundesliebe“, hier als Euphemismus für homosexuelle Neigungen, zu rücken. Dabei wandte Brand – so Wikipedia – erstmals eine Praxis an, die später als Outing bezeichnet wurde). (!!).

Vorwärts. 21.04.1904. Verhandlungen im Reichstag. Plenarprotokoll vom 20.4.1904.

Vorwärts. 22.04.1904. Vortrag bzw. sieben Vorträge von Magnus Hirschfeld über „Das Geschlechtsleben und seine Gesetze“ (an allen Dienstagen vom 3.5.-14.06.1904. Freie Hochschule Köllnisches Gymnasium)

Vorwärts. 28.04.1904. Magnus Hirschfeld und das WhK. Broschüre basierend auf Umfragen bei Studenten und bei Metallarbeitern. Wiedergabe eines Briefes, den ein Metallarbeiter an Hirschfeld geschrieben hat. Der Vorwärts: Hirschfeld Erfahrungen sind beachtenswert. (!!).

Vorwärts. 30.04.1904. Hinweis auf Broschüre von Magnus Hirschfeld „Das Ergebnis der statistischen Untersuchungen über den Prozentsatz der Homosexuellen“. (Herzer 624, der auf das JfsZ verweist)

Vorwärts. 01.05.1904. Vortrag bzw. sieben Vorträge von Magnus Hirschfeld über „Das Geschlechtsleben und seine Gesetze“ an allen Dienstagen vom 3.5.-14.06.1904. Freie Hochschule Köllnisches Gymnasium.

Vorwärts. 07.05.1904. Hirschfeld und das Strafverfahren, weil er Studenten in einem Fragebogen nach sexueller Orientierung befragte. Über seine erste Schrift („Sappho und Sokrates“) und die Petition. Die Schrift „Die homosexuelle Frage im Urteil der Zeitgenossen“. WhK. Nachdruck der Schriften von Karl Heinrich Ulrichs, Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen, „Der urnische Mensch“, „Das Ergebnis der statistischen Untersuchungen über den Prozentsatz der Homosexuellen“. Wegen dem Strafverfahren über die Beleidigung der Studenten treten als (Entlastungs)zeugen auf: Hermann von Teschenberg, Benedict Friedländer und Ernst Burchard. (Zu Benedict Friedländer s.a. Wiki. WhK !!).

Vorwärts. 08.05.1904. „Dr. Hirschfeld verurteilt“, weil er Studenten nach sexueller Orientierung befragte (Magnus Hirschfeld). Kommentar vom Vorwärts: „Nach dieser Begründung erhält man auch für den seiner Zeit gegen Galilei geführten Inquisitionsprozess einiges Verständnis“ (WhK)

Vorwärts. 18.05.1904. Treffen der Kreissynode in Berlin. Pastor Philipps nimmt Magnus Hirschfeld auf Korn wegen der Verurteilung im Rahmen der „Beleidigung“ von Studenten. Auch Prediger Dr. Runze gegen Hirschfeld. Kommentar der Zeitung: Hirschfeld wird nicht „mit gleicher Münze“ zurückzahlen und sie wegen Beleidigung anzeigen, obwohl er Grund dazu hätte.

Vorwärts. 28.05.1904. „Die Denunzianten“. Die Umfrage und die beleidigten Studenten und die Strafanzeige gegen das WhK (bzw. gegen Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 31.05.1904. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Aus dem Geschlechtsleben“ am 01.06.1904 beim Verband der Tapezierer.

Vorwärts. 14.06.1904. Adolf Brand wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Hinweis auf Friedrich Schillers „Die Freundschaft“ und die Kunstblätter von Fidus (Der Eigene).

Vorwärts. 17.06.1904. Magnus Hirschfeld wurde wegen einer Umfrage bei Studenten verurteilt. Adolf Brand hat in seiner Schrift „Pastor Philipps und die Sittlichkeit“ (Wochenbericht der Gemeinschaft der Eigenen) dargelegt, dass die vier Studenten durch den Einfluss von Klerikern dazu veranlasst wurden. Einer dieser vier Studenten, Bruno Senkspiel, hat nun eine Anzeige wegen Beleidigung gegen Adolf Brand gestellt.

Vorwärts. 26.06.1904. Über falsche Rechtssprüche bzw. Gerichtsurteile der vorigen Zeit. Erwähnung, dass Adolf Brand wurde wegen dem Abdruck eines Gedichtes von Friedrich Schiller und von Bildern von Fidus in der Eigene verurteilt wurde. (Das ist eine Falschmeldung. Cover).

Vorwärts. 05.07.1904. Erwähnung Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen in der „Neuen Zeit“

Vorwärts. 23.07.1904. Verhandlung über homosexuelle Kuppelei. Zwei Hoteliers sollen Möglichkeit für einen „geschlechtlichen Umgang“ geboten haben. Sie verteidigten sich mit dem Hinweis, dass auch Kaplan Dasbach bei Ihnen übernachtet habe. (Dieser Artikel führte zu einer Gegendarstellung von Dasbach in der Ausgabe vom 03.08.1904. Schlagwort: Kirche; !!)

Vorwärts. 26.07.1904. Werbung für „Kaplan Dasbach und die Freundesliebe“ (Gemeinschaft der Eigenen, Adolf Brand) Mit dem Hinweis, dass sie von der Polizei für den Straßenverkauf verboten wurde

Vorwärts. 27.07.1904. Werbung für „Kaplan Dasbach und die Freundesliebe“ (Gemeinschaft der Eigenen, Adolf Brand) Mit dem Hinweis, dass sie von der Polizei für den Straßenverkauf verboten wurde

Vorwärts. 28.07.1904. Werbung für „Kaplan Dasbach und die Freundesliebe“ (Gemeinschaft der Eigenen, Adolf Brand). Mit dem Hinweis, dass sie von der Polizei für den Straßenverkauf verboten wurde.

Vorwärts. 31.07.1904. Werbung für „Kaplan Dasbach und die Freundesliebe“, „Pastor Philipps und die Sittlichkeit“ und „Die Straffreiheit der gleichgeschlechtlichen Liebe“. Bestellbar bei Adolf Brand bzw. der Gemeinschaft der Eigenen.

Vorwärts. 03.08.1904. Gegendarstellung von Kaplan Dasbach zu den Äußerungen von Adolf Brand in seiner Broschüre über Dasbach (Diese Gegendarstellung wurde von mehreren Zeitungen nachgedruckt. !!). Der „Vorwärts“ gibt an, dass er sich noch kein eigenes Urteil dazu gebildet hat.

Vorwärts 03.08.1904. (Nur eine Seite nach der Gegendarstellung) Werbung für „Kaplan Dasbach und die Freundesliebe“, „Pastor Philipps und die Sittlichkeit“ und „Die Straffreiheit der gleichgeschlechtlichen Liebe“. Bestellbar bei Adolf Brand bzw. der Gemeinschaft der Eigenen.

Vorwärts. 06.08.1904. Werbung für „Kaplan Dasbach und die Freundesliebe“, „Der Eigene“, „Pastor Philipps und die Sittlichkeit“ und „Die Straffreiheit der gleichgeschlechtlichen Liebe“. Bestellbar bei Adolf Brand. bzw. der Gemeinschaft der Eigenen.

Vorwärts. 07.08.1904. Edwin Bab hält einen Vortrag über „Wollust und Grausamkeit“

Vorwärts. 30.08.1904. Hinweis auf die Druckschrift von Edwin Bab: „Frauenbewegung und Freundesliebe“ (Verlag Adolf Brand. Der Eigene)

Vorwärts. 04.09.1904. Werbeanzeige für die Rede von Adolf Brand am 05.09.1904 über „Kaplan Dasbach und die Freundesliebe“.

Vorwärts. 06.09.1904. Rede von Adolf Brand am 05.09.1904 über „Kaplan Dasbach und die Freundesliebe“. 700 Personen. Der Vorwärts kritisierte die Auflösung der Veranstaltung

Vorwärts. 07.09.1904. Rede von Adolf Brand am 05.09.1904 über „Kaplan Kasbach und die Freundesliebe“. Sie war nach dem Vorwärts anstössig, sie kritisierte aber trotzdem die Auflösung der Veranstaltung nach 15 Minuten durch die Polizei.

Vorwärts. 09.09.1904. Anzeige: Vortrag von Adolf Brand „Kaplan Dasbach und die Freundesliebe“ am 09.09.1904. Mit Hinweis, dass dieselbe geplante Versammlung vier Tage vorher polizeilich aufgelöst wurde.

Vorwärts. 11.09.1904. Großer Artikel über „Kaplan Dasbach und die Freundesliebe“. Skandal um Adolf Brand und „Der eigene“. Zeitung beschwert sich über Brands „Anrempelung“ der Sozialdemokratie (SPD)

Vorwärts. 13.09.1904. Gegendarstellung von Adolf Brand (SPD)

Vorwärts. 13.09.1904. Drei Seiten später: Die Staatsanwaltschaft hat gestern bei Brandt 800 Exemplare von „Dasbach und die Freundesliebe konfisziert“, weil damit Dasbach beleidigt wird.

Vorwärts. 15.09.1904. Gegendarstellung zum Artikel am 11.09.1904 von Genosse Dosmar, inwieweit das Auftreten von Brand in Sachen § 175 gegen die Parteigrundsätze verstößt (SPD). Skandal Dasbach

Vorwärts. 17.09.1904. Die Umfrage des WHk und die Strafanzeige wegen Beleidigung gegen Magnus Hirschfeld wird das Reichsgericht beschäftigen.

Vorwärts. 18.09.1904. Anzeige. Vortrag von Adolf Brand „vor seinem Haftantritt“ mit Edwin Bab über „Kaplan Dasbach, die Freundesliebe und die Moraltheologie des heiligen Liguori“ am 19.09.1904 im Volkshaus. (Brand wird als Genosse bezeichnet)

Vorwärts. 29.09.1904. Hinweis auf VI. Jg. vom „Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen (WhK, Magnus Hirschfeld)

Vorwärts. 06.10.1904. Tagung der Sittlichkeitsvereine in Köln. Pfarrer Philipps aus Berlin über Homosexuelle

Vorwärts. 06.10.1904. (Rechts daneben) In Halle an der Saale wurde Major Graf Nikolaus Pückler, Major, wegen „widernatürlicher Unzucht (§ 175)“ freigesprochen.

Vorwärts. 08.10.1904. Tagung der Sittlichkeitsvereine in Köln. Pfarrer Philipps aus Berlin über Homosexuelle

Vorwärts. 15.10.1904. Strafanzeigen gegen Adolf Brand wegen Beleidigung in „Der Eigene“ mit dem Artikel „Pastor Philipps und die Sittlichkeit“. Hintergrund: Magnus Hirschfeld hatte Studenten nach ihrer sexuellen Orientierung befragt (Polizei, Tresckow)

Vorwärts. 18.10.1904. Hinweis auf Edwin Bab: „Broschüre Frauenbewegung und Freundesliebe“ (Verlag Adolf Brand. Der Eigene)

Vorwärts. 25.10.1904. Klage von Dasbach gegen einen Buchhändler: wegen „Dasbach und die Freundesliebe“

Vorwärts. 01.11.1904. Kellner Otto J., der als Prostituierter bekannt ist, und Ingenieur H. werden wegen § 175 verurteilt. Nur der Ingenieur H. ist ein „bedauernswertes Opfer“ (Prostitution, Berlin, Friedrichstraße, Tiergarten)

Vorwärts. 04.11.1904. Der Dresdner Ratsassessor und Hauptmann a.D. Dr. Ackermann und drei junge Männer sind wegen § 175 verhaftet worden. Für den „Vorwärts“ ist das „Teufelswerk“ und „wurmstichiges Gewächs“. (Der erste von drei Artikeln. Paul Ackermann hatte sich mit einem Mann in einem Hotel in der Berliner Friedrichstraße getroffen und war anschließend von Dupke, Rochan und Wollman erpresst worden. Eine Berliner Erpresserbande hatte versucht, ihn um 1400 Mark zu erpressen. Er war zudem der Sohn des damals bekannten, verstorbenen sächsischen Kammerpräsidenten und Geheimen Rats. Siehe dazu auch die Meldungen in „Allgemeiner Anzeiger“ vom 15.03.1905, S. 1 und im „Dresdner Journal“ vom 11.03.1905. S. 5).

Vorwärts. 06.11.1904. Verhandlung gegen Magnus Hirschfeld wegen seiner Umfrage bei Studenten.

Vorwärts. 11.11.1904. Der Dresdner Ratsassessor und Hauptmann a.D. Dr. Ackermann traf sich in Berlin mit einem jungen Mann in einer Wohnung. Danach wurde er von drei Männern erpresst. Er glaubte der Gefahr durch seine Rückreise nach Dresden entkommen zu sein. Als er auch dort erpresst wurde, verständigte er die Polizei und suchte als Hauptmann um seine Entlassung.

Vorwärts. 04.12.1904. Kaplan Dasbach und die versuchte Erpressung.

Vorwärts. 06.12.1904. „Sittenrettung“ ironische Überschrift zu einem Treffen der Sittlichkeitsvereine in Düsseldorf am 27.-28.11.1904. Der „Homosexualismus“ reicht in Berlin bis in die „höchsten Regionen“ hinein und auch „fürstliche Damen“ sind ihm ergeben. Es wurde mit der Denunziation eines Prinzen gedroht. Die Homosexuellen fordern Schonung und sind ansonsten entschlossen, auch die Frommen nicht zu schonen.

Vorwärts. 31.12.1904. Vortrag bzw. Vorträge von Magnus Hirschfeld über „Moderne Probleme der Naturwissenschaften“ in Freie Hochschule Berlin von Januar bis April 1905.

 

1905

Vorwärts. 01.01.1905. Der Fall Dasbach. Adolf Brand („Der Eigene“) und Karl Schneidt („Zeit am Montag“) wurden wegen Beleidigung angezeigt. Sie haben Dasbach für homosexuell erklärt und geschrieben, dass er an der Abschaffung des § 175 persönlich interessiert sei.

Vorwärts. 04.01.1905. Der Fall Hasse mit Hinweis auf den Erpresser Lächel und Kriminalkommissar Tresckow mit einer deutlichen Positionierung des Vorwärts gegen den § 175. (Der erste von zwölf Artikeln über den Breslauer Landgerichtsdirektor August Hasse. Hasse war nach einem Betasten auf einer öffentlichen Toilette von drei Männern erpresst worden. Bruno Lächel, Willy Heuer und Bruno Günz. Am 19.12.1904 traf sich Hasse mit einem der Erpresser, schoss auf ihn und stellt sich der Polizei. Die drei Täter wurden später zu Strafen von 4-9 Jahren Gefängnis verurteilt. !!)

Vorwärts. 05.01.1905. Großer Artikel über Fall August Hasse mit Hinweis auf einen Bericht in der Schlesischen Zeitung. (Fortsetzung des Artikel auf der nächsten Seite)

Vorwärts. 06.01.1905. Über Erpressungen auf Grundlage des § 175 mit folgenden Fällen: August Hasse, Dasbach, Oestrich aus München, Kroll aus Berlin, Pfarrer Waigl aus Dachau, Maurus in Augsburg, und Leipprand aus Köln. Magnus Hirschfelds Buch „Das dritte Geschlecht“. Hinweis von Hirschfeld auf die Liste der Berliner Polizei mit den Namen von Tausenden von Homosexuellen. Kommentar der Zeitung, warum der § 175 nicht aufgegeben wird. (!!).

Vorwärts. 07.01.1905. Der Fall August Hasse mit Zitaten aus der Breslauer Zeitung und der Schlesischen Zeitung.

Vorwärts. 11.01.1905. Erpressung des Landgerichtsdirektors August Hasse. Abdruck von einem Artikel aus dem „Tag“ über die Legalisierung, weil der § 175 einen Schutz für die Erpresser darstellt.

Vorwärts. 12.01.1905. Das WhK möchte den Fall August Hasse öffentlich erörtern. Es gibt eine weitere Verhaftung: Der 18-jährige Güntz.

Vorwärts. 15.01.1905. Vortrag von Magnus Hirschfeld am 16.1.1905: „Der § 175 und der Fall Hasse“ (August Hasse).

Vorwärts. 18.01.1905. Ausführliche Besprechung des Vortrages von Magnus Hirschfeld über den Fall August Hasse vor 600 Männern und Frauen. Forderung nach Abschaffung des § 175 und Hinweis auf die Petition des WhK. (!!).

Vorwärts. 09.02.1905. Freitod von Sergeant Orbel im Garnisonlazarett im Tempelhof. Ihm drohte eine Untersuchung wegen „homosexueller Ausschweifungen“.

Vorwärts.09.02.1905. Wegen „gewerbsmäßiger widernatürlicher Unzucht“ ist ein Masseur, der 23-jährige Willy Fuchs, festgenommen worden. Währen des „verbotenen Verkehrs“ starb ein Kaufmann an einem Herzschlag (Prostitution. Zu Willy Fuchs liegen keine weiteren Angaben vor).

Vorwärts. 12.02.1905. Der Dresdner Ratsassessor und Hauptmann a.D. Dr. Ackermann war wegen „homosexueller Verfehlungen“ in Haft genommen und später in eine „Landesirrenanstalt“ überführt worden. Der „Vorwärts“ verwies hier auf das „großes Aufsehen“, dass der Fall im November 1904 verursacht habe.

Vorwärts. 15.02.1905. Hinweis auf Magnus Hirschfeld: „Das dritte Geschlecht“. Großstadt-Dokumente 3. Band.

Vorwärts. 17.02.1905. Erpressungen auf Grundlage von § 175. Vor Gericht standen: Franz Hering und Willy Franz.

Vorwärts. 19.02.1905. Über die unterschiedliche Ansicht des „Vorwärts“ und die „Post“ zum § 175 (!!).

Vorwärts. 02.03.1905. „Der Fall Hasse vor Gericht“. Hintergründe zur Tat und die Verurteilungen (August Hasse).

Vorwärts. 12.03.1905. „175 in der Kaserne“. Sergeant Schuhr wird vorgeworfen 29 Grenadiere missbraucht zu haben. Mit einem Kommentar des Vorwärts über Dienstgewalt

Vorwärts. 28.03.1905. Adolf Brand wollte am Montag (27.03.1905) einen Vortrag halten „§ 175, das Zentrum und die Parlamente“. Es ging auch um die Dasbach-Affäre. Die Polizei drohte früh mit der Auflösung der Versammlung. Edwin Bab war der Versammlungsleiter. Nach der Nennung von Namen von Homosexuellen wie u.a. den Großfürsten Sergius wurde die Versammlung von der Polizei unter Drohung von Waffengewalt aufgelöst. Kritik des Vorwärts. Mit Sergius ist Großfürst Sergei Alexandrowitsch Romanow gemeint)

Vorwärts. 01.04.1905. S. 5: Protokoll des Reichstages vom 31.03.1905. Über die Petition vom WhK bzw. von Magnus Hirscheld zur Abschafffung des § 175. Mit Angriffen von Dr. Thaler (Zentrum) gegen Hirschfeld und das  WhK. Weiter auf S. 6: Weitere Diskussion zur Peition zur Abschaffung des § 175. Mit Hinweis auf Straffreiheit in Bayern und Hannover von 1815-1872. „Krupp auf Capri“ könnte ein „albernes Märchen“ sein, es gab massenhafte Zeugen in Berlin.

Vorwärts. 09.04.1905. Erwähnung: Wenn Prominente falsch zitiert werden, wie Schopenhauer über Homosexuelle. (s.a. 5 Zeilen tiefer)

Vorwärts. 19.04.1905. Werbehinweis auf Ferdinand Karsch-Haack: „Forschungen über gleichgeschlechtliche Liebe“

Vorwärts. 29.04.1905. Der 19-jähriger Hans Schwaiger erpresste einen älteren Herrn. Als dieser nicht mehr zahlen wollte, wandte er sich an das WhK. Der Kommissar von Tresckow nahm Schwaiger fest.

Vorwärts. 21.05.1905. Kurzmeldung. Breslau: Bruno Lächel wurde wegen der Erpressung des Landgerichtsdirektors August Hasse verurteilt.

Vorwärts. 26.05.1905. Hugo Hanne hatte einen Hausdiener (N.N.) erpresst. Für die Zeitung ein Beispiel, dass sich Erpressungen, basierend auf § 175, nicht nur auf Wohlhabende beziehen. Das Opfer hatte sich an das WhK gewandt und mit Hilfe der Polizei wurde der Täter verhaftet (Zum Täter liegen keine weiteren Angaben vor. Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 09.06.1905. Die Sittlichkeitsvereine wollen ein neues Strafrecht, „um einen erfolgreichen Kampf gegen die Agitation der sogenannten ‚Homosexuellen‘ führen zu können“. Indirekte Kritik der Zeitung.

Vorwärts. 14.06.1905. Vortrag von Magnus Hirschfeld „Was muss jeder Mann und jede Frau über den Alkohol wissen?“ am 15.06.1905 in Rabes Festsälen

Vorwärts. 17.06.1905. In einem Artikel über Wider den Alkohol“ auch Hinweis auf einen Vortrag von Magnus Hirschfeld „Was muss jeder Mann und jede Frau über den Alkohol wissen?“ (s. 14.06.1905)

Vorwärts. 24.06.1905. Ein „Bund der Perversen“ (BdP) will sich mit dem „Bund für Menschenrechte“ (BFM) zusammenschließen. Das ist ein vom „Vorwärts“ dokumentierter Scherz aus der „Staatsbürgerzeitung“, wobei sich der „Vorwärts“ wünscht, dass solche Scherze nicht über den Biertisch hinausgehen. (S. a. Christiane Leidinger: „Der anarchistische Bund für Menschenrechte 1903-1906 – eine fragmentarische Spurensuche“. In: „Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft“. 2003. 35/36, S. 43–50. Nicht zu verwechseln mit dem homosexuellen „Bund für Menschenrecht“. S. 8.7.1930).

Vorwärts. 27.06.1905. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Die homosexuelle Frage“ am 28.06.1905 (Lese- und Diskutierclub Süd-Ost).

Vorwärts. 28.06.1905. Vortrag von Magnus Hirschfeld: „Die homosexuelle Frage“ im Lese- und Diskutierclub Süd-Ost.

Vorwärts. 11.07.1905. Beleidigungsklage Wegewski gegen Frank Thyssen, den Sohn des bekannten „Eisenkönigs“ aus Mülheim. Zunächst wurde der Vorwurf eines homosexuellen Verhältnisses erhoben

Vorwärts. 14.07.1905. Hinweis auf Caspar Wirz: „Der Uranier vor Kirche und Schrift“. Max Spohr-Verlag. (Herzer 731)

Vorwärts. 20.08.1905. Strafprozess von 1902. Kuppelei und § 175: Kaufmann Karl Moscholl und Gustav Haupt.

Vorwärts. 08.09.1905. Hinweis auf die Broschüre: Magnus Hirschfeld: „Der Einfluss des Alkohols auf das Geschlechtsleben“

Vorwärts. 16.09.1905. Feigl hat ein Mitglied des WhK erpresst. Dr. Benedict Friedländer. Gutachten von Dr. Ernst Burchard. (Magnus Hirschfeld. Das ist der erste von vier Artikeln über Karl Feigl. S.a. „Mann für Mann“. 2010. S. 319).

Vorwärts. 16.09.1905. Vortragszyklus von Magnus Hirschfeld über „Das Geschlechtsleben und seine Gesetze“ ab dem 31.10.1905 in der Aula des Köllnischen Gymnasiums. (S. 26.10.1905: Freie Hochschule Berlin)

Vorwärts. 20.09.1905. Kaufmann Emil Cohn. Opfer von Erpressung und dem § 175

Vorwärts. 23.09.1905. Adolf Brand und Kaplan Dasbach. Außergerichtlicher Vergleich nach Beleidigung.

Vorwärts. 26.09.1905. Hinweis auf den VII. Jg. vom „Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen“ (WhK, Magnus Hirschfeld)

Vorwärts. 11.10.1905. Ein abgedruckter Leserbrief des WhK: Jahresversammlung mit 300 Personen. Hauptvortrag von Ernst Burchard. Die Petition. Vortrag von Magnus Hirschfeld über Bisexualität (!!)

Vorwärts. 26.10.1905. Vortragszyklus von Magnus Hirschfeld über „Das Geschlechtsleben und seine Gesetze“ ab dem 31.10.1905 in der Aula des Köllnischen Gymnasiums. (S. 16.09.1905: Freie Hochschule Berlin)

Vorwärts. 22.11.1905. Erwähnung im unklaren Kontext: Das „homosexuelle Liebesgirren der herrschenden Klasse“ wird unterstützt.

Vorwärts. 12.12.1905. Wiederholte Erpressung gegen ein Mitglied des WhK. Angeklagt ist Karl Feigl. Er war im WhK als Aushilfskraft angestellt und lernte auf einer Veranstaltung Benedict Friedländer kennen. Es kam zu einem sexuellen Verhältnis und Feigl erpresste Friedländer. Feigl wurde nun zu einem Jahr Gefängnis verurteilt (!!).

Vorwärts. 16.12.1905. „§175?“ Die Gerichtsverhandlung gegen den Diener bzw. Schauspieler Karl Feigl, weil er Dr. B. Fr. erpresst haben soll (=Benedict Friedländer).

 

1906

Vorwärts. 03.02.1906. Werbehinweis auf Ferdinand Karsch-Haack: „Forschungen über gleichgeschlechtliche Liebe“

Vorwärts. 14.03.1906. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Geschlechtsübergänge und Homosexualität“ am 14.03.1906 in der Badstraße

Vorwärts. 11.05.1906. Vor Gericht Franz August Ernst Ritter wegen Handlungen an Knaben. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 11.05.1906. Erwähnung: Im Jahre 1482 wurde in Zürich der Straßburger Ritter Richard von Hohenburg wegen Päderastie zum Feuertod verurteilt.

Vorwärts. 16.05.1906. Vor Gericht Franz August Ernst Ritter wegen Handlungen an Knaben, u.a. mit Magnus Hirschfeld vom WhK als Gutachter.

Vorwärts. 05.06.1906. Vor Gericht Eduard Pandur, der Kleider von Frauen besudelte. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 30.06.1906. „Wegen zweier Knabenmorde zum Tode verurteilt“. Täter war der homosexuelle Bergarbeiter Max Koblitz. Seine sexuell missbrauchten Opfer waren drei Knaben von 12-15 Jahren (Pädo).

Vorwärts. 30.06.1906. Gleiche Ausgabe, andere Seite. Ausführlich über die Biographie des Mörders Max Koblitz (Pädo)

Vorwärts. 08.08.1906. Magnus Hirschfeld als Gutachter in einem Fall von irrtümlicher Geschlechtsbestimmung bei einem Baby.

Vorwärts. 30.08.1906. Vor Gericht wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften die Zeitschrift „Die Schönheit“ mit der Abbildung nackter Personen“. Als Gutachter u.a. Magnus Hirschfeld.

Vorwärts. 18.10.1906. Hinweis auf den VIII. Jg. vom „Jahrbuch für sexuellen Zwischenstufen“ (WhK, Magnus Hirschfeld)

Vorwärts. 24.10.1906. S. 6: Jahresversammlung des WhK. Hinweis auf Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen und die Monatsberichte des WhK. Fortführung des Artikels auf S. 7.

Vorwärts. 01.12.1906. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Mann oder Frau?“ am Donnerstag in der „Gesellschaft für soziale Medizin“ über irrtümliche Geschlechtsbestimmungen. Er „führte drei Personen vor“.

 

1907

Vorwärts. 07.03.1907. Beilage Unterhaltungsblatt. Rezension von Gustav Naumann: „Vom Lärm auf dunklen Gassen“ (1907). Ein „moderner Lehrer– und Erziehungsroman“. Der Lehrer soll ein „Homosexueller“ gewesen sein. Ihm werden sexuelle Kontakten zu Schülern bzw. Knabenliebe nachgesagt. Mit einer Fortsetzung auf der nächsten Seite (Literatur. Der Roman erschien unter dem leicht anderen Titel „Vom Lärm auf dunkeln Gassen“ bei Fischer und ist nach KI heute vor allem als literarisches Zeitzeugnis der Lebensreform-Bewegung von Bedeutung).

Vorwärts. 30.04.1907. Gerichtsverhandlung gegen den Photographen Georg Gretschmar (Georg Gretschmer?) und Paul Gerhardt. Sex mit jungen Männern. Der 15-jährige Gehilfe Fritz Siering nahm sich das Leben. Georg Gretschmar gehörte zur „Gemeinschaft der Eigenen“ (Adolf Brand. Einer von zwei Artikeln über den Fotografen.. S.a. „Mann für Mann“, 2010. 2. Band. S. 438).

Vorwärts. 05.05.1907. Gerichtsverhandlung gegen den Photographen Georg Gretschnar oder Georg Kretschmar (Georg Gretschmer? Georg Kretschmer) wegen Sex mit „Knaben“, wie am 30.04. mitgeteilt. Adolf Brand bestritt jede Verbindung zur „Gemeinschaft der Eigenen“.

Vorwärts. 04.06.1907. Harden-Eulenburg-Affäre (Das ist der erste von vielen verlinkten Artikeln zur sogenannten Harden-Eulenburg-Affäre – s.a. Wikipedia. Dabei handelte es sich um mehrere Gerichtsverfahren wegen Homosexualität und damit in Verbindung stehenden Verleumdungsklagen in den Jahren 1907 bis 1909. Ausgelöst wurde der Skandal durch Veröffentlichungen des Journalisten Maximilian Harden. Betroffen waren prominente Mitglieder des Freundeskreises und der politischen Umgebung von Kaiser Wilhelm II. Die Affäre wurde zum größten Skandal des Deutschen Kaiserreiches und erregte weltweites Aufsehen).

Vorwärts. 12.06.1907. Nach dem Selbstmord des Regierungsrats Dr. Jur. Fleischhammer aus Berlin wird ein langes Zitat aus den Mitteilungen des WhK gebracht (Suizid, zitiert wurde hier aus den auch online verfügbaren „Mitteilungen des WhK“ Nr. 6 vom 1. Juni 1907. S. 122–123).

Vorwärts. 15.06.1907. „Herr Maximilian Harden und die Eulenburgische Tafelrunde“. Harden-Eulenburg-Affäre Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite. Kein Fall nach dem § 175, der nach dem Reichgericht enge Grenzen hat.

Vorwärts. 19.06.1907. Rezension von N.O. Body: „Aus eines Mannes Mädchenjahren“ von einer Person, die als Junge geboren und als Mädchen erzogen wurde. Mit einem Vorwort von Rudolf Presber. Vergleich mit „Verbene Junkers Liebe“ über weibliche Homosexualität und als sexuelle Zwischenstufen ein Verweis auf Richard von Krafft-Ebing (Lesbisch, Sophie Hoechstetter).

Vorwärts. 29.06.1907. Unklare Erwähnung von Homosexualität im Rahmen einer Gerichtsverhandlung über Peters und seine Freunde und ein Hinweis auf eine Nebenregierung (Bei der Gerichtsverhandlung im Juni und Juli 1907 vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts München handelte es sich um einen Privatklageprozess wegen Beleidigung, den der berüchtigte ehemalige Reichskommissar Dr. Carl Peters angestrengt hatte. Carl Peters, der als Begründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika galt, klagte gegen Martin Gruber, den Chefredakteur der „Münchner Post“)

Vorwärts. 01.08.1907. Der Buchbinder Wilhelm Thiele aus Berlin Steglitz verging sich an 8-10-jährigen und war geständig und hat sich wegen § 175 und 176 zu verantworten (Pädo).

Vorwärts. 28.08.1907. Verbrechertrio vor Gericht: Franz Chmuczynski, der 19-jährige aus Wien gebürtige Oskar Treibl, Josef Witasek. Herrenbekanntschaften im Tiergarten und in der Friedrichstraße. Stricherszene in der Behrenstraße. Betrug und „widernatürliche Unzucht“ (Szene).

Vorwärts. 29.08.1907. „Der Paragraph 175“. Hauptmann Hagemann. Freitod nach Erpressung (175er).

Vorwärts. 10.09.1907. Erwähnung von Offizieren, die wegen Päderastie und anderen Delikten unehrenhaft aus der Armee entlassen werden

Vorwärts. 26.09.1907. Die Vorsitzende der Erziehungsanstalt hatte ein Verhältnis mit einer Frau (Lesben, Dänemark)

Vorwärts. 02.10.1907. Adolf Brand und das Flugblatt „Fürst Bülow und die Abschaffung des§ 175" (Gemeinschaft der Eigenen)

Vorwärts. 08.10.1907. Harden-Eulenburg-Affäre. Bülow/Brand (Mitte). Es soll eine Liste mit den Namen von 20.000 Homosexuellen bei der Polizei geben (Rechte Seite. Cover)

Vorwärts. 10.10.1907. Anzeige gegen den Korbmacher Ernst Fischer. Auch über den Rechtsanwalt Franc, „dem niemand homosexuelle Beziehungen zugetraut hätte“.

Vorwärts. 13.10.1907. Bülow und Adolf Brand

Vorwärts. 20.10.1907. Verhandlung gegen den Schauspieler Julius Wiese wegen Handlungen mit Kindern. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 24.10.1907. Harden-Eulenburg-Affäre. (Cover. Bericht über den Beginn des ersten Moltke-Prozess vom 23.-29.10.1907. „Wir sind Gegner der Bestrafung der homosexuellen Liebe“, aber es gibt neben der angeborenen auch eine erworbene H., die „ein Produkt des Verfalls ist“. In seinem Buch „Arbeiterparteien und Homosexuellenfrage“, 1980, S. 46 zitierte Eissler eine längere Textpassage aus diesem Artikel !!).

Vorwärts. 24.10.1907. „Die Nebenregierung des § 175“. Harden-Eulenburg-Affäre. Fortsetzung auf der nächsten Seite.

Vorwärts. 25.10.1907. Harden-Eulenburg-Affäre. „Die Nebenregierung des § 175“. Mit Erwähnung von Magnus Hirschfeld rechte Spalte. Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite.

Vorwärts. 26.10.1907. S. 1: „Der Prozess der Unsichbaren“ (Cover. Mit einer Fortsetzung auf der S. 2: Mit Hinweisen auf Magnus Hirschfeld, der Harden Recht gab und Moltke als homosexuell bezeichnet hat).

Vorwärts. 26.10.1907. S. 5: „Die Nebenregierung des § 175“ S. 5-7. Harden-Eulenburg-Affäre. Mit einer Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite. Über Magnus Hirschfeld und das WhK. Hier die wichtigen Zitate von Hirschfeld im Rahmen des ersten Moltke-Prozess vom 23.-29.10.1907 über eine „ihm selbst auch nicht bewusste Anlage, die man als homosexuell zu bezeichnen pflegt“. Fortsetzung des Artikels auf der übernächsten Seite über die „Hintermänner im doppelten Sinne“

Vorwärts. 27.10.1907. Harden-Eulenburg-Affäre. Mit einer Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite und übernächsten Seite.

Vorwärts. 30.10.1907. Harden-Eulenburg-Affäre.

Vorwärts. 30.10.1907. Weiterer Artikel zur Harden-Eulenburg-Affäre in derselben Ausgabe. Ein Gedicht von einem „Vorwärts“-Leser über „Päderast“ und „Hintermänner“ im Zusammenhang mit Hardens Freispruch.

Vorwärts. 31.10.1907. Widernatürliche Unzucht und (recht daneben) „Der Prozess Moltke-Harden“. Harden-Eulenburg-Affäre

Vorwärts. 31.10.1907. Werbeanzeige für die Broschüre: „Prozeß Moltke kontra Harden“. Harden-Eulenburg-Affäre

Vorwärts. 01.11.1907. S. 1: Erster Artikel „Militärisches“: Kritik an dem „mangelndem Schutz“ für Soldaten und „übertriebenen Schutz“ für Vorgesetzen. „Wir gehören nicht zu denjenigen, die sich über die Homosexualität furchtbar entrüsten. Aber die militärischen Untergebenen sollten vor solchen Attentaten geschützt werden“. Zweiter Artikel: „Die Heuchelei der Reaktion“. Demokratie ist ein wirksames Mittel „gegen die Kamarilla“ (homosexuelle Nebenregierung). Die „sexuellen Dinge“ war „das wirksamste Mittel zu ihrem Sturze“ (Harden-Eulenburg-Affäre. Cover).

Vorwärts. 01.11.1907. S. 2: „Nachträglich Ahnung?“ Harden-Eulenburg-Affäre und „widernatürliche Unzucht“. „Warten wir ab, obs wahr ist“. Hinweis auf Verjährung.

Vorwärts. 03.11.1907. „Zum Prozess Bülow-Brand“. Kommentar vom Vorwärts: Adolf Brand wird es schwerer als Harden haben. Harden-Eulenburg-Affäre.

Vorwärts. 07.11.1907. Des Reichkanzlers trauriger Sieg. Bülow-Brand-Prozess (Cover)

Vorwärts. 07.11.1907. S. 9: Harden-Eulenburg-Affäre. Mit einer Fortsetzung des Artikels auf Seite 10. Es geht um den Bülow-Brand-Prozess. Magnus Hirschfeld vom WhK und Tresckow als Zeuge und Adolf Brand als Angeklagten. Mit einem Kommentar des Staatsanwalts in der rechten Spalte über die Unterschiede zwischen dem WhK und der Gemeinschaft der Eigenen (!!). Mit einer Fortsetzung des Artikels auf der übernächsten Seite 11. Brand entschuldigt sich. Verurteilung zu 18 Monaten.

Vorwärts. 07.11.1907. Kavalier von Tiefenburg. Damoklesschwert des § 175. Ein Zitat aus „Lustige Blätter“.

Vorwärts. 08.11.1907. „Die Solidarität der Höflinge“. Harden-Eulenburg-Affäre. Ein Kommentar des „Vorwärts“ zum abgeschlossenen Bülow-Brand-Prozess.

Vorwärts. 08.11.1907. Erwähnung: Ein Hetero-Paar bereitet „nicht-homosexuelle“ Handlungen vor.

Vorwärts. 12.11.1907. Magnus Hirschfeld wollten in Breslau einen Vortrag halten über Homosexualität. In letzter Minute musste er das Thema ändern, weil man den Vortrag ansonsten verboten hätte (Polen, Polizei)

Vorwärts. 12.11.1907. Hinweis auf Schrift „Wir vom dritten Geschlecht. Lebensbeichte eines Entarteten“. von Oscar Schumann. „Die neuesten Rätsel der psychopathischen Anomalien Richard Sattlers“.

Vorwärts. 29.11.1907. „Die Geschlechtskrankheiten im Altertum“. Über die Folgen der Päderastie (Medizin, Antike, Analverkehr).

Vorwärts. 30.11.1907. S. 1. Nr. 4341. Erwähnung Reichstag und die Rede von August Bebel. Kriegsminister: „Über das Treiben der Homosexuellen im Heer“ (Cover.)

Vorwärts. 30.11.1907. S. 6. Nr. 4346. Protokoll der Reichstagssitzung vom 29.11.1907 über die Harden-Eulenburg-Affäre. Homosexuelle in Berlin als Sehenswürdigkeit. „Ganze Regimenter verseucht“. Hier auch griechische Liebe und „lesbische Liebe“. Fortsetzung des Artikels auf S. 7 (Lesben).

Vorwärts 30.11.1907. S. 12. Die Tafelrunde vor einem italienischen Gericht (Italien, Rom)

Vorwärts. 01.12.1907. Werbung für „§ 175. Die Homosexualität in Sitte und Recht“ von Hermann Michaelis. Geleitwort von Dr. Magnus Hirschfeld. Verlag Hellas.

Vorwärts. 05.12.1907. Sitzung des Reichstages am 4.12.1907. Der Abgeordnete Pasche.

Vorwärts. 12.12.1907. „Homosexuelle und andere Soldatenmisshandlungen“ (Wien, Österreich, Marine)

Vorwärts. 14.12.1907. „§ 175 in der Kaserne“ in Altona (Hamburg)

Vorwärts. 19.12.1907. Vor Gericht ein fahnenflüchtiger Offizier und 175er. Strafe acht Monate Gefängnis und Entlassung aus dem Dienst wegen „widernatürlicher Unzucht“.

Vorwärts. 19.12.1907. Harden-Eulenburg-Affäre. Es gibt eine „erfreuliche Nachwirkung des Prozesses gegen Adolf Brand“ (Zweite Moltke-Prozess von 18. bis 25. Dezember 1907)

Vorwärts. 20.12.1907. Harden-Eulenburg-Affäre. Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite.

Vorwärts. 21.12.1907. Absatz über Harden und Päderastie. Harden-Eulenburg-Affäre (Cover)

Vorwärts. 22.12.1907. Harden-Eulenburg-Affäre (Cover). Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite.

Vorwärts. 24.12.1907. Harden-Eulenburg-Affäre. 5. Prozesstag. Über den Gutachter Magnus Hirschfeld (linke Spalte) der an seinem ersten Gutachten nicht mehr festhalten kann, weil die Zeugin Frau v. Elbe ihren Zeugenaussage relativiert at.

Vorwärts. 28.12.1907. Harden-Eulenburg-Affäre. Kommentar der Zeitung über Öffentlichkeit von Gerichtsverhandlungen

Vorwärts. 28.12.1907. Harden-Eulenburg-Affäre. Magnus Hirschfeld stellt als Gutachter einige Fragen (2. Spalte)

Vorwärts. 31.12.1907. S. 2. Harden-Eulenburg-Affäre. „auch Dr. Max Hirschfeld (=Magnus Hirschfeld) ließ ihn (=Maximilian Harden) im Stich“. Kritik an Hirschfeld Gutachten im ersten Prozess

Vorwärts. 31.12.1907. S. 6. Harden-Eulenburg-Affäre. Mit dem (veränderten) Gutachten von Magnus Hirschfeld. Fortsetzung des Artikels auf der S. 7. Hirschfeld rechtfertigt sich, dass er „bei der veränderten Grundlage zu anderen Schlüssen“ kommt.

 

1908

Vorwärts. 01.01.1908. Harden-Eulenburg-Affäre. Mit dem Hinweis, dass der Gutachter Magnus Hirschfeld zunächst anderer Meinung war und „sich bekehrt“ habe (2. Spalte). Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite. „Zorn gegen die Hintermänner“. Mit einem Vorwurf von Justizrat Dr. Sello zur „übertriebenen Tätigkeit“ des WhK. Fortsetzung des Artikels auf der übernächsten Seite.

Vorwärts. 04.01.1908. „Die große Reinigung“. Harden-Eulenburg-Affäre (Cover)

Vorwärts. 04.01.1908. Harden-Eulenburg-Affäre. S. 6-8. Mit einer Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite und übernächsten Seite.

Vorwärts. 12.01.1908. In Belgrad wurde ein homosexueller Club entdeckt und es kam zu Verhaftungen. Es sollen noch zwei weitere Clubs bestehen (Szene; 175er; Serbien. Der Begriff „Adler-Villa“ nimmt Bezug auf die Harden-Eulenburg-Affäre).

Vorwärts. 02.02.1908. S. 5: Plenarprotokoll der Reichstagssitzung vom 01.02.1908. Mit einer Fortsetzung des Artikels auf der Seite 6. Hier mit Hinweisen auf Magnus Hirschfeld, das WhK und die Petition zur Abschaffung des § 175.

Vorwärts. 23.02.1908. „Wer sind die Verleumder des Reichskanzlers?“ über die mögliche Homosexualität des Reichkanzlers Bernhard von Bülow (Ein Nebenprozess im Kontext des abgeschlossenen Prozesses „Bülow gegen Brand“).

Vorwärts. 01.03.1908. Sitzung des Abgeordnetenhauses am 29.02.1908. Protokoll: „Gegen das Treiben der homosexuellen Elemente in Berlin“

Vorwärts. 01.03.1908. Iwan Bloch durfte in Berlin keinen Vortrag über Sexualforschung halten.

Vorwärts. 22.04.1908. „Phili von Eulenburg“. Harden-Eulenburg-Affäre.

Vorwärts. 22.04.1908. Harden-Eulenburg-Affäre – Päderastie.

Vorwärts. 23.04.1908. Harden-Eulenburg-Affäre. „Vom Sumpf auf den Höhen“ (Cover).

Vorwärts. 24.04.1908. S. 2: „Herr Isenbiel“. Harden-Eulenburg-Affäre.

Vorwärts. 24.04.1908. S. 3: „Zur Eulenburg-Affäre“. Harden-Eulenburg-Affäre.

Vorwärts. 01.05.1908. In einem „übel beleumdeten Restaurant“ in Paris wurden 28 Homosexuelle verhaftet, von denen 16 ins Gefängnis kamen (Szene; Frankreich; Mit der Überschrift „175“ im Sinne von 175er).

Vorwärts. 03.05.1908. Harden-Eulenburg-Affäre (Cover).

Vorwärts. 13.05.1908. Harden-Eulenburg-Affäre (Cover).

Vorwärts. 21.05.1908. Die Kirche spricht sich gegen die „widernatürliche Unzucht“ aus. Der „Vorwärts“ hält dagegen und zieht Vergleiche zum Harden Skandal. (Harden-Eulenburg-Affäre).

Vorwärts. 23.05.1908. Verurteilt: Kath. Pfarrers Michael Braun von Hohenlinden wegen Sex mit Kindern.

Vorwärts. 24.05.1908. Harden-Eulenburg-Affäre.

Vorwärts. 26.05.1908. Harden-Eulenburg-Affäre.

Vorwärts. 27.05.1908. Erwähnung: Es gibt in Deutschland eine Schwärmerei für das dritte Geschlecht.

Vorwärts. 28.05.1908. Harden-Eulenburg-Affäre.

Vorwärts. 05.06.1908. Harden-Eulenburg-Affäre.

Vorwärts. 07.06.1908. Prozess gegen den Lokomotivheizer Großkopf. Magnus Hirschfeld ist Gutachter.

Vorwärts. 19.06.1907. „Fürstliche Sammler“. Harden-Eulenburg-Affäre. Kommentar über eine „fürstliche Komödie“, wenn Eulenburg vor Gericht erscheint. (!!)

Vorwärts. 23.08.1908. Freitod von Benedict Friedländer (ohne Hinweis auf Homosexualität. Friedländer war bis 1906 Unterstützer des WhK und veröffentlichte in „Der Sozialist“ Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 28.06.1908. Der „Rittmeister der vierten Eskadron des Arts“ ist verschwunden. Es geht um mögliche homosexuelle „Vergehungen mit Untergebenen“ (Erster von zwei Artikeln. S. a. 02.07.1908. Der Rittmeister gehörte der Kavallerie in Posen an. Weitere Angaben sind nicht bekannt.).

Vorwärts. 30.06.1908. Harden-Eulenburg-Affäre. Mit Hinweis auf Magnus Hirschfeld als „Zeugen“, (womit wohl Gutachter gemeint ist. Der Meineidprozess gegen Fürst Philipp zu Eulenburg, der am 29.06.1908 eröffnet, aber nie zu Ende geführt wurde)

Vorwärts. 02.07.1908. Eine Untersuchung gegen den Rittmeister des Arts ist eingeleitet. (s. 28.06.1908).

Vorwärts. 03.07.1908. „Der Päderast als Lehrer im Knaben-Rettungsheim“. Der 26-jährige Lehrer Adolf Accularius verurteilt. (Pädo).

Vorwärts. 04.07.1908. Harden-Eulenburg-Affäre. (Cover).

Vorwärts. 05.07.1908. Harden-Eulenburg-Affäre.

Vorwärts. 07.07.1908. Harden-Eulenburg-Affäre. „Der Geheimprozess“ (Cover).

Vorwärts. 07.07.1908. „Eulenburg vor den Geschworenen“. Harden-Eulenburg-Affäre.

Vorwärts. 08.07.1908. Harden-Eulenburg-Affäre (Cover).

Vorwärts. 10.07.1908. Harden-Eulenburg-Affäre.

Vorwärts. 11.07.1908. Harden-Eulenburg-Affäre.

Vorwärts. 14.07.1908. Harden-Eulenburg-Affäre. (Der Meineidprozess gegen Fürst Philipp zu Eulenburg, der am 29. Juni 1908 eröffnet, aber nie zu Ende geführt wurde. Hier Erwähnung von Gutachter Magnus Hirschfeld, der erst am Dienstag vernommen wird. Über Kommissar Heinrich Kopp (3. Spalte; Polizei). Die Fortsetzung des Artikels folgt auf der nächsten Seite.

Vorwärts. 15.07.1908. Harden-Eulenburg-Affäre

Vorwärts. 19.07.1908. „Wieder einmal der Bock zum Ziergärtner“. Alfred Kaschel wegen „widernatürlicher Unzucht“ (evt. nicht homo. Mit Ziergärtner – bekannt aus einem anderen Fall – wird Opfer zum Täter)

Vorwärts. 22.07.1908. Erwähnung homosexueller Soldaten in Dänemark (s. 27.09.1908).

Vorwärts. 22.07.1908. Tod von des Kaufmanns Julius Engel. Er ist der Polizei als „homosexuell bekannt“. (Erster von sechs Artikel über Engel. Zu Julius Engel s.a. JsZ. 11. Jg. S. 149, 158–161, 162–165. Weitere Einträge im JfsZ unter dem Täter Spaso Kragujewics entsprechend Jens Doblers „Prolegomena“. Nach Magnus Hirschfeld, 1914. S. 888 ist der „Butterhändler Engel“ (Julius Engel) eines von fünf Beispielen über die Ermordung eines Homosexuellen in Berlin nach einer Erpressung).

Vorwärts. 23.07.1908. Beim Tod von Julius Engel wird von Freitod und nicht von Mord ausgegangen

Vorwärts. 25.07.1908. „Isenbiels Opfer“. Harden-Eulenburg-Affäre. Vier Treffer auf dem Cover.

Vorwärts. 29.07.1908. Kurzmeldung: Der 21-jährige Heinrich von Strobel aus Frankfurt wurde als „Knabenschänder“ eines 12-jährigen Knaben erwischt.

Vorwärts. 02.08.1908 Erpressung und Ermordung des Kaufmanns Max Lehmann. Täter war der 26-jährige Tischler Willi Liefeld, der auch als Zuhälter tätig war und nun zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Das Opfer war „eine in homosexuellen Kreisen sehr bekannte Persönlichkeit“ (Offensichtlich der einzige Artikel zu diesem Mordfall im „Vorwärts“. Außer einen Hinweis auf das JfsZ. 11. Jg. S. 149 wurden keine weiteren Hinweise gefunden).

Vorwärts. 12.09.1908. Ermordung des Kaufmanns Julius Engel. Verhaftet wurde Kragujewics.

Vorwärts. 13.09.1908. Ermordung des Kaufmanns Julius Engel. Wurde am 20.06.1908 in der Genthiner Straße tot aufgefunden. Verdächtigt ist Kragnjewics (=Spaso Kragujewicz)

Vorwärts. 15.09.1908. Ermordung des Kaufmanns Julius Engel. Der Serbe Kragujewicz ist verdächtig und gibt zu, „mit älteren Herren homosexuellen Verkehr unterhalten zu haben“.

Vorwärts. 18.09.1908. Minna Kube hält Vorträge über sexuelle Aufklärung, u. a. über das „Entstehen des 3. Geschlechts“. Verkauf von Broschüren zu den gleichen Themen. (Lesben? Minna Kube, 1868-1943, war eine Schriftstellerin und Naturheilkundlerin, die auch unter dem Pseudonym Melitta van Keuren Texte veröffentlichte)

Vorwärts. 27.09.1908. Minna Kube wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften verurteilt. Einige der Fälle sind Fälle von Magnus Hirschfeld. Hinweise auf WhK und die Tendenz der Aufhebung des § 175.

Vorwärts. 27.09.1908. Erwähnung homosexueller Soldaten in Dänemark (s. 22.07.1908)

Vorwärts. 30.09.1908. „Der Lehrer als 175er“. Der 34-jährigen Lehrer Richard Bartsch aus Petersdorf wurde wegen Handlungen an seinen Schülern verurteilt.

Vorwärts. 26.11.1908. Werbung: K. H. Ritter von Lang: „Zur Homosexualität der Jesuiten“ (Kein Besitznachweis von diesem Buch recherchierbar. Karl Heinrich Ritter von Lang veröffentlichte im Jahr 1890 unter dem Titel „Die Knabenliebschaften des Jesuitenpaters Marell“ Quellenschriften aus Archiven, die oft mit dem Thema der angeblichen Homosexualität und sittlichen Verfehlungen im Jesuitenorden verknüpft werden)

Vorwärts. 10.12.1908. Veröffentlichung bei Bernhard Zack von Sagitta: „Die Bücher der namenlosen Liebe“ von 1906 und „wer sind wir?“. Das Anschreiben von „Sagitta: Gehör! Nur einen Augenblick“ wurde vor dem Hintergrund der Harden-Eulenburg-Affäre und Bülow-Brand-Affäre verschickt. Ein Geistlicher fühlte sich beleidigt. Die Verhandlung wurde vertagt. S.a. 11.12.1908 (Literatur. Hinter dem Pseudonym Sagitta steckt der Schriftsteller Johne Henry Mackay 1864-1933).

Vorwärts. 11.12.1908: Urteil zum Buchhändler Bernhard Zack. Einstellung des Verfahrens. (S.a. 10.12.1908).

Vorwärts. 20.12.1908: Verurteilung des RA Heisig und des Schuhmachers Adolf Lötz. Heisig war als Homosexueller bekannt. Lötz sei „verführt“ worden und handelte aus einer Not heraus.

 

1909

Vorwärts. 14.01.1909. Abgeordnetenhaus Protokoll vom 13.1.1909: Hermann Roeren (Zentrum): Antrag „Verhinderung der Schaustellung nackter Personen“. Die Interessenten sind vielfach Homosexuelle.

Vorwärts. 14.04.1909. Sprache: Ein „175er“ ist eine „ganz geläufige Bezeichnung für einen Homosexuellen“

Vorwärts. 21.04.1909. Harden-Eulenburg-Affäre

Vorwärts. 21.04.1909. Harden-Eulenburg-Affäre. Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite.

Vorwärts. 22.04.1909. „Der Homosexuellenclub“ war die Überschrift eines Artikels in „Die Glocke“. Der Club „Neue Damengemeinschaft“ soll lesbisch sein. Fünf Mitglieder des Vereins haben den Redakteur. Felix Wolff wegen Beleidigung verklagt. Freispruch, weil die Vorwürfe „im großen und ganzen wahr sind“. Olga Lehmann ist die Vorsitzende des Vereins (Szene; Lesben).

Vorwärts. 26.10.1909. Privatklage wegen Beleidigung gegen den Redakteur der „Wahrheit“. Es ging darum, ob er sich im „Bunde der Eigenen“ (=Gemeinschaft der Eigenen) hervorgetan und sich homosexuell betätigt hat. Ein „Offener Brief des Bundes der Perversen“ in der „Staatsbürger-Zeitung“ war nur ein Scherz. Wegen Senna Hoy Kritik am Urteil durch den Vorwärts.

Vorwärts. 24.11.1909. Kurzmeldung: In einem öffentlichen Bad in Budapest wurden 24 Männer und Knaben während einer „Orgie“ verhaftet. Es bestand eine „förmliche Organisation der Homosexuellen“ (Ungarn; Szene)

 

1910

Vorwärts. 05.01.1910. „Der Vorentwurf zum neuen Strafgesetzbuch“. Die Zeitung kritisiert, dass der § 175 nicht aufgehoben, sondern wegen der Ausweitung auf weibliche Homosexualität sogar noch verschärft werden soll (Lesben. Cover. In der wilhelminischen Zeit wurde die Kriminalisierung der weiblichen Homosexualität vor allem ab 1909 intensiv diskutiert. In diesem Jahr legte das Reichsjustizamt einen Vorentwurf für ein neues Strafgesetzbuch vor, der vorsah, den § 175 RStGB auf Frauen auszuweiten. Mit der Veröffentlichung des Vorentwurfs begann 1909–1910 eine breite öffentliche und politische Debatte. Um 1911 formierte sich dagegen massiver Widerstand aus der Frauenbewegung).

Vorwärts. 21.01.1910. Lissaer Schwurgericht: Valentin Kosciel wurde wegen vierfachen Lustmordes und § 175 vier Mal zum Tode verurteilt. (Bezug auf die Stadt Lissa, die heute unter der polnischen Bezeichnung Leszno bekannt ist. Weitere Hintergründe sind nicht recherchierbar. Gleichlautende Mitteilung erschien im „Lübecker Volksboten“ vom 22.01.1910. S. 6).

Vorwärts. 08.02.1910. Päderastie im städtischen Obdach. S. nächsten Beitrag.

Vorwärts. 01.03.1910. Über die Zustände im städtischen Obdachlosenheim, wo Doppelbetten für Jugendliche zu „unsittlichen“ Annäherungen herausfordern. Hier sind auch „Päderasten“ und gegen einen „schwulen Peter“ (!) läuft ein Verfahren wegen „Päderastie“.

Vorwärts. 10.03.1910. Raubüberfall auf den Kaufmann Artur Silbermann. Der Angeklagte Wedzicki stand nach den Aussagen der Polizisten von Hans von Treskow und Heinrich Kopp im Verdacht, mit dem Kaufmann B. homosexuell verkehrt zu haben. (Polizei).

Vorwärts. 16.03.1910. Hinweis auf die Broschüre M. Braunschweig: „Das dritte Geschlecht“

Vorwärts. 10.04.1910. Freitod der Schriftstellerin Irma Goeringer. Aufsehen erregte ihr Roman „Schlingpflanzen“ von 1908, der sich in „künstlerischer Form“ mit der „gleichgeschlechtlichen Liebe“ befasste (Literatur. Nicht im ZVAB. Zum Inhalt: s. Ralf Bernd Herden. „Irma Goeringer“. S. 208-209).

Vorwärts. 27.04.1910. Anzeige. „Magnus Hirschfeld. Wohnt jetzt in den Zelten 16“

Vorwärts. 05.05.1910. Kurzmeldung: Der Knabenschänder Caesar Kozmar aus Budapest.

Vorwärts. 27.05.1910. Der Serbe Kragujewitsch (=Spaso Kragujewicz) wurde wegen dem Mord an Julius Engel in Budapest freigesprochen, aber wegen des Mordversuchs von Eduard Reitz aus Wien zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt (zu Eduard Reitz s. JfsZ. 11. Jg. S. 158-164; Ungarn).

Vorwärts. 24.06.1910. Die Vergewaltigung von einem jungen Gärtner hinter Klostermauern. Einen Tag später wurde der Kapuziner-Pater Wiedner verurteilt und der ebenfalls angeklagte Gärtner vor dem Landesgericht Innsbruck freigesprochen (Österreich).

Vorwärts. 28.06.1910. Hauptmann von Göben und Frau von Schönebeck-Weber. Hauptmann von Göben war „pervers veranlagt“. Ein Gutachten über seine Homosexualität

Vorwärts. 29.06.1910. Berichtigung zum Artikel vom 28.06.1910: Gutachten Dr. Stoltenhoff zu Hauptmann von Göben. Nicht jeder Homosexuelle ist „geistig krank“.

Vorwärts. 06.07.1910. Erpressung gegen einen Offizier nach § 175 (längerer Kommentar der Zeitung über die notwendige Streichung des § 175)

Vorwärts. 31.07.1910. Russland. St. Petersburg. Erwähnung. In Kiew hat ein Intendanturbeauftragter seine Untergebenen zu „homosexuellen Ausschweifungen“ verleitet.

Vorwärts. 10.08.1910. Anzeige: „Von der Reise zurück. Dr. Magnus Hirschfeld“

Vorwärts. 04.10.1910. Die „falsche Hofdame“. Der 19-jährge Kaufmann Julius Eichbaum aus Lichterfelde, ist in Frauenkleidung angetroffen und verhaftet worden. Die Mutter des „Mannweibes“ wurde informiert. Magnus Hirschfeld und Ivan Bloch bekundeten seine „Unzurechnungsfähigkeit“ nach § 51 RStGB und brachten ihn nach Hause. Es wird daher kein „Nachspiel“ geben. (Transvestit; s. a. 01.04.1911 mit „Franz Eichbaum“)

Vorwärts. 20.10.1910. Anzeige. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Das geschlechtliche Elend unserer Zeit“ am 21.10.1910 in Ballschmieders Festsälen (Gesellschaft für volkstümliche Vorträge).

Vorwärts. 12.11.1910. Der „Jugendverführer“ Oscar Behrens musste sich wegen § 175 und als „Knabenschänder“ verantworten. Es geht um den 12-jährigen Schüler Buth. Ebenfalls angeklagt wurde der 16-jährige Alexander Diehr.

Vorwärts. 03.12.1910. Großer Artikel über Magdeburger Prozess gegen 17 Homosexuelle. Freundschaftskreis und viele Hintergründe wie Liebesbriefe (Szene; !!).

Vorwärts. 04.12.1910. Kurzmeldung über die Urteile. Magdeburger Prozess gegen 17 Homosexuelle

Vorwärts. 07.12.1910. Beleidigung im Kontext „Deutsch-ostafrikanische Zeitung“ und die Homosexualität von Freiherr von Rechenberg und Freiherr von Wächter.

Vorwärts. 15.12.1910. „Die Hölle von Mieltschien“. Der Fall Graske und Fürsorgeerziehung. Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite mit der Aussage von Dr. Seelig, dass Zöglinge mit „einer Neigung zu widernatürliche Unzucht“ besonders unglaubwürdig sind.

 

1911

Vorwärts. 08.01.1911. Der Fall Julius Haschke. Sexuelle Handlungen mit einem Mädchen. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 14.01.1911. Der Fall Julius Haschke. Sexuelle Handlungen mit einem Mädchen in Verbindung mit Epilepsie. Magnus Hirschfeld als Gutachter. Hirschfeld gibt im „Vorwärts“ eine korrigierende Erklärung ab. (s.a. Vorwärts vom 08.01.1911).

Vorwärts. 19.01.1911. Der New Yorker „Herald“ und der Skandal über Admiral Barry (USA, Marine).

Vorwärts. 14.02.1911. „Der Homosexualitätsparagraph und die Frauen“. Strafbarkeit soll ausgedehnt werden. Vortrag bzw. Vorträge von Helene Stöcker, von Magnus Hirschfeld über § 175 und sexuelle Zwischenstufen und von Dr. Heinz Stabel, der sich für Legalisierung einsetzt.

Vorwärts. 15.02.1911. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Ueber die Gefahren der geschlechtlichen Unwissenheit“ am 16.02.1911 in der Brauerei Patzenhofer (Gesellschaft für volkstümliche Vorträge).

Vorwärts. 02.03.1911. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Ursachen, Wesen, Folgen, Verhütung und Bekämpfung der Prostitution und der Geschlechtskrankheiten“ in Ballschmieders Festsälen am 03.03.1911.

Vorwärts. 07.03.1911. Kurzmeldung: „Die Budapester Polizei hob in der Wohnung eines Juweliers Kurs eine aus 60 halbwüchsigen Burschen bestehende Gesellschaft Homosexueller aus“ (Ungarn).

Vorwärts. 08.03.1911. Beleidigung vor Gericht: Die „Große Glocke“ und der Artikel „Die homosexuellen Orgien des Theaterdirektors“.

Vorwärts. 10.03.1911. Erwähnung. Zitate aus dem „Reichsboten“: Die moderne Frau äfft die Männer nach. Sie sind die „Repräsentanten des dritten Geschlechts“.

Vorwärts. 14.03.1911. „Wäschediebstahl aus Wollust“. Damenwäsche. Der 28-jährige Heinrich Müller soll in Wiesbaden „in homosexuellen Kreisen verkehrt haben“. (Transvestit).

Vorwärts. 01.04.1911. Großer Artikel: „Die falsche Hofdame vor Gericht“. Die falsche Gräfin Manuela von Arnim bzw. Kaufmann Franz Eichbaum und sein Komplize, der Kaufmann Paul Klemmt, stehen wegen Betrugs vor Gericht. Magnus Hirschfeld als Gutachter, der ihn als „erblich schwer belasteter Mensch“ angesehen. Verurteilung zu einem Monat Gefängnis. Für die Tat selber ist der § 51 nicht anzuwenden (Transvestit; Richard von Krafft-Ebing; Albert Moll; s. a. 04.10.1911 mit „Julius Eichbaum“).

Vorwärts. 06.04.1911. Knabenliebe bei den Ghegen. Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite. Lieder über die Knabenliebe (Albanien).

Vorwärts. 08.04.1911. „Der 175er als Fürsorgeerzieher“. In Rostock hat sich der Erziehungsgehilfe Jung an Knaben vergangen. Für sechs Fälle zwei Jahre Gefängnis.

Vorwärts. 30.04.1911. Anzeige: „Von der Reise zurück. Dr. Magnus Hirschfeld“.

Vorwärts. 01.06.1911. Im Pariser Theater läuft der „Heilige Sebastian“ von Gabriele D’Annunzio mit „homosexueller Zweideutigkeit“ (Frankreich).

Vorwärts. 04.07.1911. „Gerichtszeitung. Wandervogel und Homosexualität“ (Einziger Treffer über den homosexuellen Rittergutsbesitzer Wilhelm Jansen).

Vorwärts. 05.07.1911. Frauenmord am Humboldt-Hafen. Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite mit Magnus Hirschfeld als Gutachter der Zeugin Wesemeyer. (Nach KI wurde die Leiche der Frau im März 1911 im Humboldthafen in Berlin gefunden und konnte auch später nicht identifiziert werden. Als Hauptverdächtige wurden die Arbeiter Wolfs, Meißner und der Wächter Wegner in der Presse genannt. Verweis auf das „Leipziger Tageblatt“ vom 19.03.1911).

Vorwärts. 26.07.1911. „Selbstmord im Moabiter Untersuchungsgefängnis“. Der Kaufmann Karl F. hat mit acht bis zehn Soldaten „wüste Orgien“ gefeiert. In Berlin wollte er sich von Magnus Hirschfeld untersuchen lassen. Nach einem Gutachten von Magnus Hirschfeld ist er geisteskrank nach § 5 (S. Richtigstellung am 02.08.1911).

Vorwärts. 02.08.1911. Ein längerer Leserbrief von Magnus Hirschfeld zum Artikel „Selbstmord im Moabiter Untersuchungsgefängnis“ vom 26.07.1911. Hirschfeld bestreitet über Karl F. ein Gutachten ausgestellt zu haben (Manfred Herzer schreibt in seinem Buch „Magnus Hirschfeld“. 1992. S. 30, dass „zuweilen“ von Hirschfeld im „Vorwärts“ „Artikel zu sexualpolitischen Themen“ erschienen sind und belegt dies mit zwei Beispielen: Der erste Beitrag am 02.08.1911 ist nur ein Leserbrief; der zweite Artikel im „Vorwärts“ vom 01.09.1918 über „August Forel“ wurde nicht gefunden. Vielleicht liegt hier eine Verwechslung mit dem Artikel „August Forel“ vor, der am 01.09.1928 erschien, allerdings von Fritz Dehnow stammte).

Vorwärts. 05.08.1911. Erwähnung: In Chikago besteht ein Club wie die Tafelrunde von Eulenburg (USA, Szene)

Vorwärts. 21.09.1911. „Der Eulenburger“. Die Frage der Aufnahme des Verfahrens trotz Krankheit (Philipp zu Eulenburg).

Vorwärts. 03.10.1911. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Sexualwissenschaft als Grundlage der Sexualreform“ auf dem ersten Internationalen Kongress für Mutterschutz und Sexualreform am zweiten Tag des Kongresses (29.09.1911?), der am 28.09.1911 begann.

Vorwärts. 05.10.1911. Der Kaufmann Josef Meissauer bekam die Erlaubnis zum Tragen von Frauenkleidung nach einem Gutachten von Magnus Hirschfeld und Iwan Bloch. Er gehört zu den Formen sexueller Zwischenstufen und zu den Transvestiten.

Vorwärts. 05.10.1911. Erwähnung von Päderastie im negativen Kontext.

Vorwärts. 18.10.1911. Vortrag. Fünf Vorträge von Magnus Hirschfeld über „Sexualprobleme unserer Zeit“ am 25.10, 1.11., 8.11., 15.11. und 29.11.1911 in der Aula einer Realschule (Deutscher Bund für Mutterschutz).

Vorwärts. 29.10.1911. Der katholische Pfarrer Leopold Geyer aus Kempten „hatte sich in sechzehn Fällen an Kindern seiner Pfarrgemeinde vergangen. Zu seiner Entschuldigung gab der Schweinepriester an, daß er homosexuell veranlagt sei und die Verbrechen nur aus ‚medizinisch-wissenschaftlichen Gründen‘ begangen habe“ (Pädo).

Vorwärts. 18.11.1911. „Zwei Schwestern werden für Brüder erklärt“. Gutachten von Magnus Hirschfeld und Iwan Bloch über irrtümliche Geschlechtsbestimmungen.

Vorwärts. 14.12.1911. Anspielungen vor Gericht auf „homosexuellem Gebiete“.

 

1912

Vorwärts. 30.01.1912. Betrügereien den Kanzleigehilfen Müller. Gutachten von Magnus Hirschfeld.

Vorwärts. 06.02.1912. „Aus der Frauenbewegung“, aber unklarer Kontext: Personen werden als „homosexuell veranlagte Weiber“ diskreditiert (Lesben, Frauen).

Vorwärts. 17.02.1912. Fahnenflucht eines Soldaten. Gutachten von Magnus Hirschfeld.

Vorwärts. 10.03.1912. Pastor a. D. Wilhelm von Hennigs („Evangelischer Verein zur Hebung der Sittlichkeit“) ist einer der wichtigsten Personen der deutschen Sittlichkeitsbewegung und wurde verhaftet, weil er sich an Schulknaben herandrängte, wobei es nicht um Taten, sondern um „unsittliche Redensarten“ geht. Er hat „besonders energisch“ u. a. das WhK bekämpft. (s. nächster Eintrag vom 13.03.1912).

Vorwärts. 13.03.1912. Der „Deutsch-evangelische Verein zur Förderung der Sittlichkeit“ distanziert sich von dem „Knabenverführer“ (Pastor a. D. Wilhelm von Hennigs) aus den eigenen Reihen, der aber u. a. bei der Bekämpfung des WhK nicht in Erscheinung getreten ist. (Es ist eine Gegendarstellung zum Artikel vom 10.03.1912 – s. voriger Eintrag).

Vorwärts. 08.05.1912. Anzeige „Von der Reise zurück. Dr. med. Magnus Hirschfeld“

Vorwärts. 24.05.1912. Der 22-jährige Kassenbote Max Haase hat Geld unterschlagen und verkehrte in Berlin in den „Kreisen der Homosexuellen“. Hier fand man seinen Freund Alex Thomas bzw. Matrosenalex.

Vorwärts. 13.06.1912. Der Arbeiter Wilhelm Keil trieb in Weißensee „widernatürliche Unzucht“ und wurde festgenommen (Es bleibt unklar, ob hier ein homosexueller Zusammenhang vorliegt).

Vorwärts. 07.07.1912. Der 22-jährige homosexuelle Kassenbote Max Haase hat Geld unterschlagen und war in den Kreisen Homosexueller bekannt. (Weitere nicht relevante Artikel zu diesem Kriminalfall erschienen im „Vorwärts“ am 13.07.1912 und 14.07.1912).

Vorwärts. 23.08.1912. Mann in Frauenkleidern wird im Zug verhaftet. Er gibt an, ein Transvestit zu sein und auf dem Weg zu Magnus Hirschfeld zu sein, den er konsultieren wollte.

Vorwärts. 03.09.1912. Der 22-jährige homosexuelle Kassenbote Max Haase hat Geld unterschlagen. Magnus Hirschfeld war Gutachter, der in seinem Gutachten mit Bezug auf sexuelle Hörigkeit auf Krafft-Ebing verweist. Der § 51 sei aber nicht anwendbar. Haase wurde zu zwei Jahre Gefängnis verurteilt.

Vorwärts. 20.10.1912. Anzeige: „Verzogen nach Zelten 19 (Am Königsplatz) Dr. Magnus Hirschfeld“.

Vorwärts. 03.11.1912. Anzeige: Vortrag für Frauen von Magnus Hirschfeld über „Bau, Aufgabe und Hygiene der weiblichen Organe. Fruchtbarkeit – Unfruchtbarkeit“ im Stadt-Theater am 08.11.1912. (Verband der Hausarzt-Vereine).

Vorwärts. 07.11.1912. Anzeige: Vortrag für Frauen von Magnus Hirschfeld über „Bau, Aufgabe und Hygiene der weiblichen Organe. Fruchtbarkeit – Unfruchtbarkeit“ im Stadt-Theater am 08.11.1912. (Verband der Hausarzt-Vereine).

Vorwärts. 19.11.1912. Über die Ehrenwallsche Irrenanstalt. Viele Skandale und auch „homosexuelle Verhältnisse“. (S.a. Wiki: Anstalt in Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde 1877 gegründet).

Vorwärts. 20.11.1912. S. 4: Entmündigung von Günther von der Schulenburg.

Vorwärts. 20.11.1912. S. 5: Theater: Deutsches Schauspielhaus: Drama: „Kameraden“. „Fräulein Somary in der Bohéme-Figur der homosexuellen Intrigantin Abel bot eine feingeschliffene Studie“ (Lesben. Das Theaterstück „Kameraden“, im Originaltitel: „Kamraterna“, stammt von dem Dramatiker August Strindberg. Abel ist eine Freundin der weiblichen Hauptfigur Berta und wir als eine emanzipierte Frau mit „männlichem Verstand“ dargestellt, die sich weigert, traditionelle weibliche Rollenklischees zu bedienen. Emanzipierte Frauen als „maskulin“ oder unweiblich darzustellen, wird in der Literaturwissenschaft häufig als eine zeitgenössische Chiffre für Homosexualität bzw. das Aufbrechen von Geschlechtergrenzen gedeutet)

Vorwärts. 06.12.1912. In der Berliner medizinischen Gesellschaft ging es um Weibbrüstigkeit von Männern. Dabei auch Verweis auf die Theorie der sexuellen Zwischenstufen von Magnus Hirschfeld.

Vorwärts. 10.12.1912. Razzia in einem kleinen Homosexuellenlokal in der Kochstraße mit 100 Verhaftungen (Szene).

 

1913

Vorwärts. 09.01.1913. „Vierter Parteitag der Sozialdemokratie Preußens“. Magnus Hirschfeld wird mit einer Aussage über das dritte Geschlecht zitiert, um sich über ihn lustig zu machen (SPD).

Vorwärts. 05.02.1913. Sitzung des Berliner Abgeordnetenhauses am 04.02.1913. Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite mit einer Kritik an der Polizei, die für Spitzeldienste „besonders gern“ auf Homosexuelle zurückgreift, weil diese „den Richter fürchten müssen“.

Vorwärts. 09.02.1913. Vortrag von Iwan Bloch über „Probleme der Prostitution“ am 19.02.1913 im Bund für Mutterschutz.

Vorwärts. 28.02.1913. Herman Bang war homosexuell (Literatur, Dänemark).

Vorwärts. 04.04.1913. Es geht um einen politischen Wahlkreis mit einem Adolf Brand aus Wilhelmshagen (Brand wird hier als „Genosse“ bezeichnet. Es ist wahrscheinlich, dass es sich dabei um den gleichnamigen Homosexuellenaktivisten handelt, der auch schon am 18.09.1904 als Genosse bezeichnet wurde).

Vorwärts. 09.04.1913. Vortrag von Genossen Willi Pleßner: „Abirrungen in der Sexualität. II. Homosexualität“. (Über den Referenten sind keine weiteren Angaben bekannt)

Vorwärts. 21.04.1913. Der Fall Oscar Wilde wird neu aufgehellt. Lord Alfred Douglas. Ihre „Beziehung“ brachte Wilde ins Zuchthaus. Es geht um die „Tragik seines Verhältnisses“

Vorwärts. 24.04.1913. Der Fall Oscar Wilde, Lord Alfred Douglas und De Profundis.

Vorwärts. 25.04.1913. Große Rezension von Thomas Mann „Tod in Venedig“. Mit einem Hinweis auf Goethes „Erklärung der päderastischen Neigungen“ Winckelmanns, wo eine „ästhetische Bewunderung“ zur „sinnlichen Leidenschaft“ wird (Literatur; !!).

Vorwärts. 04.05.1913. Anzeige „Von der Reise zurück. Dr. Magnus Hirschfeld“.

Vorwärts. 13.05.1913. Die Ermordung von Otto Klähn. Erste Leichenteile werden gefunden. Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite mit Hinweis auf ein Sexualverbrechen und einen verdächtigen Mann (Erster von vier Artikeln. Später stelle sich heraus, dass Joseph Ritter den 13-jährigen Schüler Otto Klähn *1900 sexuell missbrauchte, ermordete und seine Leiche zerstückelte. Zu dem Mörder s. a. JfsZ. 13. Jg. S. 497. S.a. „Volksstimme“. 14. 05.1913. S. 6. S.a. mein Buch „Anders als die Andern“, 2016. S. 27 wo ich auch eine Zeichnung aus der „Kölner Gerichts-Zeitung“ vom 07.06.1913, S. 1-2 abgedruckt habe).

Vorwärts. 18.05.1913. Verhandlung gegen einen Erpresser: den Diener und Masseur Franz Nägele. Er hatte seinem Opfer mit einer Anzeige wegen § 175 gedroht. Das Opfer hatte sich an Magnus Hirschfeld vom WhK gewandt.

Vorwärts. 20.05.1913. Erwähnung vom Laster der Päderastie im Zuchthaus, wo jüngere Insassen zu umworbenen Königinnen werden, was Leidenschaftsverbrechen zur Folge hat.

Vorwärts. 01.06.1913. Der Fall Redl. Der Hinweis auf Homosexualität soll die Verirrung entschuldbar machen. (Erster Artikel über den Alfred Redl, den Chef der österreichischen Spionageabwehr, im homosexuellen Kontext. Die Artikel im „Vorwärts“ sind nicht unter „Alfred Redl“, sondern unter „Oberst Redl“ zu finden. In der Zeitung wurde der Skandal, ein Buch, ein Theaterstück und drei Verfilmungen behandelt. S. a. Wiki. In Wiki werden fünf Filme genannt. Hier fehlt „Oberst Redls Erben“ von 1926).

Vorwärts. 04.06.1913. Hinweis auf Thomas Mann: „Tod in Venedig“.

Vorwärts. 05.06.1913. Deutsche Bund für Mutterschutz. Generalversammlung 7.-9.06.1913. Vortrag von Magnus Hirschfeld über Prostitution. (s.a. 11.06.1913).

Vorwärts. 06.06.1913. Der Fall Alfred Redl. Mit wem Redl in „homosexuellen Beziehungen“ stand.

Vorwärts. 11.06.1913. Generalversammlung des Deutschen Bundes für Mutterschutz. Vortrag von Magnus Hirschfeld über männliche Prostitution. Vortrag von Iwan Bloch.

Vorwärts. 19.07.1913. Erwähnung: In der Erziehungsanstalt Rickling in Schleswig-Holstein haben die Erzieher mit ihren Zöglingen „Päderastie getrieben“.

Vorwärts. 04.07.1913. „Ein eigenartiges Liebesabenteuer“. Verhandlung gegen den Damenimitator und Kellner Karl Röseler. Wegen § 175 war er vier Mal vorbestraft. Verurteilung zu drei Monaten Gefängnis (Transvestit, Szene).

Vorwärts. 25.07.1913. Verurteilung wegen Arbeiters wegen Sex mit Tieren. Hier mit dem Hinweis, dass der § 175 nicht nur Homosexualität, sondern auch Sex mit Tieren unter Strafe stellt.

Vorwärts. 06.08.1913. Hans Blücher und „Die Wandervogelbewegung als erotisches Phänomen“. Artikel in „die Fackel“ über Verurteilung wegen Missbrauch (Jugendbewegung) Kommentar der Zeitung: Man kann Mitleid haben und den 175 verurteilen, aber Missbrauch bleibt zu kritisieren. Auch über das Ideal der griechischen Knabenliebe. !!

Vorwärts. 09.08.1913. Ein deutscher Referendar wurde in Rom wegen homosexueller Handlungen verurteilt. Eigentlich straflos, hier aber wegen öffentlichen Ärgernisses (Italien).

Vorwärts. 20.08.1913. Anzeige „Von der Reise zurück. Dr. Magnus Hirschfeld“

Vorwärts. 14.09.1913. „Die Bluttat des Homosexuellen“ (Sexualmord von Joseph Ritter an dem Schüler Otto Klähn *1900 mit ausführlicher Schilderung des Tathergangs. Fortsetzung des Artikels auf der folgenden Seite; !!).

Vorwärts. 23.09.1913. „Mordprozeß Ritter“. Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite. (Erster Verhandlungstag. Sexualmord von Joseph Ritter an dem Schüler Otto Klähn *1900).

Vorwärts. 24.09.1913. „Mordprozeß Ritter“. Zweiter Verhandlungstag. Medizinalrat Hoffman über Homosexualität, u.a. mit dem Gutachten von Magnus Hirschfeld und Ernst Burchard. Urteil: Fünf Jahre Gefängnis. (Gutachter; Sexualmord von Joseph Ritter an dem Schüler Otto Klähn *1900).

Vorwärts. 04.10.1913. In Potsdam wurde der schlesische Graf Sch. verhaftet. Nun erfolgte auf Veranlassung der Hamburger Staatsanwaltschaft in Berlin die Festnahme des Grafen S. Zwischen diesen beiden Verhaftungen soll es keine Verbindung geben.

Vorwärts. 15.11.1913. Graf von Hülsen-Haeseler. Anklage wegen Beleidigung. (Der erste von mehreren Beiträgen im „Vorwärts“ über des Intendanten Georg Hülsen-Haeseler. Der Herausgeber des „Berliner Montagsblatt“ wurde wegen Beleidigung von Georg Hülsen-Haeseler zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil er ihm homosexuelle Neigungen nachgesagt hatte. In dem Wiki-Artikel wird nur erwähnt, dass Hülsen-Haeseler Teil der Harden-Eulenburg-Affäre war, aber nicht dieser Skandal von 1913. In „Mann für Mann“. 2010. S. 580-582 wird der Skandal von 1913 nur kurz erwähnt !!)

Vorwärts. 17.11.1913. Der Georg Hülsen-Haeseler -Prozess.

Vorwärts. 18.11.1913. „Die Leimrute für Lüstlinge“. Auf der Berliner Friedrichstraße wird Robert Musils „Die Verwirrungen des Zöglings Törless“ erst verkauft, seit dem er mit dem Hinweis auf Homosexualität beworben wurde (Szene).

Vorwärts. 22.11.1913. „Der Sonntagsschullehrer als Sittlichkeitsverbrecher“. Der Hausdiener Emil Barthauer trat einem Sittlichkeitsverein bei, um den Verdacht, „sich homosexuell zu betätigen, von sich abzulenken“. Es geht um Handlungen mit 10-15-jährigen Knaben (Pädo).

Vorwärts. 26.11.1913. „Höhere Entartung“. Entmündigung von Günther Graf von der Schulenburg wegen Homosexualität. Kritik am Gutachten des Psychiaters, das ausführlich zitiert wird (Szene. Essen).

Vorwärts. 04.12.1913. Der Georg Hülsen-Haeseler-Prozess. Gegendarstellung zum Beitrag vom 15.11.1913 von Adolf Brand. Er habe mit dem Hülsen-Prozess nichts zu tun (!!).

Vorwärts. 14.12.1013. Prozess mit der Erwähnung eines homosexuellen Steinbruchbesitzers.

 

1914

Vorwärts. 16.02.1914. „Prostitution in München“. „Wie in Priesterseminaren will man diese gesunden jungen Menschen zu Homosexuellen (…)  heranzüchten“

Vorwärts. 23.02.1914. Erwähnung Päderastie im negativen Kontext.

Vorwärts. 25.02.1914. Der Oberlehrer Ulrich Priele aus Stettin ist ein „Knabenschänder“ und hat sich an seinen Schülern vergangen.

Vorwärts. 07.03.1914. Gutachten von Magnus Hirschfeld über seelisches Zwittertum.

Vorwärts. 07.05.1914. Werbeanzeige: „Von der Reise zurück. Dr. Magnus Hirschfeld. Nervenarzt“

Vorwärts. 11.06.1914. Herr Wangemann hat Dr. Koch wegen Beleidigung verklagt. Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite mit dem Hinweis, dass Wangemann homosexuell ist. Er hat das „zugegeben“ und einen „schweren Kampf“ geführt. Homosexualität wird vor Gericht als „Krankheit“ angesehen, die auf „das schärfste unterdrückt werden“ muss.

Vorwärts. 12.06.1914. Erwähnung von Päderastie als Grund für eine Strafkompanie.

Vorwärts. 13.06.1914. Neben Breslauer Landgerichtsrat August Hasse war auch Stadtmissionar Pastor Meyer das Opfer der beiden homosexuellen Verbrecher Willy Heuer und Urming (?!). Heuer ist in Dresden als „Wanda“ bekannt (Szene). Die Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite).

Vorwärts. 19.06.1914. Römische und griechische Antike. Literatur umfasst auch die „Verirrung der Knabenliebe“, die als „Verfallerscheinung“ bzw. als „Entartung“ angesehen wird und sich auch in China und Indien zeigt.

Vorwärts. 22.06.1914. „Der Erpresserparagraph“. ½ Seite über Strafgesetz, § 175 und Jean Baptist von Schweitzer. Lasalle hatte ihn verteidigt. Die Strafausweitung des § 175 auch auf Lesben ist geplant. Hinweise auf den Breslauer Landgerichtsrat August Hasse (!!).

Vorwärts. 25.06.1914. „Ein Homosexueller als Pfadfinderführer“. Hauptmann K. Braun wegen § 175 in Chemnitz verhaftet (§ 175er).

Vorwärts. 03.07.1914. Bei Bedenken der Geschlechtszugehörigkeit wird auf Magnus Hirschfeld verwiesen.

 

Ab hier Erster Weltkrieg

 

1915

Vorwärts. 09.03.1915. Menschenaffen auf Teneriffa. Homosexualität im Tierreich. Freundschaftsbünde. „Alle Liebesbezeugungen endeten stets in sexueller Betätigung“

Vorwärts. 15.08.1915. Werbeanzeige: „Dr. Magnus Hirschfeld ist zurück“ (Reise).

Vorwärts. 26.10.1915. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Kriegspsychologie“ am 30.10.1915 (Tagung Deutscher Bund für Mutterschutz vom 29.-30.10.1915).

 

1916

Vorwärts. 29.04.1916. Führung von Magnus Hirschfeld durch die Ausstellung der Arbeiterwohlfahrt am Freitag für die Hörer der Arbeitervorlesungen der Humboldt-Akademie Freie Hochschule.

Vorwärts. 27.08.1916. Werbeanzeige: „Zurück; Dr. Magnus Hirschfeld“ (Reise).

Vorwärts. 09.11.1916. Verhandlung gegen zwei jugendliche Raubmörder. Das Gericht sah von einem Gutachten von Magnus Hirschfeld ab.

 

1917

Vorwärts. 23.05.1917. Werbeanzeige: „Zurückgekehrt. Dr. Magnus Hirschfeld“ (Reise).

Vorwärts. 07.06.1917. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Vom Wesen der menschlichen Persönlichkeit“ am 08.06.1917 im Monistenbund (Freidenker).

 

1918

Vorwärts. 15.05.1918. Zum 50. Geburtstag von Magnus Hirschfeld ist eine Festschrift des WhK im Verlag von Max Spohr erschienen.

Vorwärts. 30.07.1918. Werbeanzeige: „Von der Reise zurück. Dr. Magnus Hirschfeld“

 

Mit dem 11. November 1918 endet der Erste Weltkrieg / Die Weimarer Republik beginnt

 

1918

Vorwärts. 23.11.1918. Werbeanzeige Marmorhaus für den Kinofilm „Sündige Mütter“. Regie Richard Oswald. Mitarbeit Magnus Hirschfeld (§ 218, Abtreibung).

Vorwärts. 25.11.1918. Werbeanzeige Marmorhaus für den Kinofilm „Sündige Mütter“. Regie Richard Oswald. Mitarbeit Magnus Hirschfeld (§ 218, Abtreibung).

Vorwärts. 26.11.1918. Werbeanzeige Marmorhaus für den Kinofilm „Sündige Mütter“. Regie Richard Oswald. Mitarbeit Magnus Hirschfeld (§ 218, Abtreibung).

Vorwärts. 29.11.1918. Werbeanzeige Marmorhaus für den Kinofilm „Sündige Mütter“. Regie Richard Oswald. Mitarbeit Magnus Hirschfeld (§ 218, Abtreibung).

Vorwärts. 01.12.1918. Werbeanzeige Marmorhaus für den Kinofilm „Sündige Mütter“. Regie Richard Oswald. Mitarbeit Magnus Hirschfeld (§ 218, Abtreibung).

Vorwärts. 10.12.1918. Magnus Hirschfeld empfiehlt Herrn Köpke als unparteiischen, ruhigen Beobachter.

 

1919

Vorwärts. 17.01.1919. Anzeige: Vortrag von Magnus Hirschfeld „Akademiker und Nationalversammlung“ am 18.01.1919 auf der großen Akademikerversammlung (Sozialistische Studentenpartei, SPD).

Vorwärts. 18.01.1919. Anzeige: Vortrag von Magnus Hirschfeld „Akademiker und Nationalversammlung“ am 18.01.1919 auf der großen Akademikerversammlung (Sozialistische Studentenpartei, SPD).

Vorwärts. 01.02.1919. Werbeanzeige für das Buch „Die neue (naturgemäße) Heilmethode“. Als Mitarbeiter des Buches wird u.a. Magnus Hirschfeld genannt.

Vorwärts. 04.02.1919. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Neuere Forschungen aus dem Geschlechtsleben des Menschen“ am Samstag (01.03.1919) in der Arbeiter-Hochschule.

Vorwärts. 19.02.1919. Vortrag von Magnus Hirschfeld. „Fragen und Antworten aus dem Gebiete der Sexualwissenschaft“ am Donnerstag im Monistenbund (Freidenker).

Vorwärts. 21.02.1919. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Verstaatlichung und Verstadtlichung des Gesundheitswesens“ am 21.02.1919 auf der öffentlichen Wählerversammlung des sozialdemokratischen Vereins für Berlin (SPD).

Vorwärts. 26.02.1919. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Neuere Forschungen aus dem Geschlechtsleben des Menschen“ am Samstag (01.03.1919) in der Arbeiterhochschule.

Vorwärts. 01.03.1919. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Neuere Forschungen aus dem Geschlechtsleben des Menschen“ am Samstag (01.03.1919) in der Arbeiter-Hochschule.

Vorwärts. 09.03.1919. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Was eint und trennt das Menschengeschlecht?“ am 09.03.1919 in der Singakademie.

Vorwärts. 14.03.1919. Magnus Hirschfeld hat einen „Aufruf zur Gerechtigkeit“ unterschrieben (Mord an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, SPD).

Vorwärts. 04.04.1919. Werbeanzeige. Vortrag von Magnus Hirschfeld „Einführung in den Sozialismus“ am 04.04.1919 auf der großen Frauenversammlung des sozialdemokratischen Vereins Berlin (SPD).

Vorwärts. 22.04.1919. Magnus Hirschfeld hat für das geplante Institut für Sexualwissenschaft ein Haus gekauft. Dort wird auch der Sitz der Stiftung sein.

Vorwärts. 29.04.1919. Rezension von „Die Prostitution“. (Regie: Richard Oswald unter Mitarbeit von Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 03.05.1919. Werbeanzeige vom Marmorhaus für den Film „Die Prostitution“. (Regie: Richard Oswald unter Mitarbeit von Magnus Hirschfeld). (graphisch abweichend zu denen ab dem 4.5.1919)

Vorwärts. 04.05.1919. Werbeanzeige vom Marmorhaus für den Film „Die Prostitution“. (Regie: Richard Oswald unter Mitarbeit von Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 06.05.1919. Werbeanzeige vom Marmorhaus für den Film „Die Prostitution“. (Regie: Richard Oswald unter Mitarbeit von Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 07.05.1919. Werbeanzeige vom Marmorhaus für den Film „Die Prostitution“. (Regie: Richard Oswald unter Mitarbeit von Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 08.05.1919. Werbeanzeige vom Marmorhaus für den Film „Die Prostitution“. (Regie: Richard Oswald unter Mitarbeit von Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 09.05.1919. Werbeanzeige vom Marmorhaus für den Film „Die Prostitution“. (Regie: Richard Oswald unter Mitarbeit von Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 11.05.1919. Werbeanzeige vom Marmorhaus für den Film „Die Prostitution“. (Regie: Richard Oswald unter Mitarbeit von Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 13.05.1919. Werbeanzeige vom Marmorhaus für den Film „Die Prostitution“. (Regie: Richard Oswald unter Mitarbeit von Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 14.05.1919. Werbeanzeige vom Marmorhaus für den Film „Die Prostitution“. (Regie: Richard Oswald unter Mitarbeit von Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 15.05.1919. Werbeanzeige vom Marmorhaus für den Film „Die Prostitution“. (Regie: Richard Oswald unter Mitarbeit von Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 16.05.1919. Viele Redner – u.a. Magnus Hirschfeld – fordern ein Reichsamt für Volksgesundheitspflege mit dem Wortlaut des Beschlusses (Vortrag).

Vorwärts. 17.05.1919. Demonstration für den Anschluss Deutschösterreichs an Deutschland am 18.05.1919. Magnus Hirschfeld ist einer der Redner.

Vorwärts. 17.05.1919. Werbeanzeige vom Marmorhaus für den Film „Die Prostitution“. (Regie: Richard Oswald unter Mitarbeit von Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 18.05.1919. Werbeanzeige vom Marmorhaus für den Film „Die Prostitution“. (Regie: Richard Oswald unter Mitarbeit von Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 19.05.1919. Versammlung vor dem Reichstag für Frieden und Völkerverständigung. Einer der Redner war Magnus Hirschfeld.

Vorwärts. 20.05.1919. Werbeanzeige vom Marmorhaus für den Film „Die Prostitution“. (Regie: Richard Oswald unter Mitarbeit von Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 21.05.1919. Werbeanzeige vom Marmorhaus für den Film „Die Prostitution“. (Regie: Richard Oswald unter Mitarbeit von Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 29.05.1919. Werbeanzeige vom Prinzeß-Theater für den Film „Anders als die Andern“ von Magnus Hirschfeld. „Morgen: Uraufführung“, also am 30.05.1919 mit einleitenden Worten von Magnus Hirschfeld !!

Vorwärts. 30.05.1919. Werbeanzeige vom Prinzeß-Theater für den Film „Anders als die Andern“ von Magnus Hirschfeld. „Heute: Uraufführung“.

Vorwärts. 01.06.1919. „Ein Film über Homosexualität“: „Anders als die andern“ von Richard Oswald und dem „Sexualpathologen“ Magnus Hirschfeld (Kino, Verriss) !!

Vorwärts. 05.06.1919. Das Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld wird am 01.07.1919 eröffnet werden.

Vorwärts. 11.06.1919. Werbeanzeige vom Prinzeß-Theater für den Film „Anders als die Andern“ von Magnus Hirschfeld (2. Woche).

Vorwärts. 12.06.1919. Werbeanzeige vom Prinzeß-Theater für den Film „Anders als die Andern“ von Magnus Hirschfeld.

Vorwärts. 17.06.1919. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Sexualfreiheit“ am Dienstag.

Vorwärts. 25.06.1919. Werbeanzeige von Magnus Hirschfeld, der seine Tätigkeit und Wohnung in das Institut für Sexualwissenschaft verlegt hat.

Vorwärts. 26.06.1919. Werbeanzeige von Magnus Hirschfeld, Arthur Kronfeld und Friedrich Wertheim, die im Institut für Sexualwissenschaft gemeinsam praktizieren. (Erster von mehreren Beiträgen über Arthur Kronfeld von 1919-1925. S.a. Wiki).

Vorwärts. 02.07.1919. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Das Prostitutionsproblem“ am Freitag im Lyzeum-Klub. (Deutscher Monistenbund).

Vorwärts. 03.07.1919. Vortrag von Hans Blüher über „Der Geist der Weltrevolution“

Vorwärts. 04.07.1919. Kino-Werbung für den Film „Anders als die Andern“. Hinweis auf Richard Oswald

Vorwärts. 06.07.1919. Kino-Werbung für den Film „Anders als die Andern“. Hinweis auf Richard Oswald

Vorwärts. 08.07.1919. Kino-Werbung für den Film „Anders als die Andern“. Hinweis auf Richard Oswald

Vorwärts. 11.07.1919. Kino-Werbung für den Film „Anders als die Andern“

Vorwärts. 17.07.1919. Die Ermordung des 76-jährigen Ernst Gubohr. Verhaftet ist nun auch der homosexuelle Soldat Willi Moll mit dem Spitznamen „Bubi“ als Mittäter. (Im früheren Artikel vom 29.06.1919 wird darauf hingewiesen, dass bei der Ermordung des 76-jährigen Gudohr (sic) drei Personen beteiligt waren. Gerstens, Gerstens Geliebte Elfriede Simon und der 19-jährige Soldat Willi Moll mit dem Spitznamen „Der Württemberger“. Weitere Angaben sind nicht bekannt)

Vorwärts. 15.07.1919. Kino-Werbung für den Film „Anders als die Andern“.

Vorwärts. 03.08.1919. Werbeanzeige von August Bessunger, der seine Dienste als Leiter der elektrophysikalischen Abteilung im Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld anbietet.

Vorwärts. 08.08.1919. Werbeanzeige von Friedrich Wertheim. Spezialarzt für Geschlechts-, Haut- und Haarkrankheiten. Abteilung IV des Instituts für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 08.08.1919. Kino-Werbung für den Film „Anders als die Andern“ (graphisch außergewöhnlich).

Vorwärts. 19.08.1919. Werbung für Iwan Bloch: „Das Sexualleben unserer Zeit“.

Vorwärts. 21.08.1919. lebhafte Diskussion in Karlsruhe und Freiburg um den Film „Anders als die andern“ Richard Oswald, § 184, Jugendschutz und mögliches Verbot (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 27.08.1919. Der Tod des Oberleutnants von Plüskow soll aufgeklärt werden. Der Gutachter Magnus Hirschfeld vom Institut für Sexualwissenschaft geht nicht von Mord oder Selbstmord, sondern davon aus, dass „ein sexueller Unfall vorliegt“. Masochistische Neigungen durch Einschnürungen durch ein Korsett. „Für Homosexualität liegen keine Anhaltspunkte vor“ (Transvestit. S.a. auch ein Artikel vom Vortag vom 26.08.1919 über den Tod des Oberleutnants, als zunächst zwei Männer verdächtigt wurden)

Vorwärts. 04.09.1919. Das Institut für Sexualwissenschaft eröffnet im September 1919 seine regelmäßige Lehrtätigkeit. Es geht auch um Vorträge des Leiters Magnus Hirschfeld (Vortrag)-

Vorwärts. 24.09.1919. Der Film „Anders als die andern“ und die Zensur (Kino). Es geht um die Frage, wie Filme von Magnus Hirschfeld verhindert werden können.

Vorwärts. 11.10.1919. „Richard Oswalds Blamage!“. Vor Medizinern wurde der Film „Anders als die andern“ gezeigt. Anschließende Diskussion mit Dr. Brunner. Ausgerechnet der Regisseur Richard Oswald machte einen „schreienden Zwischenruf“ und wurde vor die Tür gesetzt (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 14.10.1919. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Liebe und Ehe“ ab dem 14.10.1919. Vortragsraum Reichstagsufer 6.

Vorwärts. 17.10.1919. Homosexuell zu sein ist eine Krankheit. „Zum Homosexualismus aber anzueifern, ist ein Verbrechen“. Protokoll aus: „Deutsche Nationalversammlung“ vom 16.10.1919.

Vorwärts. 18.10.1919. Erwiderung des Abgeordneten Adolph Braun an Frau Zitz wegen einer Äußerung über Homosexuelle in der kommunistischen Jugendbewegung. Es folgen Zitate aus dem Stenogramm der Nationalversammlung. Hinweis auf Hans Blüher, der die Wandervogelbewegung auf die „homosexuelle Erotik zurückführt“.

Vorwärts. 22.11.1919. Vortrag von Charlotte Volange über „Freundesliebe in der Weltliteratur“ am 03.12.1919 im Schubertsaal (Homosexueller Zusammenhang bleibt ungewiss).

Vorwärts. 24.12.1919. Vorträge im Institut für Sexualwissenschaft ab Januar 1920: Magnus Hirschfeld: Klinischer Kursus über Sexualpathologie. Weitere Vorträge von Friedenthal, Arthur Kronfeld, Ernst Burchard, A. Bessunger und Müller-Braunschweig (Vortrag).

 

1920

Vorwärts. 03.02.1920. Vortrag von Magnus Hirschfeld über sexuelle Aufklärung am 12.02.1920 in der Aula Hallesche Straße (Volkskraft-Bund, Lebensreformbewegung).

Vorwärts. 11.02.1920. Vortrag von Magnus Hirschfeld „Sexuelle Aufklärung der Jugend“ am 14.02.1920 in der Aula Georgenstraße (Verein Arbeiter-Hochschule).

Vorwärts. 24.02.1920. Eine Versammlung des Hamburger Monistenbundes am 23.02.1920, in der Magnus Hirschfeld über sexuelle Fragen sprechen sollte, wurde von 50-60 Personen mit Stinkbomben verhindert (Vortrag).

Vorwärts. 01.03.1920. Vortrag von Magnus Hirschfeld im Institut für Sexualforschung anlässlich des Besuchs von Kultusminister Haenisch und Unterstaatssekretär Becker.

Vorwärts. 11.03.1920. Beispiele von rechter Gewalt in den vorigen 14 Tagen. „Hamburg: Sprengung einer Versammlung des Sexualforschers Magnus Hirschfeld durch alldeutsche und Zeitfreiwillige“.

Vorwärts. 13.05.1920. Für den verstorbenen Berliner Psychiater Ernst Burchard wird am 14.05.1920 vom WhK eine Gedächtnisfeier mit Magnus Hirschfeld als Redner abgehalten.

Vorwärts. 08.06.1920. Vortrag von Magnus Hirschfeld über Sozialpolitik am 08.06.1920 (Jungsozialistische Vereinigung; SPD).

Vorwärts. 11.06.1920. Für 1.000 Mark Belohnung wird ein Willi gesucht, der in „homosexuellen Kreisen“ verkehrt.

Vorwärts. 13.07.1920. Verjüngungsmethode Wilhelm Roux. Mit den Forschungen von Eugen Steinach können den „Homosexuellen die naturwidrigen Triebe“ genommen werden (Medizin).

Vorwärts. 20.07.1920. Linke Spalte: Vortrag von Magnus Hirschfeld über Sozialpolitik am 20.07.1920 (Jungsozialistische Vereinigung; SPD).

Vorwärts. 20.07.1920. „Krankheit oder Verbrechen?“ Der Lagerist K. ist wegen Sittlichkeitsverbrechen bisher acht Mal zu insgesamt elf Jahre Zuchthaus verurteilt worden. Magnus Hirschfeld und Arthur Kronfeld sind Gutachter im aktuellen Prozess. Er soll durch eine operative Behandlung von seinen „gefährlichen Trieben“ befreit werden. (Der Name des Lageristen ist nicht bekannt, ein homosexueller Kontext ist daher unklar).

Vorwärts. 28.07.1920. Magnus Hirschfeld wird die Ideen von Steinach in seiner Schrift: „Künstliche Verjüngung. Künstliche Geschlechtsumwandlung“ darstellen.

Vorwärts. 08.08.1920. Zu Steinach und seinen Forschungen. Der „Vorwärts“ empfiehlt die Schrift von Magnus Hirschfeld: „Künstliche Verjüngung. Künstliche Geschlechtsumwandlung“.

Vorwärts. 14.08.1920. Klage wegen ausbleibender Papierlieferung. Der Kläger ist Adolf Brand, der das Papier für seine Homosexuellenzeitschrift „Der Eigene“ benötigt.

Vorwärts. 06.09.1920. Vortrag von Magnus Hirschfeld über Steinachs Verjüngungstheorie im Blüthnersaal am 07.09.1920.

Vorwärts. 05.10.1920. Rechte Gewalt. Magnus Hirschfeld nach einem Vortrag in München niedergeschlagen. (Erster Beitrag von acht Beiträgen zum Überfall auf Hirschfeld am 4.10.1920. S.a. dreiteiligen Beitrag auf queer.de)

Vorwärts. 08.10.1920. Rechte Gewalt. Zum Überfall auf Magnus Hirschfeld in München.

Vorwärts. 10.10.1920. „Zur Mißhandlung von Magnus Hirschfeld in München“.

Vorwärts. 11.10.1920. „Magnus Hirschfeld seinen Verletzungen erlegen“ (Falschmeldung, die am 12. und 13.10.26 korrigiert wird).

Vorwärts. 12.10.1920. Vortrag von Dr. Moll über „Steinachforschung und Homosexualität“ im Pschorr-Bräu auf Einladung der Psychologischen Gesellschaft.

Vorwärts. 12.10.1920. „Magnus Hirschfeld nicht gestorben“

Vorwärts. 13.10.1920. Nach einem Überfall: Einige Worte zum Tod von Magnus Hirschfeld (die Meldung wird im selben Artikel als überholt bzw. als falsch bezeichnet).

Vorwärts. 16.10.1920. Rechte Gewalt. Erinnerung an den Überfall auf Magnus Hirschfeld.

Vorwärts. 24.10.1920. Magnus Hirschfeld berichtet über das 1. Jahr vom Institut für Sexualwissenschaft: Besuche von 1.100 Ärzten, 1.200 Kursteilnehmer, 18.000 ärztliche Beratungen. (Vortrag).

Vorwärts. 26.10.1920. Rechte Gewalt. Erinnerung an den Überfall auf Magnus Hirschfeld.

 

1921

Vorwärts. 19.01.1921. Magnus Hirschfeld wurde zum Ehrenmitglied der britischen (?) Gesellschaft für sexuelle Psychologie ernannt (England).

Vorwärts. 15.02.1921. Die beiden ersten Ausgaben der Zeitschrift „Freundschaft und Freiheit“ von Adolf Brand wurden von der Polizei konfisziert. Im ersten Heft ging es um den Beitrag „Pfaffen und Pfaffenlaster“ und im zweiten über die Äußerungen von einem evangelischen Pfarrer.

Vorwärts. 17.02.1921. Homosexuelle Beobachtungen an Berliner Schimpansen (Tierreich).

Vorwärts. 01.03.1921. Magnus Hirschfeld und Artur Kronfeld (=Arthur Kronfeld) sind Gutachter in dem Verfahren gegen Willy Birkholz, dem Mörder von Ilse Heymann. (Kein homosexueller Zusammenhang, aber wegen Hirschfeld von Interesse)

Vorwärts. 03.04.1921. Rechte Gewalt. Erinnerung an den Überfall auf Magnus Hirschfeld 1920.

Vorwärts. 11.05.1921. Vortrag von Tora Johanna Siewert über „Die überkonfessionelle Weltbewegung – eine Stütze des Weltfriedens“ am 11.05.1921 im Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld (pazifistischer Studentenbund).

Vorwärts. 09.06.1921. Die Ermordung von Auguste Beek durch den 24-jährigen Hermann Grahl. Weil sich der Täter auf einen sadistischen Anfall bezieht, wurde Magnus Hirschfeld als Gutachter bestellt. (Die Tat hat keinen homosexuellen Hintergrund, sondern ist hier nur wegen Hirschfeld von Interesse. S.a. 15.06. und 16.06.1921. Der „Vorwärts“ und die „Freiheit“ hatten bereits am 03.02.1921 über das Auffinden der Leiche von Auguste Beek berichtet).

Vorwärts. 10.06.1921. Rechte Gewalt. Erinnerung an den Überfall auf Magnus Hirschfeld (Cover)

Vorwärts. 14.06.1921. Rechte Gewalt. Erinnerung an den Überfall auf Magnus Hirschfeld.

Vorwärts. 15.06.1921. Die Ermordung von Auguste Beek durch Grahl. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 16.06.1921. Die Ermordung von Auguste Beek durch Grahl. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 19.06.1921. Rechte Gewalt. Erinnerung an den Überfall auf Magnus Hirschfeld.

Vorwärts. 04.07.1921. Erwähnung: Über das Cafe Größenwahn und das starke, das schwache und das dritte Geschlecht.

Vorwärts. 08.07.1921. Es geht um den Leiter der thüringischen Schutzpolizei. Zu Leutnant Lampel: Seine „Homosexualität sei ausgeprägt“.

Vorwärts. 13.07.1921. Vor Gericht. Flieger Emil Jeannin wegen sexueller Handlungen an Mädchen. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 19.07.1921. „Geschlecht und Gestalt“. Vortrag von Arthur Weil: über die Körperproportionen von homosexuellen Männern in der Berliner „Gesellschaft für Neurologie und Psychiatrie“. Am Rande geht es auch um die Theorie der sexuellen Zwischenstufen von Magnus Hirschfeld (Eugen Steinach).

Vorwärts. 02.08.1921. Die erste internationale Tagung für Sexualreform findet vom 15.-19.09.1921 u. a. im Institut für Sexualwissenschaften statt (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 30.08.1921. Vor Gericht. Flieger Emil Jeannin wegen sexueller Handlungen an Mädchen Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 31.08.1921. Prozeß gegen den Schulreformer Gustav Wyneken.

Vorwärts. 16.09.1921. 1. Internationale Tagung für Sexualreform. Begrüßungsansprache Magnus Hirschfeld (Rede, Vortrag).

Vorwärts. 17.09.1921. Erste internationale Tagung zur Sexualreform, u.a. über Steinach. Privatdozent Weil über die „Körperproportionen von normalgeschlechtlichen und von homosexuellen und asexuellen Männern“ anhand von 400 Fällen (Medizin).

Vorwärts. 19.09.1921. „Philipp Eulenburg“ ist tot (Harden-Eulenburg-Affäre).

Vorwärts. 21.09.1921. Erste internationale Tagung zur Sexualreform (Magnus Hirschfeld, Gustav Wyneken).

Vorwärts. 23.09.1921. Der „Lustmörder“ Großmann mit dem Spitznamen „Zickenkarl“ soll drei Mädchen ermordet haben. Sein Verteidiger ist Dr. Frey. (Der Hinweise auf „widernatürliche Unzucht“ ist hier nicht in einem homosexuellen Kontext zu sehen. Nach Rainer Herrn: „Der Liebe und dem Leid“. 2022. S. 162, S. 182-188 hat der Rechtsanwalt Erich Frey regelmäßig Magnus Hirschfeld und Arthur Kronfeld mit Gutachten beauftragt – wie auch in diesem Fall um Karl Grossmann).

Vorwärts. 09.11.1921. Kritik an einer Kundgebung gegen „sittlichen Schmutz“. Erwähnung, dass hier „Freundschaft“ mit „Homosexuell“ gleichgesetzt wird.

Vorwärts. 18.11.1921. Vor Gericht: Zur Frage, ob der Roman von Eugen Ludwig Gattermann: „Die Erlösung der Freunde“ „unzüchtig“ ist. Dr. Placzek sprach dem Roman jeden wissenschaftlichen und literarischen Wert ab. Mehrere Gutachten, wie das von Dr. Arthur Kronfeld vom Institut für Sexualwissenschaft, vertraten einen entgegengesetzten medizinischen Standpunkt. Der Fall wird noch das Reichsgericht beschäftigen. (Literatur. Zu diesem Roman s.a. meinen Artikel auf queer.de. Magnus Hirschfeld schrieb das Vorwort zu diesem Roman).

Vorwärts. 21.12.1921. Der neue Ernst-Haeckel-Saal. Vom Institut für Sexualwissenschaft wurde das Nachbargrundstück gekauft und in einen Vortragssaal umgebaut. Ab Januar 1922 sind hier die ersten Vorlesungen geplant.

 

1922

Vorwärts. 14.02.1922. Vortrag von Magnus Hirschfeld am 16.2.22 über „Sexuelle Zwischenstufen unter besonderer Berücksichtigung der Homosexualität“ in der Aula Kochstraße

Vorwärts. 02.03.1922. Es gibt ein „offenes Treiben von Homosexuellen“ in „etwa 150 Berliner Lokalen“. Gegen die Verführung von 12-14-jährigen Knaben wird eingeschritten und täglich 4-5 Jungen aufgegriffen. Man will kein „Geständnis“, weil man nur die „Verführer“, aber nicht die „Verführten“ bestrafen möchte (Prostitution, Szene).

Vorwärts. 04.03.1922. Gerichtsverhandlung gegen Kellner Krüger wegen Sittlichkeitsdelikte an Mädchen. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 06.03.1922. Über das vor drei Jahren gegründete Institut für Sexualwissenschaft. Am Sonntag eröffnete vor Gästen im Institut den neu gegründeten Ernst Haeckel-Saal. Magnus Hirschfeld nannte die Gründe, warum der Sall nach Ernst Haeckel benannt wurde (s. Wiki).

Vorwärts. 20.04.1922. Mordversuch an der eigenen Mutter durch den 19-jährigen Sohn und Arbeiter Franz Zagacki. Es gibt mehrere Gutachter wie Magnus Hirschfeld und zwei Gegensachverständige. (Der Mordversuch hat keinen homosexuellen Kontext und ist hier nur wegen Hirschfeld von Interesse).

Vorwärts. 24.04.1922. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Leiden der Liebe“ am 27.04.1922 im Langenbeckhaus.

Vorwärts. 27.04.1922. Vortrag mit Lichtbildern von Magnus Hirschfeld über „Die Tuberkulose und ihre Bekämpfung“ am 27.04.1922 in der Schulaula Petersburger Straße.

Vorwärts. 28.04.1922. Der Bankbeamte Weller war ein „gefährlicher Jugendfreund“ und Wandervogel und stand vor Gericht wegen Handlungen mit 13-15-jährigen Jungen. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 04.05.1922. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Mensch und Menschheit“ im Bürgersaal des Rathauses am Freitag. (Deutsche Friedensgesellschaft)

Vorwärts. 17.05.1922. Vortrag Dr. Maria Richter „Für und wider die Vielkinderzeugung der Hochwertigen“ von der Gesellschaft für Sexualreform im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld; Eugenik).

Vorwärts. 24.05.1922. Ein ungeklärter Todes- bzw. Mordfall in der Sächsischen Straße. Die Identität des Opfers ist nicht bekannt, aber es gibt Hinweise, dass er „homosexuellen Kreisen angehört“ hat (Zu diesem Fall erschienen mehrere Artikel. Mit dem Artikel vom 13.06.1922 wurde der Sachverhalt aufgeklärt: Das Opfer hatte sich am 02.02.1922 selbst erschossen und die Angehörigen wollten sich danach die Beerdigungskosten sparen. Es gab keinen homosexuellen Zusammenhang).

Vorwärts. 12.07.1922. Iwan Bloch hat seine Praxis wieder aufgenommen.

Vorwärts. 23.07.1922. Die Ufa zeigt Filme im Institut für Sexualwissenschaft. (Magnus Hirschfeld) !!

Vorwärts. 07.08.1922. Führung durch das Institut für Sexualwissenschaften von Magnus Hirschfeld am 12.08.1922 für Jungsozialisten (SPD).

Vorwärts. 08.08.1922. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Was ist uns Haeckel?“ in dem nach ihm benannten Ernst-Haeckel-Saal im Institut für Sexualwissenschaft am 09.08.1922 anlässlich seines Todestages.

Vorwärts. 10.08.1922. Führung durch das Institut für Sexualwissenschaften von Magnus Hirschfeld am 10.08.1922 für Genossen bzw. für Jungsozialisten (SPD).

Vorwärts. 12.10.1922. Im Rahmen von Mutterschaft nur die Erwähnung, dass „ein Homosexueller nur deshalb heiratete, weil er seine Wäsche in Ordnung halten“ wollte.

Vorwärts. 28.10.1922. Großer Artikel „Abkehr von Wyneken“. Soll sich „intolerant über die Homosexuellen geäußert“ haben. (Verhandlung gegen Gustav Wyneken. Freie Schulgemeinde Wickersdorf).

Vorwärts. 04.11.1922. Große Razzia mit 1.000 aufgegriffenen Personen. Erwähnung, dass dazu auch ein Lokal in der Flottwellstraße gehört, in dem Homosexuelle und Anhang verkehren (Szene).

Vorwärts. 10.11.1922. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Die Bedeutung der Sexualwissenschaft für die Pädagogik“ für die Freie Lehrergewerkschaft am 11.11.1922 im Institut für Sexualwissenschaft. Vorher Führung durch das Institut.

Vorwärts. 11.11.1922. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Die Bedeutung der Sexualwissenschaft für die Pädagogik“ für die Freie Lehrergewerkschaft am 11.11.1922 im Institut für Sexualwissenschaft. Vorher Führung durch das Institut.

Vorwärts. 12.11.1922. Der Fall Franz. Magnus Hirschfeld als Gutachter. (Erster von drei Artikeln über Ewald Franz und die ihm vorgeworfene Vergewaltigung. Der Fall steht nicht in einem homosexuellen Kontext, sondern ist wegen dem Gutachter Hirschfeld von Interesse ist. S. a. Rainer Herrn in „Der Liebe und dem Leid“, 2022. S. 175-178).

Vorwärts. 26.11.1922. Der Fall Franz. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 01.12.1922. „Der Freispruch im Falle Franz“. Dr. Heinrich Kopp und Magnus Hirschfeld als Gutachter (Polizei).

 

1923

Vorwärts 03.01.1923. Die Lasterhöhle „August-Klause“ in der Auguststraße aufgehoben. Fritz Bock wegen Kuppelei verhaftet. Er betrieb das Lokal mit dem Klavierspieler Albert Schnell, „der in den Kreisen der Homosexuellen sehr bekannt ist“. Inserate in der „Freundschaft“. Über Bock, Gewalt und „wüste Orgien“. Schnell ist Helfershelfer (Berliner Szene).

Vorwärts. 09.01.1923. Der Steinach-Film im Kino, in dem es auch um sexuelle Zwischenstufen geht.

Vorwärts. 10.01.1923. Prozess gegen die Einbrecher Karl Bernotat und Otto Kaminski. Bernotat war „stark homosexuell veranlagt“ und hatte ein sexuelles Verhältnis mit Grohmann. Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite: Bernotat habe unter dem Zwang der Hörigkeit das getan, was Grohmann von ihm wollte. (Karl Friedrich Bernotat, 1887–1943, war ein berüchtigter deutscher „Gentleman-Verbrecher“ und Einbrecherkönig der 1920er Jahre in Berlin. Es gibt unzählige weitere Artikel im „Vorwärts“ zu diesem Prozess, die nicht direkt auf Homosexualität eingehen. S. u.a.: 06.01.1923: Prozessbeginn gegen Karl Bernotat, der König der Einbrecher, und den Mitangeklagten Otto Kaminski. 09.01.1923: Otto Kaminski gibt vor Gericht an: „Wenn ich mit Bernotat zusammen bin, fühle ich mich froh, frei und glücklich“. 13.01.1923: Bernotat war mit dem Oberstleutnant Grohmann, den es vielleicht gar nicht gab, in „sexueller Hörigkeit“ verbunden. Kaminski wiederum empfand „Liebe zu seinem Freund“ Bernotat. Zu diesem Skandal siehe auch ein Youtube-Video).

Vorwärts. 05.02.1923. Magnus Hirschfeld ist in Wien das Opfer eines antisemitischen Anschlages geworden. Er sollte einen Vortrag über „sexuelle Verbrechen“ halten (Österreich).

Vorwärts. 25.02.1925. Über die Gewalt von Rechts. Erwähnung, dass auch Magnus Hirschfeld ein Opfer ist (Cover, Österreich).

Vorwärts. 07.03.1923. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Die sexuelle Wahrheit“ am 08.03.1923 im Museum für Meereskunde (Gesellschaft für Sexualreform und Geschlechtskunde).

Vorwärts. 13.03.1923. „Der Prozess der Giftmischerinnen“. Vor Gericht schildert Klein das „Liebesverhältnis“ zu Nebbe. (Lesben. Erster von mehreren Artikeln zum Mordfall Klein / Nebbe. Ella Klein hatte ein Verhältnis mit Margarete Nebbe. Gemeinsam wollten sie ihr beiden Ehemänner töten. Willi Klein wurde im April 1922 mit Arsen vergiftet. S. a. Rainer Herrn in „Der Liebe und dem Leid“, 2022. S. 242-247. S.a. mein Artikel auf queer.de über 1924 und über 1925).

Vorwärts. 14.03.1923. „Der Prozess der Giftmischerinnen“. Es wurde mit der Vorlesung von rund 600 Briefen begonnen, in denen die beiden Freundinnen über ihre Liebe und ihre Mordpläne austauschten (Lesben; Mordfall Klein / Nebbe).

Vorwärts. 14.03.1923. „Der Prozess der Giftmischerinnen“. Magnus Hirschfeld bittet darum, bei den Briefen u.a. auch die Überschriften vorzulesen (Lesben; Mordfall Klein / Nebbe).

Vorwärts. 15.03.1923. „Der Prozess der Giftmischerinnen“. Brief als Ausdruck „hingebender Liebe“. Magnus Hirschfeld und Kriminalkommissar Heinrich Kopp „werden keinen leichten Stand haben“ (Lesben; Mordfall Klein / Nebbe).

Vorwärts. 15.03.1923. „Der Prozess der Giftmischerinnen“. Dem Vater von Ella Klein war „unmoralisches, perverses Liebesleben“ nicht bekannt (Lesben; Mordfall Klein / Nebbe).

Vorwärts. 16.03.1923. „Das Gutachten über die Giftmischerinnen“ mit dem Gutachten von Magnus Hirschfeld (Lesben; Mordfall Klein / Nebbe).

Vorwärts. 16.03.1923. Beginn des Plädoyers. (Lesben; Mordfall Klein / Nebbe).

Vorwärts. 17.03.1923. Großer Artikel über die Urteile im Mordfall Klein und Nebbe. Uneinigkeit der Sachverständigen (wozu auch das Gutachten von Magnus Hirschfeld gehört). Auch die „übermäßige Liebe zueinander bildeten die Kräfte“, die zum Mord führten. (Lesben; Mordfall Klein / Nebbe).

Vorwärts. 17.03.1923. Kurzmitteilung über das eingereichte Gnadengesuch für Frau Nebbe (Lesben; Mordfall Klein / Nebbe).

Vorwärts. 23.03.1923. Die Urteile im Mordfall Klein und Nebbe sind rechtskräftig. (Lesben; Mordfall Klein / Nebbe).

Vorwärts. 20.07.1923. „Jugendliche auf der Straße“ u.a. „Der Junge ist (…) einem Homosexuellen in die Hände gefallen“.

Vorwärts. 13.11.1923. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Die sexuelle Not der Jetztzeit“ am 14.11.1923. Im Rahmen der Vortragsreihe „Sexuelle Erkenntnis und Erziehung“. Weitere Vorträge von Dr. Arthur Kronfeld am 22.11.23, Karl Besser am 28.11.23, Dr. Graatz 06.12.23, Magnus Hirschfeld am 12.12.23 („Kritik der Ehe“) und Adolf Koch und Walter Hämer am 20.12.1923.

Vorwärts. 20.11.1923. Im Kontext der Gewalt von Rechtsradikalen: Erinnerung an den Überfall auf Magnus Hirschfeld am 20.09.1920 (s. Serie auf queer.de)

Vorwärts. 04.12.1923. Oscar Wilde: Rezension der Biographie von Frank Harris (England, Literatur).

Vorwärts. 10.12.1923. „Burschen in Mädchenkleidern. Razzia und Festnahme von 32 Transvestiten“. Ihre Treffpunkte sind der Bahnhof, die Friedrichstraße, die Bedürfnisanstalten und die Passage „Unter den Linden“ (Polizei, Szene).

Vorwärts. 11.12.1923. Vortrag von Magnus Hirschfeld am 12.12.1923 über „Geschichte und Kritik der Ehe“ im Haeckelsaal innerhalb der Vortragsreihe der Junglehrer-Jugendgruppe.

 

1924

Vorwärts. 04.01.1924. „Halb Mann halb Weib“. Die Dentistin und Pflegerin Dora Hiese stand wegen Unterschlagung und Diebstahl vor Gericht. Die Erlöse hatte sie für „Frauenfreundschaften“ verwendet. Sie trug Männerkleidung und soll ein „Zwitter“ sein. Aufgrund eines Gutachtens von Magnus Hirschfeld durfte Sie Männerkleidung tragen. Verurteilung zu drei Monaten Gefängnis (Gutachter, Transvestit; Lesben?)

Vorwärts. 03.02.1924. Das Institut für Sexualwissenschaften wurde gestern an die Magnus-Hirschfeld-Stiftung übergeben (Magnus Hirschfeld; Arthur Kronfeld). Über die Feier der Übergabe.

Vorwärts. 13.02.1924. Der Fall Achelis. Die kriminelle Bedeutung der Hypnose. Mit einem Satz über Homosexuelle unter Hypnose und Äußerungen von Magnus Hirschfeld, der vom Vorwärts nach seiner Einschätzung gefragt wurde.

Vorwärts. 17.02.1924. Vortrag von Karl Giese über „Die sexuelle Zwischenstufen“ am 19.02.1924 im Institut für Sexualwissenschaft. Veranstalter ist die Gesellschaft für Geschlechtskunde. (Magnus Hirschfeld. Erster von zwei Artikeln über Karl Giese).

Vorwärts. 28.02.1924. Mordprozess Friedmann. Mit Hinweis auf Magnus Hirschfeld und eine Schrift von ihm. (Erster von drei Artikeln zur Ermordung von Franz Friedmann. S. a. mein queer.de-Artikel)

Vorwärts. 29.02.1924. Mordprozess Friedmann. Magnus Hirschfeld über Morde an Homosexuellen.

Vorwärts. 04.03.1924. Morde an Homosexuellen. Magnus Hirschfeld nennt für Berlin elf Fälle. Verweis auf den Fall Friedmann. Eigener Kommentar der Zeitung !!

Vorwärts. 25.03.1924. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Was jede Frau wissen sollte“ am 25.03.1924 im Institut für Sexualwissenschaften als Vortrag für Turnerinnen. (Freie Turnerschaft Groß-Berlin).

Vorwärts. 26.03.1924. Der Fall Klein/Nebbe hat wegen seinen „sexualpsychologischen Begleiterscheinungen Aufsehen erregt“ (Lesben; Mordfall Klein / Nebbe).

Vorwärts. 29.03.1924. Die 28-jährige Kriminelle Klara Willig ist lesbisch und liebte es Männerkleidung zu tragen. Sie hat als Mann gearbeitet (Transvestiten, Lesben).

Vorwärts. 06.04.1924. Führung durch das Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld am 06.04.1924 in der Rubrik „Jugendveranstaltungen“.

Vorwärts. 13.04.1924. Vortrag von Erich Wulffen über „Kriminalistische Sexualreform“ im „Institut für Sexualwissenschaft“. Forderung nach Straffreiheit (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 27.04.1924. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Neueste Forschungen des Liebes- und Seelenlebens“ am 29.04.1924 im Hörsaal Georgenstraße. (Gesellschaft für Geschlechtskunde).

Vorwärts. 09.05.1924. „Der Mord an der Portierfrau Raekling. Zwischen Ehemann und Freundin“. Mathilde Staverock (=Mathilde Staberock) und Theodor Just haben Frau Raekling (=Berta Räkling) ermordet und die Leiche zerstückelt. Zuerst ging das Gericht von Raubmord, später von sexuellen Motiven aus. Sie war lesbisch und sadistisch, er masochistisch. Sie war verheiratet, hat aber nie „eine richtige Fühlung“ mit den Männern gefunden. Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite, mit Magnus Hirschfeld als Gutachter. Er äußerte sich über die Bisexualität des Angeklagten, unterstrich die Häufigkeit, mit der homosexuelle Frauen das Eheglück zerstören, und ging – wie Dr. Thiele – von einer verminderten Zurechnungsfähigkeit der Täterin aus. Zu diesem Mordfall sind im „Vorwärts“ am 26.05.1923, 15.12.1923 (Nr. 585) und 15.12.1923 (Nr. 586) bereits Artikel erschienen, bei denen der homosexuelle Kontext jedoch noch nicht bekannt war. KI verwies mich auf einen Artikel im „Auraser Stadtblatt“ (17.05.1924. Seite 2, rechte Spalte), wonach der Täter abweichend Ernst Just hieß. Wegen Anstiftung zum Totschlag wurde sie zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Schlagwort Lesben. Ich gehe davon aus, dass der Fall in der homosexuellen Geschichtsforschung bisher unbekannt ist. !!).

Vorwärts. 13.05.1924. Über die „sexualpsychologische Skizze“ von Magnus Hirschfeld über den „Hinkemann“. (Damit ist Ernst Tollers Drama bzw. Theaterstück „Hinkemann. Eine Tragödie“ von 1924 gemeint, das für Aufsehen sorgte).

Vorwärts. 18.05.1924. Verfahren in 400 Fällen wegen § 218 (Abtreibung). Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 20.05.1924. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Die Hygiene der Entwicklungsjahre“ am 20.05.1924 im Institut für Sexualwissenschaft als Jugendveranstaltung.

Vorwärts. 21.05.1924. Vortrag am 21.5.1924 über „Das Wesen der Homosexualität“ in einer Schule in Niederschöneweide. (S.a. 26.9.1924 über „Das Wesen der Homosexuellen“)

Vorwärts. 25.05.1924. „Zweieinhalb Jahre Berufsjustiz“. Mit einer Zeichnung. Erwähnung Das homosexuelle Kriminaldrama Friedmann-Hoffmann endete mit dem Tod des ersteren und 15 Jahre Zuchthaus für den zweiten.

Vorwärts. 06.06.1924. Der Kaufmann Walter Siegfried vergeht sich an einem 11-jährigen Jungen und einem 12-jährigen Mädchen. Magnus Hirschfeld als Gutachter (Pädo).

Vorwärts. 08.06.1924. „Der Berliner Prater“ über die Adresse „In den Zelten“ bzw. „Die Zelte einst und jetzt“ mit einer Erwähnung von Magnus Hirschfeld und dem Institut für Sexualwissenschaft.

Vorwärts. 03.07.1924. Haarmann (Erster Artikel im „Vorwärts“ über den schwulen Serienmörder Fritz Haarmann. Von den mehreren hundert Artikeln im Vorwärts habe ich nachfolgend nur rund 60 größere und mit Bezug auf Homosexualität deutliche Artikel verlinkt. Über Magnus Hirschfeld als Beobachter. S. a. Rainer Herrn in „Der Liebe und dem Leid“, 2022. S. 249-254. S.a. Wiki)

Vorwärts. 12.07.1924. Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann).

Vorwärts. 15.07.1924. Vernehmung Haarmanns. (Serienmörder Fritz Haarmann).

Vorwärts. 16.07.1924. Fritz Haarmann. Ein homosexueller Sadist und Serienmörder. Kritik an der Polizei.

Vorwärts. 16.07.1924. Fritz Haarmann. (Wie Haarmann überführt wurde.)

Vorwärts. 20.07.1924. Fritz Haarmann. Mitteilungen von Kommissar Heinrich Kopp (Polizei).

Vorwärts. 23.07.1924. Der Berliner Studienrat Dr. Merz wurde in Berchtesgaden von dem 17-jährigen Kurt Keßler ermordet. Es soll nicht um Raubmord gehen, sondern es „spielen vielmehr homosexuelle Neigungen hinein“. Nach der Meldung am 24.07.1924 wurde Kurt Keßler in München verhaftet, er gestand den Mord aus finanziellen Gründen und zusätzlich den Überfall auf eine Frau. (Weitere Angaben sind nicht bekannt. Vermutlich gab es mit Bezug auf die Tat keinen homosexuellen Zusammenhang).

Vorwärts. 10.08.1924. Werbeanzeige von Magnus Hirschfeld vom Institut für Sexualwissenschaft mit dem Hinweis „Von der Reise zurück“

Vorwärts. 15.08.1924. Fritz Haarmann. Männliche Prostitution. Magnus Hirschfeld scheint als Gutachter „geeignet“ zu sein. (Er nahm jedoch nur als Beobachter am Prozess teil).

Vorwärts. 30.08.1924. Das Sterbehaus in Hannover ist ein Wallfahrtsort geworden (Serienmörder Fritz Haarmann)

Vorwärts. 31.08.1924. Sexueller Missbrauch an Mädchen. Magnus Hirschfeld hat sich offensichtlich auf eine Anfrage des Vorwärts geäußert. Dabei wird auf sein Buch „Sexualität und Kriminalität“ verwiesen.

Vorwärts. 04.09.1924. „Die Berliner Vermisstenzentrale“. Erwähnung des schwulen Serienmörders Fritz Haarmann. Im Rahmen der Vermisstenanzeigen, haben Eltern leider keine Auskünfte über die homosexuelle Orientierung ihrer Söhne gegeben. (Mit einer Zeichnung von einem jungen Mann am Hafen).

Vorwärts. 10.09.1924. Herr Achim Schreiber-Ploto, der Leiter des Ernst-Haeckel-Saals im Institut für Sexualforschung, hält einen Vortrag über „Die Entwicklung des Geschlechtstriebes und die Geschlechtskrankheiten“ am 12.09.1924 nur für junge Mädchen und Mütter. Organisiert von Freie Turnerschaft Groß Berlin (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 11.09.1924. „Kaiser und Troubadour“. Irrländer Haller hat eine Biographie über Eulenburg geschrieben (Harden-Eulenburg-Affäre; Cover)

Vorwärts. 12.09.1924. Ein Leserbriefschreiber wird in nicht genannter Angelegenheit an Magnus Hirschfeld verwiesen.

Vorwärts. 19.09.1924. Haarmann werden 22 Morde vorgeworfen (Serienmörder Fritz Haarmann)

Vorwärts. 23.09.1924. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Sexualpsychologisches zu Tollers Hinkemann“ am 24.09.1924 im Institut für Sexualwissenschaft.

Vorwärts. 26.09.1924. Redaktionelles über den Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Sexualpsychologisches zu Tollers Hinkemann“, den er am 24.09.1924 im Institut für Sexualwissenschaft hielt !!

Vorwärts. 26.09.1924. Vortrag am 26.09.1924 über „Das Wesen der Homosexuellen“ in einer Schule in Niederschöneweide. (s.a. 21.05.1924 über „Das Wesen der Homosexualität“)

Vorwärts. 27.09.1924. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Sexuelle Aufklärung oder sexueller Aberglaube“ am 27.09.1924 im Institut für Sexualwissenschaft mit Besichtigung und Führung. Vortrag vom Kollegen Schöne über „Nacktkörperkultur“ (Gewerkschaft Deutscher Volkslehrer).

Vorwärts. 21.10.1924. Peter Hamecher. „Das trunkene Schiff“. Ein Artikel über die Liebe von Arthur Rimbaud und Paul Verlaine (der wohl einzige Beitrag im „Vorwärts“ vom Homosexuellenaktivisten Peter Hamecher im eindeutig homosexuellen Kontext. Zu Peter Hamecher s.a. mein Beitrag in „Anders als die Andern“. 2006. S. 135-138. Von Peter Hamecher erschien im „Vorwärts“ außerdem das Gedicht „Von Lucifers Geschlecht“ am 22.09.1913, das nach dem JfsZ 8 (1906) S. 756-758 „direkte homosexuelle Töne durchklingen“ lässt. Außerdem erschien von Hamecher „Und das Licht scheint in die Finsternis“ über Tolstoi am 13.12.1918.; „Wilhelms Zeitgenosse“ über Heinrich Manns Roman „Der Untertan“ am 18.12.1918 und „Konrad Ferdinand Meyer“ zum 100. Geburtstag am 11.10.1925. Schlagwort: Literatur).

Vorwärts. 26.10.1924. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Die sexuale Not der Gegenwart“ am 29.10.1924 in der Aula Georgenstraße

Vorwärts. 11.11.1924. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Die Geschlechtsnot der Jugend“ im Institut für Sexualwissenschaft

Vorwärts. 15.11.1924. Über den geplanten Haarmann-Prozess (Serienmörder Fritz Haarmann).

Vorwärts. 18.11.1924. „Transvestiten. Zum Fall Dr. Duysen“. Hinweis auf Magnus Hirschfeld „Die Transvestiten“. Mit dem Schlusswort: „Wie erzieht man die Menschen zu größerer Vorurteilslosigkeit, (…) zur Liebe gegenüber dem Innenleben ihresgleichen und doch nicht ihresgleichen?“ (§ 175er. S.a. zwei frühere Artikel zu diesem Todesfall. Am 13.11.1924 wurde betont: „Ein weibliches Wesen betrat nie die Wohnung“ und vom 15.11.1924 ohne Benennung des homosexuellen Zusammenhangs. Zu Franz Duysen und Dr. Kraatz siehe auch meinen Artikel auf queer.de) !!

Vorwärts. 20.11.1924. Nur Erwähnung über Fritz Haarmann, der „homosexuelle Massenmörder“.

Vorwärts. 26.11.1924. Erwähnung, dass Homosexualität „zumeist“ angeboren und bei Jugendlichen nur ein „Durchgangsstadium“ ist.

Vorwärts. 27.11.1924. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Der sexuelle Aberglaube“ am Freitag (Gesellschaft für Geschlechtskunde).

Vorwärts. 29.11.1924. Vortrag von Polizeikommissar Strewe auf Einladung des WhK. Strewe ist wie sein Vorgänger Heinrich Kopp für eine Abschaffung des § 175 RStGB. Hinweis, dass die Polizei während der letzten Verhaftungen 218 Stricher festgenommen hat.

Vorwärts. 04.12.1924. S. 6.. Nr. 571. Morgenausgabe Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Beginn Prozess. 200 Zeugen. 60 Bände

Vorwärts. 04.12.1924. S. 3. Nr. 572. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Beginn Prozess.

Vorwärts. 05.12.1924. Kurzmeldung: „In Schneidemühl (Grenzmark) wurde der Spitzenkandidat auf der deutschvölkischen Reichstagsliste im Wahlkreis Frankfurt/Oder, Köhler wegen homosexueller Verfehlungen verhaftet“ (§ 175er).

Vorwärts. 05.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Vernehmung Haarmanns.

Vorwärts. 05.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Grans und Polizei.

Vorwärts. 06.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann. Über das Opfer Fritz Franke. S.a. meinen Artikel auf queer.de über das Jahr 1924 und 1925 mit einem Foto von Fritz Franke).

Vorwärts. 06.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Über das Opfer Adolf Hannappel.

Vorwärts. 07.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Über das Opfer Hermann Speichert.

Vorwärts. 08.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Zeuenaussagen.

Vorwärts. 09.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Presseberichte anderer.

Vorwärts. 09.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). 5. Verhandlungstag.

Vorwärts. 10.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Nachbarn und Freunde.

Vorwärts. 10.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). 6. Verhandlungstag.

Vorwärts. 11.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Zeugin Emmy Schulz.

Vorwärts. 11.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Soziale Seite / Grans.

Vorwärts. 11.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Vater von Friedel Rothe.

Vorwärts. 12.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). 8. Verhandlungstag.

Vorwärts. 13.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Warum Haarmann tötete und sich die Todesstrafe wünscht.

Vorwärts. 13.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Vorwürfe gegen die Polizei in Hannover. 9. Verhandlungstag.

Vorwärts. 14.12.1925. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Das Oper Adolf Hennjes.

Vorwärts. 15.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Das Opfer Willi Senger und die Rolle der Polizei.

Vorwärts. 16.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Das Oper Wilhelm Apel.

Vorwärts. 16.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Die Rolle der Polizei.

Vorwärts. 17.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Schon als 18-jähriger begang Haarmann Sittlichkeitsverbrechen an jungen Knaben. Die Gutachter. Dr. Lessing wurde wegen Äußerungen nicht mehr als Gutachter zugelassen. Gutachten von Dr. Schackwitz.

Vorwärts. 17.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Das Opfer Witzel.

Vorwärts. 18.12.1924. Der Fall Bruno Gerth (Frauenmorde). Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite: mit einem Hinweis auf Magnus Hirschfeld als Gutachter. Prozess wurde vertagt. (Erster von vier Artikeln. Die Morde stehen nicht in einem homosexuellen Kontext, sind aber wegen Hirschfeld von Interesse. Zum Fall Bruno Gerth s. a. „Berliner Zeitung“ vom 10.09.2022).

Vorwärts. 18.12.1924. Mordprozess Haarmann (Serienmörder Fritz Haarmann). Haarmann wurde nach §51 für zurechnungsfähig erklärt.

Vorwärts. 18.12.1924. 13. und letzter Verhandlungstag im Haarmann-Prozess (Serienmörder Fritz Haarmann). Gutachter Dr. Brandt, Dr. Schultze und Dr. Schckwitz. Urteil aber erst morgen.

Vorwärts. 19.12.1924. S. 6. Nr. 597. Morgenausg „Haarmanns Schlusswort“ (Serienmörder Fritz Haarmann). Ein längerer eigener und emotional formulierter Kommentar vom „Vorwärt“: „Triebhaftes Schicksal war es, dass über Haarmann waltete“

Vorwärts. 19.12.1924. S. 3. Nr. 598. Abendausgabe„Todesurteil gegen Haarmann“ (Serienmörder Fritz Haarmann).

Vorwärts. 20.12.1925. Zum Urteil im Prozess um Fritz Haarmann. Kommentar zum Urteil.

Vorwärts. 23.12.1924. Rezension des Theaterstückes von Hans Kaltneker „Die Schwester“ in der Schaubühne in der Klosterstraße. Es geht um die „Theorie der Homosexualität als Gipfel und Zentrum des Egoismus“, die „anfechtbar“ ist. (Literatur. Lesben. Einer von zwei Beiträgen über das lesbische Drama. s.a. „Vorwärts“ am 30.09.1927. Zum Drama allgemein s. a. meinen Beitrag auf queer.de).

Vorwärts. 23.12.2024. Grans legt Revision gegen das Todesurteil ein (Mittäter von Fritz Haarmann).

Vorwärts. 30.12.1924. Buchrezension Hugo Schröder: „Wilde jugendliche Wanderer“, vermutlich Aufsatz in „Sozialer Praxis“ mit einem langen Satz über männliche Prostitution. (Nicht im KVK).

 

1925

Vorwärts. 01.01.1925. Rückblick auf das Jahr 1924. Am 02.02.1924 wurde das Institut für Sexualwissenschaft an die Magnus-Hirschfeld-Stiftung übergeben (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 02.01.1925. Ein Nachtrag zum Haarmann-Prozess (Serienmörder Fritz Haarmann)

Vorwärts. 16.01.1925. Beerdigung der Überreste der Opfer von Fritz Haarmann.

Vorwärts. 23.01.1925. Vortrag von Magnus Hirschfeld: „Was die Frau wissen muss“ am 28.01.1925 in der Aula Georgenstraße. „Der Eintritt zu diesem Vortrag ist nur Frauen und Mädchen gestattet“.

Vorwärts. 30.01.1925. „Der falsche Paß für einen Homo-Gardisten“. Über den Maler Werner Freiherr von Brandenstein (§ 175er. Erster von zwei Artikel. Zu diesem Skandal s. a. meinen Artikel auf queer.de).

Vorwärts. 31.01.1925. Der Maler Werner Freiherr von Brandenstein wurde angeklagt (§ 175er).

Vorwärts. 02.02.1925. Als Retourkutsche beleidigt der „Vorwärts“ andere als 175er.!!

Vorwärts. 06.02.1925. „Das Todesurteil gegen Grans bestätigt“ (Mittäter des Mörders Fritz Haarmann).

Vorwärts. 17.02.1925. Hinweis auf die Veröffentlichung von Magnus Hirschfeld: „Sexualität und Kriminalität“ und auf sein Buch „Transvestiten“.

Vorwärts. 21.02.1925. Die 53-jährige Lehrerin Helene St. hat sich an den 14-jährigen Otto D. vergangen. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 22.02.1925. Großer Artikel über Magnus Hirschfeld, § 175, dem Institut für Sexualwissenschaft, Polizei. Mit zwei Zeichnungen. Vor einem Jahr wurde es als Stiftung übergeben. Mit einer Fortsetzung auf der nächsten Seite. !!

Vorwärts. 25.02.1925. Die poliklinische Sprechstunde für Mittellose im Institut für Sexualwissenschaft unter der Leitung von Dr. Schapiro. Außerdem Eheberatung unter der Leitung von Magnus Hirschfeld.

Vorwärts. 17.03.1925. In der Berliner Kurfürstenstraße 75 befand sich das Landgrafen-Kasino, dass vor zwei Wochen als „Pan-Palais“ neu eröffnete. Es wurde ein Sammelpunkt homosexueller Kreise. Bei einer Razzia wurden 500 Personen angetroffen, darunter auch viele Transvestiten und Jugendliche. Das Lokal wurde geräumt und geschlossen. (Szene. Polizei. Über die Eröffnung im Februar 1925 und die Schließung im März 2025, über die mindestens 15 Zeitungen berichteten, habe ich bereits auf queer.de berichtet)

Vorwärts. 22.03.1925. Sehr ausführlicher Beitrag über Vortragsreihe über Strafrechtsreform im Institut für Sexualwissenschaft, u.a. mit Prof. Dr. Mittermaier – Altmeister im Strafrecht. (Magnus Hirschfeld. Vermutlich ist der Jurist Wolfgang Mittermaier, 1867–1956, gemeint).

Vorwärts. 01.04.1925. Oscar Wilde kam ins Zuchthaus, „weil er der mann-männlichen Liebe allzu herausfordernd huldigte“.

Vorwärts. 11.04.1925. Ausführliche Besprechung des Vortrages von Werthauer zur Eherechtsreform, dass im Institut für Sexualwissenschaft stattfand und vom WhK veranstaltet wurde (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 12.04.1925. „Der Totengräber eines Kaiserreichs“. Film über Alfred Redl, der das „Opfer seiner homosexuellen Neigung“ wurde. Kritik am Film und Lob für Egon Erwin Kisch und sein Buch. Uraufführung war „vorigen Donnerstag“ (Gemeint ist der Film „Oberst Redl von 1925. Nach der IMDB in Österreich aka „Der Totengräber der Monarchie“).

Vorwärts. 15.04.1925. Vortrag von Dr. Kronfeld (Arthur Kronfeld. S.a. Beiträge am 15. und 17.05.1925)

Vorwärts. 15.04.1925. „Das Recht auf den Tod“ und „Haarmann hingerichtet“. Zwei Meldungen über das Todesurteil über den Serienmörder Fritz Haarmann.

Vorwärts. 21.04.1925. Aufhebung der Todesstrafe gegen Grans (Mittäter von Fritz Haarmann).

Vorwärts. 22.04.1925. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Sexualität und Kriminalität“ und den neuen Strafgesetzentwurf am 23.04.1925 in der Gesellschaft für Sexualreform.

Vorwärts. 06.05.1925. Das Sonderheft der Zeitschrift „Der Eigene“ von Adolf Brand unter dem Titel „Die Tante“ (= Die Tunte) ist wegen der „Verbreitung unzüchtiger Schriften und Bilder“ beschlagnahmt worden. Es geht um Beiträge von St. Ch. Waldecke (= Ewald Tscheck) und die Karikaturen über Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 15.05.1925. Vortrag von Dr. Arthur Kronfeld im Institut für Sexualwissenschaft über den Tod von Höfle und die Schuld vom Gefängnisarzt Dr. Thieles (Der ehemalige Reichsminister Anton Höfle von der Zentrumspartei starb 1925 in einem Untersuchungsgefängnis. S. Wiki. Magnus Hirschfeld. s. a. die Artikel vom 17., 20. und 22.05.1925).

Vorwärts. 17.05.1925. Am 13.05.1925 fand im Institut für Sexualwissenschaft unter der Leitung von Magnus Hirschfeld ein Vortrag von Dr. Arthur Kronfeld über den Fall Thiele-Höfle statt. Dabei sollen ungerechtfertigte „Angriffe“ geäußert worden sein. Danach folgt eine Gegendarstellung.

Vorwärts. 20.05.1925. Der Stahlhelmpfarrer Wilhelm Knoblauch hat sich als Geistlicher und Lehrer an Schülern vergangen – teilweise unter 14 Jahren. Magnus Hirschfeld hat sein Erscheinen zum Prozess abgesagt, an seiner Stelle kam der Nervenarzt Dr. Placzek. (zu Knoblauch s.a. meinen Artikel auf queer.de)

Vorwärts. 22.05.1925. Artikel von Arthur Kronfeld: „Lehren des Falles Höfles“.

Vorwärts. 29.05.1925. Werbung für Bruno Vogel „Es lebe der Krieg“ (Literatur. Es ist der erste von mehreren Beiträgen über sein Buch, dessen Inhalt und spätere Zensurgeschichte auch mit Homosexualität in Verbindung steht. S. dazu auch meinen Beitrag auf queer.de. Wegen der Bedeutung dieses homosexuellen Autors und „Genossen“ möchte ich auch auf Beiträge von Bruno Vogel im „Vorwärts“ hinweisen, auch wenn sie nicht von Homosexualität handeln: „Ein belangloses Erlebnis“ am 30.08.1924, „Ein kleines Leben“ am 16.09.1930 und „Silvestererlebnis“ am 01.01.1931. Siehe auch den Artikel zum Tod des „Genossen“ Bruno Vogel im „Vorwärts“ am 14.10.1931).

Vorwärts. 06.06.1925. Ein Satz, dass Thomas Mann in „Tod in Venedig“ und „Tono Kröger“ die „dunklen Gebiete der Künstlerpsychologie“ erforscht habe. Hinweis auf Krankheit (Literatur).

Vorwärts. 19.06.1925. Dr. Werner Achelis und sein Freund, der Kaufmann Alexander Frohmann. Freispruch nach § 175

Vorwärts. 27.06.1925. Der Fall Bruno Gerth. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 13.08.1925. „Die Technik der Erpresser“. Vortragsreihe im Institut für Sexualwissenschaft. Magnus Hirschfeld „Bestrafung sexueller Triebabweichungen“ und Kriminalinspekteur a.D. Hans von Treskow (ehemaliger Leiter der „Berliner Sittenpolizei“) über „Erpressungen auf sexueller Grundlage“. Beide Männer setzten sich für die Abschaffung des § 175 ein.

Vorwärts. 16.08.1925. Entwurf für ein Parteiprogramm des SPD, dass die Legalisierung von Homosexualität vorsieht.

Vorwärts. 05.09.1925. „Eheberatung verhütet Elend“. Vier Sätze in einem großen Artikel, dass Homosexuellen von der Ehe abgeraten werden muss, auch wenn sie glauben, so geheilt werden zu können.

Vorwärts. 26.09.1925. Eine Frau wird für lesbisch gehalten. Wegen dem Satz „Mir kam das auch so vor“ von einem Mann wurde dieser zu 50 Mark Geldstrafe wegen Beleidigung verurteilt. Kritik der Zeitung an dem Urteil, weil nur homosexuelle Handlungen unter Männern, aber keine homosexuelle Veranlagung allgemein unter Strafe steht (Lesben).

Vorwärts. 04.10.1925. Über das homosexuelle Verhältnis von Fleischmann und von Carlowitz. Eine Mitteilung, die von Etzdorf geleugnet hat. Richter und Rechtsanwalt weisen auf „seine perverse Veranlagung“ hin. (Unklarer Rechtsfall im Kontext Kredite und Banken).

Vorwärts. 22.10.1925. „Ein böhmischer Haarmann“. Der Kutscher Haruschka hat einen 13-jährigen Jungen missbraucht und ermordet (Serienmörder Fritz Haarmann. Pädo).

Vorwärts. 30.10.1925. Die Leiche von Gerhard Schnäpel wurde gefunden, der seit dem 1.10.1925 als vermisst galt. (Zu den Morden Kurt Schöning, Helmut Daube, Gerhard Schnäpel und Kurt Lehrke s.a. die Rezension von Jens Dobler von „Zeuge Waldeck. Das erfundene Leben des Rolf vom Busch“ Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft. Nr. 65/66. Dezember 2020. S.a. mein Artikel über Schnäpel auf queer.de. Im Vorwärts erschienen viele weitere Artikel wie am 31.10.1925, 01.11.1925, 03.11.1925, 12.11.1925 und 08.05.1927, ohne dabei jedoch Homosexuelle zu verdächtigen).

Vorwärts. 11.11.1926. Grans vor Gericht. Morgen Prozessbeginn. (Mittäter von Fritz Haarmann).

Vorwärts. 21.11.1925. Früher in Deutschland Berlin war das Bordell von Preußen. Auch das „unnatürliche Laster der Sodomie“. Adlige Frauen verführen Mädchen (Lesben).

Vorwärts. 06.12.1925. Der 35-jährige Karl Winkelmann wegen § 175 bzw. Freundschaften zu höheren Schülern verurteilt

Vorwärts. 25.12.1925. Erwähnung „Bekämpfung der homosex. Verführung“ als Aufgabe Jugendamtes.

 

1926

Vorwärts. 08.01.1926. Eine Masseuse missbrauchte einen Knaben und ließ ihn von Homosexuellen missbrauchen.

Vorwärts. 13.01.1926. Grans vor Gericht. (Mittäter von Fritz Haarmann). Über seine „Beziehungen zu homosexuellen Kreisen“

Vorwärts. 14.01.1926. Grans vor Gericht. (Mittäter von Fritz Haarmann). Zweiter Verhandlungstag gegen Grans.

Vorwärts. 15.01.1926. Grans vor Gericht. (Mittäter von Fritz Haarmann). Der Zeuge Seidel ist nicht auffindbar.

Vorwärts. 17.01.1926.: Friedrich der Große wurde der „griechischen Liebe a la Alcibiades beschuldigt“. Verliebte Brief an einen Leutnant.

Vorwärts. 17.01.1926. Grans vor Gericht. (Mittäter von Fritz Haarmann). 5. Verhandlungstag.

Vorwärts. 19.01.1926. Grans vor Gericht. (Mittäter von Fritz Haarmann). Beihilfe zum Mord. Urteil soll am Mittag erfolgen.

Vorwärts. 20.01.1926. Grans wurde zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt (Mittäter von Fritz Haarmann).

Vorwärts. 25.01.1926. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Alkohol und Geschlechtsleben“ am 25.01.1926 im Institut für Sexualwissenschaft (Berliner Arbeiterabstinentenbund).

Vorwärts. 31.01.1926. „Tragödie eines Menschen“. Prozess gegen Zuschneider Wilhelm Mätzig mit einer „geschlechtlich anormalen Veranlagung“. Magnus Hirschfeld bekommt „Zutritt“ zu Mätzig (offenbar als Gutachter) und hält seine Kastration für einen „Ausweg und einen Heilweg“. (In einem Artikel vom 14.03.1930 werden Mätzig Hochstapelei und „Sittlichkeitsverbrechen“ vorgeworfen. Das sind zwei von insgesamt drei Einträgen, s. a. „Metzig“ 28.04.1926. Der Artikel wird zitiert von Rainer Herrn in „Der Liebe und dem Leid“, 2022. S. 641. Die vorgeworfenen „Sittlichkeitsverbrechen“ bleiben unklar. Vermutlich ist er identisch mit dem am 28.4.1893 geborenen Wilhelm Mätzig, zu dem es im Brandenburgischen Landeshauptarchiv eine Akte gibt).

Vorwärts. 04.02.1926. Zu der Vortragreihe über „Sexuelle Ausdruckformen“ gehört der Vortrag von Karl Besser über „Sexualität und Handschrift“ im „Institut für Sexualwissenschaft“ (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 06.02.1926. Erwähnung des Vortrages von Karl Besser über „Sexualität und Handschrift“ im „Institut für Sexualwissenschaft“ (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 25.02.1926. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Sexualität und Kleidung unter besonderer Berücksichtigung der Gepflogenheiten der Transvestiten“ am 25.02.1926 im Institut für Sexualwissenschaft.

Vorwärts. 28.02.1926. Lützow-Prozess. (Erste Erwähnung. Prozesses gegen Lützow, der vor dem Berliner Landgericht angeklagt wurde, seine Schüler misshandelt zu haben. Die den Strafen folgenden Zärtlichkeiten wurden als „unzüchtige Handlungen“ angesehen (s.a. Rainer Herrn: „Der Liebe und dem Leid“. 2022. S. 342-345 über das Gutachten von Magnus Hirschfeld und den Freispruch).

Vorwärts. 10.03.1926. „Ein Entarteter“. Erich F. hat ein vierjähriges Mädchen erwürgt und tot geglaubt, das aber überlebt hat. Sittlichkeitsdelikte an Mädchen. Albert Moll und Magnus Hirschfeld waren Gutachter

Vorwärts. 12.03.1926. Im Bothmer-Prozess wurde Magnus Hirschfeld als Gutachter abgelehnt.

Vorwärts. 13.03.1926. „Oscar Wildes letzte Jahre“. Die nun veröffentlichten Briefe sind eine gute Ergänzung zur Biographie von Frank Harris. (Literatur).

Vorwärts. 14.03.1926. Vortrag von Kriminalkommissar a.D. G. Lehnerdt (sic) am 18.03.1926 über „Sexualität und Kriminalität“ im Institut für Sexualwissenschaft. (s. nächster Eintrag. (Nach KI handelt es sich dabei um Gotthold Lehnerdt, auch bekannt in der Schreibweise Lehnert, der am 15. März 1885 geboren wurde).

Vorwärts. 27.03.1926. Ausführliche Besprechung: Kriminalkommissar Lehnert (sic) hatte einen Vortrag über „Sexualität und Kriminalität“ im Rahmen der Vortragsreihe „Ausdruckformen der Sexualität“ im Institut für Sexualwissenschaft gehalten (Magnus Hirschfeld. S. voriger Eintrag).

Vorwärts. 31.03.1926. Sprachlehrer W. gab sich gegenüber Frauen als Arzt aus. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 09.04.1926. Vortrag von Magnus Hirschfeld: „Tanz und Sexualität“ am Dienstag im Rahmen einer Ausstellung der „Genossenschaft deutscher Tanzlehrer“.

Vorwärts. 17.04.1926. Die moderne Frau gleicht sich dem Mann an. Hier scheint ein drittes geschlechtsloses Geschlecht zu entstehen. (Lesben?).

Vorwärts. 28.04.1926. Der Fall Schneider Metzig. Er wollte sich operieren lassen, um nicht mehr kriminell zu sein. Dr. Pranger war Gutachter in Vertretung von Magnus Hirschfeld. (S. a. Mätzig 28.01.1926).

Vorwärts. 04.05.1926. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Gesicht und Geschlecht“ im Ernst Häckel-Saal. (Institut für Sexualwissenschaft. Offenbar Teil der Vortragreihe über „Sexuelle Ausdruckformen“).

Vorwärts. 04.05.1926. Aus dem Roman „Alraune“ von Hanns Heinz Ewers wurde ein Theaterstück. Für die „angefaulte Jugend“ mit „perversen Neigungen“. Die Darstellerin ist am Ende nackt (Literatur).

Vorwärts. 16.05.1926. Zum Lützow-Prozess. Missbrauch an Schülern. Gutachten von Magnus Hirschfeld.

Vorwärts. 21.05.1926. Im Gerichtsverfahren hat Grütte-Lehder bestritten „homosexuell veranlagt zu sein“. (Dem jungen Rechtsextremisten Robert Grütte-Lehder wurde 1926 der Prozess gemacht, weil er im November 1923 den Spitzel Heinrich Dammers ermordet haben soll. Der Prozess erregte Aufsehen, da Grütte-Lehder völkische Abgeordnete der Anstiftung zu Attentaten beschuldigte. Im Archivportal.de ist eine Gerichtsakte verzeichnet. Cover).

Vorwärts. 22.05.1926. Die Revision im Falle Grans wurde verworfen (Mittäter von Fritz Haarmann).

Vorwärts. 27.05.1926. Zum Lützow-Prozess. Homosexueller Missbrauch an Schülern. Gutachter Placzek.

Vorwärts. 27.05.1926. Über den Mord an dem 15-jährigen Arbeitsburschen Kurt Lehrke. Es war schon einmal sexuell missbraucht worden und die Polizei rechnete damit, dass er schon wieder einem „Knabenschänder“ in die Hände gefallen war. (Zu den Morden Kurt Schöning, Helmut Daube, Gerhard Schnäpel und Kurt Lehrke s.a. die Rezension von Jens Dobler von „Zeuge Waldeck. Das erfundene Leben des Rolf vom Busch“ Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft. Nr. 65/66. Dezember 2020).

Vorwärts. 01.06.1926. Freispruch für Bruno Vogel „Es lebe der Krieg“. Gutachten u.a. von Helene Stöcker, Thomas Mann und Magnus Hirschfeld (Literatur, Gutachter).

Vorwärts. 03.06.1926. Zum Lützow-Prozess. Über Homosexuelle, die sich an Kindern vergehen. Magnus Hirschfeld war Gutachter (Pädo).

Vorwärts. 05.06.1926. Zum Lützow-Prozess. Seine Homosexualität ist juristisch ohne Bedeutung (Pädo).

Vorwärts. 07.06.1926 Zum Lützow-Prozess: „Ein homosexueller Einschlag“ und Grausamkeit gibt es in jedem Menschen. Es geht um Küsse und Schläge und dass er seine Liebe durch Schläge zeigt (Pädo).

Vorwärts. 11.06.1926. Das Trianon-Theater in der Klosterstraße zeigt „Die spanische Fliege“. Das ist ein „umständlich schlecht gemachtes, weinerliches Debattierstück über die Homosexualität“. Versuch einer Heilung. Magnus Hirschfeld wird dankbar sein (Drama).

Vorwärts. 11.06.1926. Der Fall Bruno Gerth, der zwei Frauen ermordete, wurde Magnus Hirschfeld nachträglich als Gutachter bestellt.

Vorwärts. 12.06.1926. Im Fall Bruno Gerth, der zwei Frauen ermordete, wurde Magnus Hirschfeld nachträglich als Gutachter bestellt.

Vorwärts. 21.06.1926. Erwähnung. Ein Krimineller sagt aus, dass er Beziehung zu Kriminellen hat, aber nur in ähnlicher Form, wie auch der Kriminalkommissar Hans von Treskow vom Homosexuellendezernat „engste Beziehungen zu Homosexuellen“ hat (Polizei).

Vorwärts. 10.07.1926. Mord in Verbindung mit Homosexualität. Er war „stark homosexuell“ und Kellner und erstach seine Ehefrau, die als Friseuse arbeitete (In dem Artikel werden keine Namen genannt. KI verweist auf das Landesarchiv in Berlin und geht davon aus, dass der Täter der Kellner Alfred Schulz (*1904) war, der am 13.03.1934 hingerichtet wurde. Diese Angaben lassen sich mit dem Artikel nicht in Verbindung bringen. Nach „Deutsche Freiheit“ vom 14.03.1934 war dieser Alfred Schulz wegen dem Mord an einer Obsthändlerin von 1932 zum Tode verurteilt worden).

Vorwärts. 11.07.1926. Über Sittlichkeitsverbrecher. Magnus Hirschfeld hat zwölf solcher Fälle beobachtet.

Vorwärts. 09.09.1926. Über die „Zusammenstellung Zuhälter und Homosexuellen“, die für Sexual-psychologen neu sein dürfte.

Vorwärts. 11.09.1926. „Kampf dem Schmutz- und Schundgesetz“ mit Hinweisen auf Thomas Mann und Magnus Hirschfeld.

Vorwärts. 19.09.1926. In dem Film „Brandstifter Europas“ geht es auch um Alfred Redl (S. a. IMDB mit dem Hinweis aka „Oberst Redls Erben“ von 1926).

Vorwärts. 12.10.1926. Vortrag bzw. „Lehrkursus über Sexualwissenschaft“ von Magnus Hirschfeld und anderen Ärzten im Institut für Sexualwissenschaft für Juristen und Mediziner ab dem 13.10.1926.

Vorwärts. 16.10.1926. Kongress für Sexualforschung. Hugo Bondy aus Prag hielt einen Vortrag über Homosexualität im Strafrecht der Tschechoslowakei. (Eugenik. Löwenstein, Dr. Wulffen).

Vorwärts. 21.10.1926. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Tanz und Sexualität“ (o. D.).

Vorwärts. 14.11.1926. Großer Artikel von W. Wächter über „Das dritte Geschlecht“ über Befruchtungen beim Menschen und in der Tier- und Pflanzenwelt. Über „Bastarde“, Kopulationen von Pilzen und Erich von Wolzogen (Trotz der Überschrift ist dies kein Beitrag über Homosexualität. Rassismus).

Vorwärts. 27.11.1926. Führung durch das Institut für Sexualwissenschaften am 28.11.1926 für Jungsozialisten (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 11.12.1926. „Die Betrügereien des Herrn v. Oppen“ mit Magnus Hirschfeld als Gutachter. (Hermann von Oppen).

Vorwärts. 16.12.1926. Erwähnung in einem Prozess von Oppen und Paul Miehe. Erwähnung des homosexuellen 26-jährigen Joachim von Albert.

Vorwärts. 30.12.1926. Ermordung von Hamecher in Hamburg. In Berliner „homosexuellen Kreisen“ nennt sich der Täter „Peter“ oder „Eugen“ (KI: Der Kaufmann, der Ende November 1926 in Hamburg, Hohe Bleichen 24, ermordet aufgefunden wurde, war Hermann Robert Hamecher aus Euskirchen. Entdeckt wurde er am Montag, den 29. November 1926).

 

1927

Vorwärts. 14.01.1927. „Der Normalmensch. Das Reichsgericht als Sittlichkeitswächter“. Strafanzeige wegen der Verbreitung unzüchtiger Schriften gegen Bruno Vogel „Es lebe der Krieg“. Es lagen Gutachten von Thomas Mann, Heinrich Mann, Fritz von Unruh und Magnus Hirschfeld vor (Literatur).

Vorwärts. 16.01.1927. Erwähnung von Homosexualität im Kontext von Ferdinand Lasalle, August Bebel, Wilhelm Liebknecht und Kohn.

Vorwärts. 11.02.1927. Auf Einladung des WhK las Hanns Heinz Ewers im Institut für Sexualwissenschaft sexualpsychologisches aus seinen Werken, u.a. „Der Todes des Jesus Maria von Friedel“ (psychischer Hermaphroditismus) und „Ameisen“ (Magnus Hirschfeld; Lesben; Literatur).

Vorwärts. 01.03.1927. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Die sexuelle Krise“ bzw. „Das Recht auf Liebe“ am 04.03.1927 im Blüthner-Saal. Mit der Beantwortung von vorher eingereichten Fragen.

Vorwärts. 06.03.1927. Vortrag von Karl Besser vom Institut für Sexualwissenschaft hält einen Lichtbildervortrag über „Seelische und körperliche Leiden der Liebe“ in einem Lokal. Organisiert vom Arbeiterverein für Biochemie und Lebensreform (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 09.03.1927. Kurzmeldung: Bund der Jugendgerichtshelfer. Aussprache über die „Behandlung der homosexuellen Jugendlichen“.

Vorwärts. 12.03.1927. Vortrag bzw. Fragebeantwortung von Magnus Hirschfeld „Die sexuelle Not der Jugend“ über die Themen „Selbstmorde Jugendlicher, Onanie, Pubertätsalter“ am 15.03.1927 (Gesellschaft für Geschlechtskunde).

Vorwärts. 17.03.1927. Fünf Homosexuelle vor Gericht. Kaufmann Franke und der 20-jährige H., die zu einem Jahr bzw. vier Monaten verurteilt worden sind. Schlusssatz vom Vorwärts: „Der § 175 macht aber nach wie vor die Homosexuellen zum Freiwild für Erpresser“ (Albert Moll).

Vorwärts. 17.03.1927. Vortrag von Magnus Hirschfeld: „Sexualerziehung als soziale Notwendigkeit“ am 18.03.1927 (Freie Schulgemeinde Prenzlauer Berg).

Vorwärts. 18.03.1927. Beschlagnahmungen in einer Buchhandlung, u.a. Werke von Magnus Hirschfeld, Iwan Bloch, Eduard Fuchs und Havelock Ellis. (Polizei).

Vorwärts. 22.03.1927. Vortrag von Magnus Hirschfeld: „Sexuelle Tagesfragen“ am 26.03.1927 im Blüthner-Saal mit Diskussion

Vorwärts. 29.03.1927. Nachbesprechung des Vortrages von Magnus Hirschfeld: „Sexuelle Tagesfragen“ am 26.03.1927 im Blüthner-Saal mit Diskussion.

Vorwärts. 13.04.1927. Verlegung des Instituts für Menschheitskunde in das Institut für Sexualwissenschaft. Ein großes Museum für Geschlechts- und Menschheitskunde ist geplant (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 26.04.1927. Vortrag von Karl Besser vom „Institut für Sexualwissenschat (Dr. Magnus Hirschfeld)“ am 26.04.1927 über „Seelische und körperliche Leiden der Liebe“.

Vorwärts. 27.04.1927. Vortrag über „Seelische und körperliche Leiden der Liebe“ am 27.04.1927 von Karl Besser vom „Institut für Sexualwissenschaften (Dr. Magnus Hirschfeld)“ (Arbeiterverein für Biochemie und Lebensreform).

Vorwärts. 14.05.1927. Festakt des WhK. 30-jähriges Jubiläum. Mit Alfred Kerr und Helene Stöcker (Magnus Hirschfeld). Strafrecht. § 175.

Vorwärts. 17.05.1927. Festakt des WhK. 30-jähriges Jubiläum. Mit Alfred Kerr, Helene Stöcker, Magnus Hirschfeld. Strafrecht. Kommentar des Vorwärts zum § 175: Deutschland kann sich „noch immer nicht von ihm trennen“.

Vorwärts. 08.06.1927. „Lesbos am Zoo“. Theaterstück von dem russischen Autor Alatscheff „Tumult der Herzen“ über lesbische Liebe (Lesben. Unter diesem Titel gibt es nur einen Roman von 1928 von Lola Stein).

Vorwärts. 09.06.1927. Ein Satz über das Alter, „Tod in Venedig“ und den „gleichgeschlechtlichen Eros“.

Vorwärts. 13.06.1927. Gerichtsverhandlung Käte Hagedorn (= Käthe Hagedorn). Der Gutachter Magnus Hirschfeld geht von einem Sexualrausch und davon aus, dass sie nicht wusste, was sie tat. (lesbisch. Zu dem Fall siehe auch Melanie Grütter: „‘Verworfene Frauenzimmer‘. Geschlecht als Kategorie des Wissens vor dem Strafgericht“ von 2017 mit Fotos von Hagedorn. Der Beitrag ist online verfügbar. S.a. Rainer Herrn: „Der Liebe und dem Leid“. 2022. S. 356–359).

Vorwärts. 15.06.1927. Gerichtsverhandlung Käthe Hagedorn, mit dem Hinweis, dass Hagedorns Beziehung zu der Schauspielerin Paula C. offenbar „lesbischer Natur“ war (Lesben).

Vorwärts. 24.06.1927. Der Grosavesku-Prozess. Dieser habe sich seiner Homosexualität gerühmt. (Nach KI ist damit der rumänische Tenor Traian Grosavescu, auch Trajan Grozăvescu, 1895–1927, gemeint, der am 15.02.1927 von seiner Ehefrau Nelly Grosavescu in ihrer gemeinsamen Wiener Wohnung erschossen wurde).

Vorwärts. 25.06.1927. Gutachten von Dr. Hoevel und zur Frage, ob Grosavescu homo- oder bisexuell ist.

Vorwärts. 28.06.1927. Skandal in der Komischen Oper. Lärm von Homosexuellen im Theater, weil sie sich die Szenen bzw. das 14. Bild in der Revue bzw. dem Theaterstück „Streng verboten“ nicht gefallen lassen wollten. (Nähere Infos zu der Revue von James Klein siehe auch Jens Dobler: „Skandalszenen in der Komischen Oper! Protest von Homosexuellen gegen ein Theaterstück 1927 in Berlin“. In: „Invertito. Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten“ 2016. S. 138-147).

Vorwärts. 03.07.1927. Führung durch das Institut für Sexualwissenschaft am 03.07.1927 (Magnus Hirschfeld, Arbeiterwohlfahrt).

Vorwärts. 08.07.1927. Freispruch für Bruno Vogel: „Es lebe der Krieg“ (Es war jedoch kein „endgültiger Freispruch“, wie hier fälschlicherweise angegeben wird. S. weiteren Beitrag von 1929).

Vorwärts. 23.07.1927. Das Kartell zur Reform des Sexualstrafrechts hat einen Gegenentwurf zu den Strafbestimmungen des amtlichen Entwurfs eines allgemeinen deutschen Strafgesetzes geschrieben. Zu diesem Kartell gehört u.a. das WHK und das Institut für Sexualwissenschaft. Die Redaktion lag u.a. in den Händen von Magnus Hirschfeld, Kurt Hiller, Richard Linsert und Helene Stöcker.

Vorwärts. 31.07.1927. Erwähnung. Der Zoologe Plate von der Uni Jena, der Nachfolger von Ernst Haeckels, fiel durch Antisemitismus auf, z.B. durch Hinweise auf die häufige Homosexualität bei Juden.

Vorwärts. 01.08.1927. Lesbische Liebe im Kontext von Nacktheit und illustrierten „Schundblättern“ (Lesben).

Vorwärts. 19.08.1927. Sascha Schneider gestorben. Erwähnung seiner Titelzeichnungen für Karl May.

Vorwärts 24.08.1927. Erwähnung. Italien. Mit bis zu fünf Jahren Haft werden „homosexuelle Beziehungen bestraft“

Vorwärts. 04.09.1927. Erwähnung bei einem Schwindler. In Berlin suchte und fand der Schwindler und Kaufmann Edgar Friedrichs Anschluss an homosexuelle Kreise.

Vorwärts. 20.09.1927. Erwähnung. Der verschwundene Page Kurt Wahlich ist evt. das Opfer des homosexuellen Artisten Josef Wenzel geworden.

Vorwärts. 30.09.1927. Aufführung im Theater in der Königgrätzer Straße: Hans Kaltneker: „Die Schwester“ über das „Mysterium der lesbischen Liebe“ (Lesben).

Vorwärts. 11.10.1927. „Aussterbender Adel“. Erwähnung von Homosexualität im Kontext Genealogie und soziale Unterschiede.

Vorwärts. 21.10.1927. Magnus Hirschfeld wollte in Köln am 27.10.1927 einen Vortrag halten „Das Recht auf Liebe (Die Sexualkrisis)“. Der Saal der Kölner Lesegesellschaft und der vom Gürzenich wurden ihm verwehrt. Hirschfeld wird deshalb seinen Vortrag im Reichshallentheater halten. Überschrift und gleichzeitig Kommentar vom Vorwärts: „Kölnisches Muckertum“. (s. a. 31.10.1927).

Vorwärts. 21.10.1927. Vortrag von Magnus Hirschfeld „Aktuelle Zeitfragen“ (Strafrecht).

Vorwärts. 27.10.1927. Ärztliche Vorträge für Taubstumme von Dr. Besser (vom Institut für Sexualwissenschaft. Dr. Karl Besser ist der Assistenzarzt von Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 29.10.1927. Vortrag von Magnus Hirschfeld am 12.01.1928 über „Geschichte der Sexualwissenschaft“ (Freidenker-Volkshochschule).

Vorwärts. 31.10.1927. Ein von Magnus Hirschfeld geplanter Vortrag über „Die sexuelle Krise und das Recht auf Liebe“ wurde in Düsseldorf und Köln verboten (s. a. 21.10.1927).

Vorwärts. 02.12.1927. Vortrag von Magnus Hirschfeld am 04.12.1927 für Taubstumme: „Die sexuelle Krise und das Recht auf Liebe“.

Vorwärts. 04.12.1927. Redaktioneller Beitrag über den Film „Das Gesetz der Liebe“ von Magnus Hirschfeld (Richtige Schreibweise: „Gesetze der Liebe. Aus der Mappe eines Sexualforschers“ von 1927. Hier mit wichtigen Infos über die Zensur homosexueller Filmszenen. Von diesem Kinofilm sind nur noch Fragmente erhalten. Der Film steht im Kontext des Verbots von “Anders als die Andern“, 1919. Manfred Herzer zitiert aus diesem Artikel in seinem Buch „Magnus Hirschfeld“ von 2001 in der Fußnote 85) !!

Vorwärts. 13.12.1927. „Sexuelle Probleme im Film“. Im Institut für Sexualwissenschaft werden vor geladenen Gästen zwei Filme gezeigt: „Das Gesetz der Liebe“ und „Die Homosexualität“ (Der erste Film behandelt Pflanzen und Tiere, ist aber vermutlich trotzdem identisch mit dem den Film „Gesetze der Liebe. Aus der Mappe eines Sexualforschers“ von 1927. Mit dem Sexualforscher ist Magnus Hirschfeld gemeint. Der zweite Film ist der Film „Anders als die Andern“ von 1919, der kurz nach seinem Erscheinen für die allgemeine Bevölkerung verboten wurde. In „Westfälische Allgemeine Volkszeitung“ vom 20.12.1927 wurde der Artikel nachgedruckt).

Vorwärts. 25.12.1927. Lesben und homosexuelle Herren. Erwähnung im Rahmen von Bardamen (Szene).

Vorwärts. 30.12.1927. Kurzmeldung: Ein Amtsgericht hat zwei Bücher von Max Hodann, dem Leiter der Sexualberatungsstelle im Institut für Sexualwissenschaft, beschlagnahmt (Magnus Hirschfeld).

 

1928

Vorwärts. 08.01.1928. Vortrag von Magnus Hirschfeld am 12.01.1928 über die „Geschichte der Sexualwissenschaft“ (Freidenker-Volkshochschule).

Vorwärts. 15.01.1928. Vortrag von Magnus Hirschfeld am 17.01.1928 im Institut für Sexualwissenschaft.

Vorwärts. 28.01.1928. Mordprozess Paul Krantz (Magnus Hirschfeld als Gutachter. Erster Artikel von mehreren über einen Skandal, der vor allem als „Steglitzer Schülertragödie“ bekannt ist und schon mehrfach verfilmt wurde– siehe Wiki. S.a. Rainer Herrn: „Der Liebe und dem Leid“. 2022. S. 359-363).

Vorwärts. 04.02.1928. Im Kontext einer Theaterrezension von Marcel Fradelin über Eunuchen: Andeutung auf ein vorher erfolgreiches Drama mit lesbischer Thematik (Der Name des Dramas wird nicht genannt. Lesben; Theater).

Vorwärts. 08.02.1928. Mordprozess Paul Krantz (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 09.02.1928. Mordprozess Paul Krantz. Die Freundschaft zwischen Hans Stephan und Günther Scheller entbehrte nicht eines „homosexuellen Einschlages“. Günther Scheller war mit einem Homosexuellen in Paris.  („Steglitzer Schülertragödie“, Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 10.02.1928. Im „Institut für Sexualwissenschaft“ gibt es ab dem 10.02.1928 an fünf Abenden Kurse für das menschliche Geschlechtsleben. Es gibt Vorträge u.a. von Magnus Hirschfeld. (Vortrag).

Vorwärts. 15.02.1928. Mordprozess gegen Paul Krantz. Gerichtsprotokolle mit einer Frage von Magnus Hirschfeld.

Vorwärts. 15.02.1928. Mordprozess gegen Paul Krantz. Mit einer Zeichnung u.a. von Magnus Hirschfeld aus dem Gerichtssaal.

Vorwärts. 17.02.1928. Mordprozess gegen Paul Krantz. Nach Magnus Hirschfeld u.a. soll die Verteidigung von Dr. Frey wieder aufgenommen werden.

Vorwärts. 19.02.1928. Mordprozess gegen Paul Krantz. Ausführlich über Hirschfeld als Gutachter. Der 18-Jährige gleicht einem 15-Jährigen und ist „erblich erblich belastet“.

Vorwärts. 23.02.1928. Der Autor van der Velde versuchte einen Vortrag über die „Erotisierung der Ehe als Rettung aus der Ehenot“ frei zu halten, konnte mit seiner Stimme aber den Saal nicht füllen. Ein Skandal drohte. Als „Retter in der Not“ kam Magnus Hirschfeld und las von seinem Manuskript ab. (Es geht offenbar um Theodoor Hendrik van de Velde).

Vorwärts. 24.02.1928. Anzeige für den Film: „Gesetze der Liebe“ (ohne Hinweis auf Magnus Hirschfeld, aber mit dem Hinweis „mit Vortrag eines Arztes“)

Vorwärts. 27.02.1928. „Nacktkulturmatinee in der Piscator-Bühne“. Unter den anwesenden Ärzten war auch Magnus Hirschfeld (FKK. Lebensreform, Nacktturnen, Adolf Koch).

Vorwärts. 01.03.1928. Geschichte der Todesstrafe. Erwähnung, dass Opfer der „widernatürlichen Unzucht“ verbrannt, andere Opfer gehängt wurden (Geschichte, 16. Jahrhundert).

Vorwärts. 17.03.1928. Die „Weltliga für Sexualreform“ wurde u.a. von den „drei Senioren der Sexualwissenschaft“ August Forel, Havelock Ellis und Magnus Hirschfeld gegründet. Zwei von zehn Punkten sind „die richtige Beurteilung sexualer Triebabweichungen“ und das Sexualstrafrecht. Es wird einen Kongress im Juni 1928 in Kopenhagen geben. Die Geschäftsstelle ist die Adresse vom Institut für Sexualwissenschaft. (Das ist der erste von sieben Artikeln zur Weltliga. S.a. Wikipedia über die Weltliga, wonach sie – abweichend zur Angabe im „Vorwärts“ – am 3. Juli 1928 gegründet wurde und bis 1935 bestand. S.a. Rainer Herrn: „Der Liebe und dem Leid“. 2022. S. 348–350, 409–412).

Vorwärts. 23.03.1928. Dante verkehrte in homosexuellen Kreisen. Trotzdem war Frau Puschkin in ihn verliebt. (Dante Alighieri).

Vorwärts. 26.03.1928. „Die Geschlechtsnot der Jugend“. Vortrag von Magnus Hirschfeld im Bach-Saal über die Lehren aus der Steglitzer Schülertragödie.

Vorwärts. 11.04.1928. Der tote Hausdiener Karl Kotlewski „ist in homosexuellen Kreisen verkehrt“. Es wurden keine Verbindungen zum Fall Schnäpel gesehen (Der erste von insgesamt zwei Treffern. Mit Ausnahme des zweiten Treffers liegen zu Kotlewski keine weiteren Angaben vor).

Vorwärts. 27.04.1928. Renaissance-Theater: Ferdinand Bruckner: „Krankheit der Jugend“ mit Szenen, in denen sich die weiblichen Heldinnen begehren (Lesben).

Vorwärts. 10.05.1928. In dem Text von Kalloddrichkeit „Existologien“ geht es im unklaren Kontext um Bardamen, die auch mit einer „kecken lesbischen Rübe“ sprechen und um Magnus Hirschfeld im Rahmen einer Aufzählung von Prominenten (Lesben).

Vorwärts 10.05.1928. In Wien wurden 13 Personen wegen „widernatürlicher Unzucht“ verurteilt, u.a. der 64-jährige Mathias Maudhner, der sich mit 17 jungen Männern eingelassen hatte (Österreich).

Vorwärts. 14.05.1928. Eine Würdigung zu Magnus Hirschfelds 60. Geburtstag. Auch Hinweis auf das von ihm gegründete Institut für Sexualwissenschaft (!!).

Vorwärts. 27.05.1928. Hausdiener Karl Kotlewski ist doch „nicht in homosexuellen Kreisen verkehrt“. Offenbar Freitod. Die Ermittlungen wurden abgeschlossen.

Vorwärts. 12.06.1928. Werbeanzeige für verschiedene Romane von Hanns Heinz Ewers (Literatur).

Vorwärts. 13.06.1928. Im Prozess gegen den Mädchenmörder Oppenkowski tritt der Gutachter Abraham an Stelle des verhinderten Magnus Hirschfeld. (Erster Beitrag zu Felix Abraham. S a. Rainer Herrn: „Der Liebe und dem Leid“, 2022, mit einem Foto von Abraham auf S. 416).

Vorwärts. 29.06.1928. Herr Wiechmann hat gemeinsam mit seiner Frau seine drei Kinder getötet. Magnus Hirschfeld ist einer der Gutachter.

Vorwärts. 29.06.1928. Zweiter internationaler Kongress für Sexualreform in Kopenhagen. Der erste Kongress war 1920 in Berlin. Aus Deutschland sind Magnus Hirschfeld und Helene Stöcker dabei.

Vorwärts. 02.08.1928. „Sommernacht im Tiergarten“ mit einem Absatz über Homosexuelle (Szene, Cruising).

Vorwärts. 05.09.1928. „Sozialistische Freikörperkultur“ und Adolph Koch. Magnus Hirschfeld gehört zu den Personen, die die Nacktgymnastikschulen fördern (FKK, Jugendbewegung).

Vorwärts. 01.10.1928. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Die Kameradschaftsehe als Lösung des sexuellen Problems“ am 04.10.1928 (s. a. 03.10.1928).

Vorwärts. 02.10.1928. Der Touristenverein „Die Naturfreunde“ besuchen das Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 03.10.1928. Der Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Die Kameradschaftsehe als Lösung des sexuellen Problems“ findet nicht am 04.10.1928, sondern am 05.10.1928 statt.

Vorwärts. 16.10.1928. „Der Mord an dem Primaner Daube“. Der 19-jährige Abiturient Hellmuth Daube wurde ermordet. Im anschließenden Prozess spielte die Homosexualität des 20-jährigen Hußmann (Fritz Husmann) eine entscheidende Rolle. (Hier mit einem Foto vom Tatort. Erster von mehreren Artikeln über den Mordfall. Das Opfer war mit entfernten Genitalien gefunden worden. Unter Verdacht geriet Fritz Husmann, der beste Freund des Ermordeten. Der Prozess gegen Husmann fand in Essen statt und war auch als „Gladbecker Primaner-Mordprozess“ bekannt. Aufgrund mangelnder Beweise wurde Husmann freigesprochen. Der Mord blieb auch später unaufgeklärt. Zu den Morden Kurt Schöning, Helmut Daube, Gerhard Schnäpel und Kurt Lehrke s.a. die Rezension von Jens Dobler von „Zeuge Waldeck. Das erfundene Leben des Rolf vom Busch“ Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft. Nr. 65/66. Dezember 2020. S.a. Rainer Herrn: „Der Liebe und dem Leid“. 2022. S. 351–356: Bei Hußmann fand man ein Buch von Hirschfeld. Hirschfeld war nicht Gutachter in diesem Fall, hatte jedoch zu dem Fall auch publiziert und dabei den Prozessverlauf und damit auch die Gutachter massiv kritisiert).

Vorwärts. 16.10.1928. Vortrag von Hans Blüher über „Der Eros in der Philosophie“.

Vorwärts. 24.10.1928. Gerichtsverfahren gegen Fritz Husmann im Mordfall Helmut Daube. Der mutmaßliche Mörder Ostendorf als homosexuell bekannt. Hat sich selbst getötet und vorher den homosexuellen Schuldiener belastet. Bei Daube gab es den „Verdacht auf annormale Neigungen“.

Vorwärts. 25.10.1928. Gerichtsverfahren gegen Fritz Husmann im Mordfall Helmut Daube. Zu den Zeugenaussagen über „bestimmte Neigungen“.

Vorwärts. 26.10.1928. Gerichtsverfahren gegen Fritz Husmann im Mordfall Helmut Daube. Der zehnte Verhandlungstag. Die Presse ist ausgeschlossen.

Vorwärts. 27.10.1928. Gerichtsverfahren gegen Fritz Husmann im Mordfall Helmut Daube. Mit einer Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite. Das Urteil ist am Mittwoch, dem 31.10.1928 zu erwarten.

Vorwärts. 28.10.1928. Gerichtsverfahren gegen Fritz Husmann im Mordfall Helmut Daube. Über Homosexualität gibt es widersprechende Aussagen und „starke Verdachtsmomente“.

Vorwärts. 31.10.1928. Gerichtsverfahren gegen Fritz Husmann im Mordfall Helmut Daube. Freispruch von Husmann und die Frage, ob er homosexuell ist.

Vorwärts. 21.11.1928. Gerichtsverhandlung mit Magnus Hirschfeld als Nebenkläger. Ein Journalist hatte in „Deutsche Tageszeitung“ ein Dante-Zitat von Hirschfeld aus dem Kontext gerissen und wurde wegen Verleumdung angeklagt. Seit dem Bericht hatte Hirschfeld „unflätige Zuschriften“ mit Drohungen zu tätlichen Angriffen erhalten.

Vorwärts. 04.12.1928. „Die Sexualnot im Strafvollzug“ und Homosexualität (Gefängnis).

Vorwärts. 04.12.1928. „Was weiß die Mutter von ihrem Kind?“ auch über homoerotische Schwärmereien in der Schule.

Vorwärts. 13.12.1928. Der Lehrer Dröge aus Hessen ermordet mit Hilfe seiner Frau seine beiden Kinder. Magnus Hirschfeld ist Gutachter im Prozess.

Vorwärts. 21.12.1928. Erwähnung von Homosexuellen als international Verbündete.

Vorwärts. 22.12.1928. Erwähnung, dass es in Berliner Theatern von Lustmord über Abtreibung bis zur „homosexuellen Verführung“ geht (Es werden keine Beispiele genannt).

Vorwärts. 27.12.1928. Erwähnung, dass bei dem, was einen Menschen ausmacht, nicht nur um Wohnort und Nationalität sondern auch darum geht, ob er „hetero- oder homosexuell“ ist.

Vorwärts. 30.12.1928. Der Verein für Mutterschutz und das Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld waren die ersten, die sich mit den Fragen der Geburtenregelung beschäftigten.

 

1929

Vorwärts. 10.01.1929. Gerichtsverhandlung über Einbruch und Bilderraub. Lippmann hat Zahn angestiftet, einen Teppich zu stehlen. Fortsetzung auf der nächsten Seite: Lippman stammt aus einer jüdischen Familie, bei der sich aber auch „Dekadenz zeige, besonders hinsichtlich der Homosexualität und des Selbstmordes“.

Vorwärts. 10.01.1929. Erwähnung von Sexualstrafrecht, der Gesellschaft für Sexualreform und der Situation in Russland.

Vorwärts. 11.01.1929. Erwähnung. Ein Mailänder Wochenblatt äußert sich über das deutsche Volk der Homosexuellen hier und einige Zeilen tiefer in einem unklaren Kontext (Italien).

Vorwärts. 20.01.1929. Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Sexualerziehung“ vor Jungsozialisten im Institut für Sexualwissenschaften am Montag, dem 21.01.1929.

Vorwärts. 28.01.1929. Abgedruckter Roman: Nathan Asch „Als die Firma verkrachte“ mit dem Satz. „Es war wie mit der Homosexualität: sie ist an und für sich nichts Schlechtes, aber sie ekelt ihn“ (Literatur).

Vorwärts. 24.02.1929. Werbeanzeige: „Die Aufklärung. Monatsschrift für Sexual- und Lebensreform“. Hrsg. von Magnus Hirschfeld und Maria Krische. (Zu dieser Zeitschrift s.a. Rainer Herrn: „Der Liebe und dem Leid“. 2022. S. 406–408).

Vorwärts. 17.04.1929. Ein Jugendvortrag am 18.04.1929 über „Die sexuelle Frage in der Jugend“ im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 27.04.1929. Erwähnung. Wien als „Stadt der Homosexuellen“. Als Beleidigung im Fußball (Italien, Österreich).

Vorwärts. 30.04.1929. Ein Jugendvortrag am 18.04.1929 im Institut für Sexualwissenschaft über die sexuelle Frage in der Jugend (N. N., Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 04.05.1929. Rezension des Kinofilms „Vererbte Triebe“(Weitere 13 spätere Treffer zu diesem Film beziehen sich nur auf Kinowerbung. In dem Film geht es nicht um Homosexualität. Nach Rainer Herrn: „Der Liebe und dem Leid“. 2022. S. 181, 545–546 war Magnus Hirschfeld bzw. sein Institut bei diesem Film wissenschaftlicher Berater)

Vorwärts. 07.05.1929. Vor dem eigentlichen Artikel weist die Redaktion darauf hin, dass sie eine „Abänderung“ des § 175 möchte. Danach großer Artikel von Wilhelm Kauffmann: „Moral und Homosexualität“!! Dabei geht es um die Petition zur Abschaffung des § 175, die u. a. von Magnus Hirschfeld, Rudolf Virchow und Richard von Krafft-Ebing unterstützt wird. Zitat aus Hirschfelds „Geschlechtskunde“ (Über Kaufmann bzw. Kauffmann schreibt die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, dass er wegen einer homosexuellen Beziehung 1929 aus dem Staatsdienst entlassen wurde und später im Institut für Sexualwissenschaft arbeitete. Zur Entlassung sind keine Artikel bekannt. Für das Institut für Sexualwissenschaften nahm er an den Kongressen die Weltliga für Sexualreform 1930 und 1932 teil. Siehe auch 26.09.1930).

Vorwärts. 15.05.1929. Plenarprotokolle aus dem Reichstag über die Branntweinsteuer. Dabei wurde auch der Vorwurf einer inhaltlichen Nähe zu Magnus Hirschfeld geäußert. Erwiderung: Dies ist „bisher nicht fühlbar geworden. (Heiterkeit.)“ (Politik).

Vorwärts. 28.05.1929. Vor Gericht wegen Unzucht: Bruno Vogel: „Es lebe der Krieg“ (Literatur. Der Autor wurde freigesprochen. Das Werk durfte danach jedoch nur noch in zensierter Form erscheinen).

Vorwärts. 28.05.1929. Ein SPD-Parteitag hat mehr zu bedeuten als Soldatentage der „ehemaligen 175er in Hinterpommern“ (Damit ist nicht der § 175 RStGB, sondern nur Treffen von Veteranen des Infanterie-Regiments 175 gemeint, das eng mit der Region Pommern verbunden war).

Vorwärts. 04.06.1929. „Sexualangriffe auf Kinder“ und wie Männer vorgehen, die eine „homosexuelle Befriedigung“ suchen (Pädo).

Vorwärts. 08.06.1929. Schund- und Schmutzgesetz. Erwähnung, dass die ein oder andere homosexuelle „Winkelzeitschrift“ verboten wurde, „die ohnehin von allen normal veranlagten Menschen abgelehnt wird (Zensur).

Vorwärts. 12.07.1929. Anzeige für den Film: „Gesetze der Liebe“ (ohne Hinweis auf Magnus Hirschfeld)

Vorwärts. 15.07.1929. Lust – und Raubmord. In Dresden fand man die nackte männliche Leiche von Erich Kurt Zellmer (*1911). Sein Geschlechtsteil war abgetrennt. Herbert Becker aus Stettin wird als Täter vor Gericht gestellt. Er hatte Freundschaft mit dem Opfer geschlossen und ist „homosexuell eingestellt“. (KI hat mich auf die „Innsbrucker Nachrichten“ vom 19.07.1929. S. 3 aufmerksam gemacht, wo das Alter des 18-jährigen Erich Kurt Zellmer und des 28-jährigen Herbert Becker ergänzt werden und Parallelen zu dem Lustmord an Helmut Daube gesehen werden. Zu Daube s. oben „Vorwärts“ vom 16.10.1928).

Vorwärts. 17.07.1929. Dritter Kongress der „Weltliga für Sexualreform“ vom 8.-13.9.1929 in London. Magnus Hirschfeld wird über Sexualwissenschaft referieren.

Vorwärts. 19.07.1929. Kleine Anfrage der Wirtschaftspartei. Magnus Hirschfeld soll vor Schülern des Berliner Werner-Siemens-Gymnasiums einen Vortrag über seine Theorien gehalten haben, der jedoch nie stattgefunden hat (Politik).

Vorwärts. 19.07.1929. „Kommunistische Liebe“. Über KPD. Bei einer Arbeitnehmerin wurde nach einem Kündigungsgrund gesucht und gefunden: „Die Heimleiterin frönte der lesbischen Liebe“, was allerdings nicht stimmte (Politik; Lesben).

Vorwärts. 10.09.1929. Dritter Kongress der „Weltliga für Sexualreform“ in London. Fortsetzung auf der nächsten Seite mit dem Hinweis: „Das Präsidium der Weltliga besteht aus August Forel, Havelock Ellis und Magnus Hirschfeld.

Vorwärts. 11.09.1929. Dritter Kongress der „Weltliga für Sexualreform“ in London unter dem Vorsitz von Magnus Hirschfeld.

Vorwärts. 24.09.1929. Erwähnung von homosexuellen Lokalen in Berlin (ohne Namen) im Kontext von Prostitution.

Vorwärts. 24.09.1929. Vortrag von Magnus Hirschfeld über das Sexualstrafrecht (§ 218, Abtreibung, Homosexualität).

Vorwärts. 06.10.1929. „Sexualnot und Sexualhilfe“. Eine Kundgebung von Schulreformern. Magnus Hirschfeld war einer von zwölf RednerInnen. (Vortrag).

Vorwärts. 10.10.1929. Magnus Hirschfeld und die Weltliga für Sexualreform und Strafrecht.

Vorwärts. 16.10.1929. „Widernatürliche Unzucht. Beratung im Strafgesetzausschuss“. (Trotz des mehrdeutigen Begriffs geht es nicht um Homosexualität, sondern um Sex mit Tieren).

Vorwärts. 17.10.1929. „Homosexualität keine Straftat“. Verhandlungen im Strafgesetzausschuss!! (§175).

Vorwärts. 31.10.1929. Artikel „Jugend auf der Landstraße“. Fortsetzung auf der nächsten Seite, wo es auch über homosexuelle und andere krankhafte bzw. sozial bedenkliche Existenzen geht.

Vorwärts. 02.11.1929. Aufführung am Deutschen Theater: Alfred H. Unger: „Menschen wie Du und ich“. Es fehlt nicht das „Luxusweibchen“, dass ein „reine Mädchenblüte lesbisch verführen will“ (Lesben).

Vorwärts. 03.11.1929. Werbeanzeige: Vortrag von Magnus Hirschfeld am 04.11.1929 über „Anziehungsgesetze der Liebe“.

Vorwärts. 10.11.1929. Gerdland: „Garagen der Leidenschaft“. Beschreibung des Nachtlebens mit homosexuellen Pärchen und Barmädchen, die „auf lesbisch zurechtgemacht“ sind. (Der Autor, dessen Vorname nicht recherchierbar ist, hat sich in drei belletristischen Beiträgen mit Homosexualität beschäftigt. S. a. 04.07.1930 und 26.10.1930)

Vorwärts. 20.11.1929. Frauenveranstaltung: Führung durch das „Institut von Dr. Magnus Hirschfeld“ (Institut für Sexualwissenschaft).

Vorwärts. 22.11.1929. Karten für „Nacktheit und Erziehung“. Vorträge u. a. von Magnus Hirschfeld (Tagung des Adolf Koch Bundes vom 23.-25.11.1929).

Vorwärts. 23.11.1929. Karten für „Nacktheit und Erziehung“. Vorträge u. a. von Magnus Hirschfeld (Tagung des Adolf Koch Bundes vom 23.-25.11.1929).

Vorwärts. 27.11.1929. „Nacktheit und Erziehung. Die Tagung des Adolf-Koch Bundes“. Am zweiten Abend ein Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Warum Nacktheit?“.

Vorwärts. 05.12.1929. Werbeanzeige für „Titus-Perlen“ (Erste Werbeanzeige. Über die Titus-Perlen als „Präparate gegen Impotenz“ s. a. Rainer Herrn: „Der Liebe und dem Leid“. 2022. S. 366–376, insb. S. 370–371. Magnus Hirschfeld und Bernhard Schapiro vom Institut für Sexualwissenschaft waren – wie auch beim Medikament Testifortan – am Gewinn beteiligt. Werbeanzeigen anderer Präparate bzw. Medikamente vom Institut wurden im „Vorwärts“ nicht gefunden. In dem Buch von Hirschfeld/Linsert: „Liebesmittel“ von 1929, S. 232–238 wird auf Testifortan, aber nicht auf die Titus-Perlen eingegangen. Im Buch ist zwischen S. 16/17 die Zeichnung aus dem „Vorwärts“ in Farbe abgedruckt).

Vorwärts. 19.12.1929. Rezension des Buches „Sexualerziehung. Der Weg durch Natürlichkeit zur neuen Moral“ von Magnus Hirschfeld und Ewald Bohm.

Vorwärts. 20.12.1929. Rene Crevel schreibt in seinem Buch „Etes-vous fous?“ „einige Kapitel voll Temperament und beißendem Spott“ über die Männer im Institut für Sexualwissenschaften. Außerdem: Der Russe Ivan Goll hat ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Sodome et Berlin“. (Magnus Hirschfeld. Das Buch von Rene Crevel ist unter dem Titel „Seid ihr verrückt?“ 1991 auch in deutscher Übersetzung erschienen. Nach KI wird dort das „Sexualinstitut“ von Optimus Dr. Cerf-Mayer, d.i. Hirschfeld, als Ort der Behandlung insbesondere von Transsexuellen dargestellt. S. a. Rainer Herrn in „Der Liebe und dem Leid“, 2022. S. 226, 556).

Vorwärts. 28.12.1929. Ein Kleptomane stand vor Gericht. Magnus Hirschfeld stand ihm „zur Seite“ und er wurde freigesprochen.

Vorwärts. 28.12.1929. Das Wissenschaftlich humanitäre Komitee (WhK) hat einen neuen Vorsitzenden. Nach 32 Jahren trat Magnus Hirschfeld von der Leitung zurück. Otto Juliusburger wurde sein Nachfolger. Zum Vorstand gehören nun u. a. Fritz Fiato, Friedrich Hauptstein, Heinrich Stabel.

 

1930:

Vorwärts. 07.01.1930. Am 08.01.1930 beteiligten sich Kartellvereine an einem Besuch des Archivs vom Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld. Anschließender Vortrag über „Sexualität“.

Vorwärts. 18.01.1930. Ausführlich über „Das Recht auf Liebe“ im Rox-Palast. Weite Kreise protestieren mit Blick auf Magnus Hirschfeld „gegen den Missbrauch seines Namens für diesen Film“ (In der IMDB wird Hirschfeld als Autor des Films genannt).

Vorwärts. 26.01.1930. Sexualwissenschaftliche Fragestunde in der Sophienschule, eingerichtet von Max Hodann und Richard Linsert. Prospekte gibt es über das WHK. (Fragestunden bzw. Frageabende wurden meistens im Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld angeboten).

Vorwärts. 31.01.1930. Zwei öffentliche Frageabende im Institut für Sexualwissenschaft am 03.02.1930 und 17.02.1930 mit Magnus Hirschfeld.

Vorwärts. 10.02.1930. Mörder. Vier Lustmorde an Düsseldorfer Wanderburschen von 1921-1929. Er ist nicht geisteskrank – „abgesehen von seinen homosexuellen und sadistischen Neigungen“ (Der Name des Täters wird nicht genannt. KI verweist auf einen Erich Karl Tetzner, geb. 1905, der u.a. wegen einem Mord am 27. November 1929 zum Tode verurteilt wurde und zu dem eine Strafakte existiert).

Vorwärts. 11.02.1930. Dem Bauwächter Richard Schulz wird vorgeworfen, seiner Tochter missbraucht und ein Mädchen ermordet zu haben. Magnus Hirschfeld wird als Gutachter geladen (erster von zwei Artikel).

Vorwärts. 14.02.1930. Werbeanzeige: Palast-Theater: „Recht auf Liebe (Dr. Magnus Hirschfeld) Es tut sich was in Hollywood“ (Film)

Vorwärts. 19.02.1930. Zur geplanten Aufhebung des § 175 nehmen Mediziner Stellung. Deutsche Medizinische Wochenschrift. Wilhelm Kahl war dafür, nur drei dagegen.

Vorwärts. 26.02.1930. Kurt Rudolf Neubert schreibt in „Seltsamer Reigen“, dass neben Ehebrechern und Alkoholikern auch „die Homosexuellen und die Lesbischen“ Teil eines seltsamen Reigens von Menschen sind (Lesben; Literatur; Letzter Teil eines belletristischen Beitrages).

Vorwärts. 28.02.1930. Zwei öffentliche Frageabende im Institut für Sexualwissenschaft am 03.03.1930 und 17.03.1930 mit Magnus Hirschfeld und Felix Abraham.

Vorwärts. 04.03.1930. Großer Artikel „Ein Kämpfer für § 175“. Joseph Mayer in „Deutsches Ärzteblatt“: Biologische und sozialethische Erwägungen zum § 175“. Mit zwei Ausnahmen – Lochte und Meyer - sind alle für die Legalisierung homosexueller Handlungen!!

Vorwärts. 05.03.1930. „Düsseldorfer Mörderbrief? Ein Gutachten Magnus Hirschfelds“. Ausführlich über sein Gutachten über den Mörder, der die kleine Halbermann ermordete. (Evt. ist damit eine Tat gemeint, die dem Serienmörder Peter Kürten zugeschrieben wurde)

Vorwärts. 08.03.1930. Im Institut für Sexualwissenschaft werden im März und April 1930 sexualwissenschaftliche Lehrkurse angeboten. Jeder Kurs umfasst sechs Abende (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 09.03.1930. Werbeanzeige: Titus-Perlen (Magnus Hirschfeld, Institut für Sexualwissenschaft)

Vorwärts. 13.03.1930. Dem Bauwächter Richard Schulz wird vorgeworfen, seiner Tochter missbraucht und ein Mädchen ermordet zu haben. Magnus Hirschfeld ist bei der Verhandlung anwesend (Gutachter)

Vorwärts. 21.03.1930. Über Zwangserziehung und Fürsorge. 60 % der Insassen betätigen sich homosexuell (Heim, Gefängnis).

Vorwärts. 05.04.1930. Sexualwissenschaftliche Fragestunde am 07.04.1930 unter der Leitung von Dr. Abraham im Institut für Sexualwissenschaft. (Felix Abraham, Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 06.04.1930. Werbeanzeige: Titus-Perlen (Magnus Hirschfeld, Institut für Sexualwissenschaft).

Vorwärts. 01.05.1930. Andre Gide: „Stirb und Werde“ (Autobiographie, Literatur).

Vorwärts. 04.05.1930. Werbeanzeige: Titus-Perlen (Magnus Hirschfeld, Institut für Sexualwissenschaft).

Vorwärts. 05.05.1930. Treffen und Theateraufführung zum § 218. Hinweis auf Magnus Hirschfeld, der sich auch mit dem Thema beschäftigte.

Vorwärts. 07.05.1930. Heutiger Vortrag von Magnus Hirschfeld über „Sexualreform auf sexualwissenschaftlicher Grundlage“ im Institut für Sexualwissenschaft.

Vorwärts. 08.05.1930. Ein Mädchengymnasium in Berlin. Ein 15-jähriges Mädchen fragt, „wie sich der gleichgeschlechtliche Verkehr von Weib zu Weib vollziehe“, bekommt keine Antwort und beschwert sich daraufhin (Lesben).

Vorwärts. 11.05.1930. „Streifzug durch Venedig“: Es gibt zwei Arten der Liebe. Über Pausanius im Symposium und die Heilige Schar von Theben. „Knabenliebe“ (Antike, Italien).

Vorwärts. 20.05.1930. Der Fall Artur Frenzel. Magnus Hirschfeld als Gutachter. (Erster von mehreren Artikeln. Es geht nicht um Homosexualität, sondern um Inzest des Vaters mit seiner Tochter).

Vorwärts. 24.05.1930. Der Fall Artur Frenzel. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 25.05.1930. Der Fall Artur Frenzel. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 28.05.1930. Artur Frenzel verurteilt. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 29.05.1930. Artur Frenzel verurteilt. Magnus Hirschfeld als Gutachter.

Vorwärts. 31.05.1930. „Magnus Hirschfeld darf nicht nach Polen“. Er wollte in Krakau einen Vortrag über Sexualprobleme halten, die Einreise wurde ihm jedoch verweigert.

Vorwärts. 10.06.1930. Das Kino Filmeck zeigt den Film „Cyankali (§ 218)“ mit einem Vortrag in Kooperation oder sogar im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 13.06.1930. Das Kino Filmeck zeigt den Film „Cyankali (§ 218)“ mit einem Vortrag in Kooperation oder sogar im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 18.06.1930. Hans Hyan: „Phantastische Lügner“. Mit einem Absatz über den homosexuellen Serienmörder Fritz Haarmann.

Vorwärts. 21.06.1930. Magnus Hirschfeld als Gutachter im Fall Gutmann.

Vorwärts. 01.07.1930. Rezension von Alex Scouffi (=Alec Scouffi): „Hotel zum Goldfisch“ über männliche Prostitution und seine psychologische Deutung von Homosexualität (Roman, Literatur. Der Roman erschien 2019 als Reprint bei Männerschwarm).

Vorwärts. 04.07.1930. Aus dem Beitrag Gerdland: „Wirrer Gang durch die Nacht“ mit dem Zitat „Sie denkt: ein Mann? ein Transvestit? ein Damenimitator? Was will denn der von mir?“ (Belletristik).

Vorwärts. 08.07.1930. Schlägerei. „Homosexuelle gegen Schupo“ in Rauchfangswerder bei Schmöckwitz. Mitglieder vom „Bund für Menschenrecht“ wehren sich (Polizei, Szene. S. a. „Sozialdemokrat“ vom 30.06.1927. Der Text im „Vorwärts“ behandelt den homosexuellen „Bund für Menschenrecht“, der 1923 gegründet wurde. S. Artikel von Jens Dobler. Vorsitzender des BfM war der Homosexuellenaktivist Friedrich Radszuweit, siehe Wiki, über den ich im „Vorwärts“ keine Meldungen gefunden habe). !!

Vorwärts. 11.07.1930. Kritik des „Vorwärts“ an einem deutschnationalen Agitationstheater. Erwähnung: Zum Vorstand gehört auch der durch „die Verleumdung des Prof. Magnus Hirschfeld rühmlichst bekannt gewordene Steglitzer Studienrat Finke“.

Vorwärts. 12.07.1930. Berufungsverhandlung gegen Artur Frenzel ab dem 25.8.1930 mit Magnus Hirschfeld als Gutachter in diesem „Blutschandeprozeß“ (Die Berufung bezieht sich auf die vorherige Verurteilung im Mai 1930 – s.o. 29.05.1930).

Vorwärts. 20.07.1930. Der 19-jährige Willi Perlewitz, auch „Modell-Willi“ genannt, wurde wegen Diebstahls verurteilt. „Trieb sich in Berlin in homosexuellen Lokalen herum“ (Kriminalisierung).

Vorwärts. 22.07.1930. Willi B. steht wegen Raubes vor Gericht. Er hatte kein Glück im Leben, dazu kommt ein „unstetes Leben in homosexuellen Lokalen“ (Kriminalisierung)

Vorwärts. 01.08.1930. „Erbe des Wahnsinns!“. Erwähnung von Onanie und Homosexualität im Kontext von Krankheit (Medizin).

Vorwärts. 09.08.1930. Richard R. ermordete seine Ehefrau. Magnus Hirschfeld als Gutachter, der auf seine Erfahrungen am Institut für Sexualwissenschaft verwies.

Vorwärts. 18.08.1930. Beverley Nichols: „USA“. Buchrezension. In Haarlem prostituieren sich Weiße gegenüber Schwarzen (Prostitution, Amerika).

Vorwärts. 30.08.1930. Den nächsten sexualwissenschaftlichen Frageabend wird Magnus Hirschfeld am 01.09.1930 im Institut für Sexualwissenschaft leiten.

Vorwärts. 07.09.1930. Im September 1930 keine Führungen durch das Institut für Sexualwissenschaft, weil fast alle Exponate auf dem 4. Kongress zur Sexualreform in Wien gezeigt werden (Magnus Hirschfeld, Österreich).

Vorwärts. 25.09.1930. Der 28-jährige Robert Palmer stand vor Gericht, weil er seinen dreijährigen Sohn erschossen haben soll. Es wurde beantragt, als Gutachter Magnus Hirschfeld zu laden. (Bei der Tat gibt es keinen homosexuellen Zusammenhang. Ob Hirschfeld als Gutachter auftrat, konnte nicht recherchiert werden. Näheres zum Täter und der Tat ist im Artikel vom 03.01.1930 nachzulesen).

Vorwärts. 26.09.1930. Der in Wien tagende Kongress für Sexualreform wählte u.a. Magnus Hirschfeld zum Präsidenten (Österreich).

Vorwärts. 26.09.1930. Tagung der „Weltliga für Sexualreform“ in Wien. Magnus Hirschfeld hält als Präsident die Begrüßungsrede. Mit dabei auch von Wilhelm Kaufmann (Wilhelm Kauffmann) vom Institut für Sexualwissenschaften (Österreich. Vortrag).

Vorwärts. 30.09.1930. Kundgebung am 2.10.1930 gegen den § 218 (Abtreibung) mit dem Redner Magnus Hirschfeld (Vortrag).

Vorwärts. 04.10.1930. Der nächste sexualwissenschaftliche Frageabend findet statt am 06.10.1930 im Institut für Sexualwissenschaft unter der Leitung von Dr. F. Abraham (Felix Abraham, Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 06.10.1930. „Die Hölle der ‚fidelen Burschen‘“ bzw. die Päderastie in der Bat d’Af (Paris, Frankreich, Armee. Die französische Bat d’Af, „Bataillons d'Infanterie Légère d'Afrique“, waren berüchtigte Strafbataillone der französischen Armee, die von 1832 bis 1940 bestanden)

Vorwärts. 09.10.1930. Der Verband der Hausarztvereine hat sich auch Dank Magnus Hirschfelds in 30 Jahren zu einem wichtigen Faktor in der Krankenversicherung entwickelt.

Vorwärts. 09.10.1930. Werbeanzeige. „Hormone der Titus-Perlen“ (Verjüngungshormon) nach „dem neuen Verfahren des Instituts für Sexualwissenschaft zu Berlin, Dr. Magnus-Hirschfeld-Stiftung“ (Institut für Sexualwissenschaft, Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 10.10.1930. Über die Vorstrafen von mehreren Nazis. Erwähnung der „widernatürlichen Unzucht“.

Vorwärts. 18.10.1930. Sexualwissenschaftlicher Frageabend am 20.10.1930 im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 26.10.1930. Gerdland: „Die Straße der verlorenen Hoffnungen“. Die Stricher in der Berliner Friedrichstraße und auch über die „alten Transvestiten in schlampiger Frauenkleidung, die als ‚Damendarsteller‘ in drittrangigen Homosexuellentingeltangels aufgetreten sind“ (Prostitution, Szene).

Vorwärts. 30.10.1930. Rezension von Alfred Adler „Das Problem der Homosexualität“ von 1930 über die Möglichkeiten des „Trainings“ als Medizin für Homosexuelle.

Vorwärts. 31.10.1930. In der Sitzung der Stadtverordneten beschimpft der Nazi Dr. Lippert Magnus Hirschfeld. (Politik; die Art der Beschimpfung bleibt unklar).

Vorwärts. 02.11.1930. Erwähnung: Beim Einbruch in die Reichstagsbibliothek wurde auch die „Sittengeschichte des Weltkriegs“ von Magnus Hirschfeld gestohlen.

Vorwärts. 04.11.1930. „Ruhe im Ledigenheim?“ Ernst Friedrich hat in seinem Roman „Menschen im Käfig“ auch die Sexualnot der Gefangenen thematisiert. Magnus Hirschfeld, Heinrich Mann, Erich Mühsam, Max Hodann u.a. verteidigten den Roman. Als Sachverständiger war auch Felix Abraham vom Institut für Sexualwissenschaft erschienen (Literatur. Die Suche nach Erich Mühsam führt zu 223 Treffern. In den Treffern von 1903 gibt es keinen Hinweis auf seine Schrift „Die Homosexualität“ aus diesem Jahr. Vermutlich ging es in der Rezension um den Roman „Festung Gollnow“. Nach Wiki erschien der Roman „Festung Gollnow“ 1932 in der Reihe „Menschen im Käfig“)

Vorwärts. 06.11.1930. Werbeanzeige. „Hormone der Titus-Perlen“ (Verjüngungshormon) nach „dem neuen Verfahren des Instituts für Sexualwissenschaft zu Berlin, Dr. Magnus-Hirschfeld-Stiftung“ (Institut für Sexualwissenschaft, Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 07.11.1930. Ein Dr. Lübben steht vor Gericht und ein 21-jähriger Schüler berichtet von „sexuellen Beziehungen“ zu ihm. Magnus Hirschfeld wurde nicht als Gutachter zugelassen.

Vorwärts. 12.11.1930. Werbeanzeige: Magnus Hirschfeld als Redner bei einer Massen-Kundgebung gegen den § 218 (Abtreibung) am 13. oder am 14.11.1930. (Vortrag).

Vorwärts. 15.11.1930. Magnus Hirschfeld begibt sich ab dem 15.11.1930 auf eine Forschungsreise in die USA (Amerika. Danach betrat Hirschfeld nie wieder deutschen Boden und starb im Exil).

Vorwärts. 27.11.1930. Theater: „Der Fall des Generalstabschefs Redl“ nach Egon Erwin Kisch, über Redl, der „als Homosexueller erpresst wurde“ (Österreich; Alfred Redl).

Vorwärts. 12.12.1930. Theater: „Der Fall des Generalstabschefs Redl“ nach Egon Erwin Kisch. Im Kabarett der Komiker (Österreich; Alfred Redl).

 

1931

Vorwärts. 01.01.1931. In der Neujahrsansprache vom 01.01.1931 von Adolf Hitler liest der „Vorwärts“ die „Prophezeiung (heraus), dass noch im Lauf des Jahres 1931“ mit Hilfe von Ernst Röhm eine NS-Diktatur in Deutschland errichtet werden soll (Artikel ohne direkten homosexuellen Bezug. Adolf Hitler ernannte Ernst Röhm am 5. Januar 1931 zum Stabschef der SA)

Vorwärts. 06.01.1931. Werbeanzeige. „Hormone der Titus-Perlen“ (Verjüngungshormon) nach „dem neuen Verfahren des Instituts für Sexualwissenschaft zu Berlin, Dr. Magnus-Hirschfeld-Stiftung“ (Institut für Sexualwissenschaft, Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 28.01.1931. Das Theater am Kurfürstendamm spielt von Edouard Bourdet „Das schwache Geschlecht“. In dieser Rezension geht es darum, dass Dandys und Mannskokotten das dritte Geschlecht repräsentieren (Es geht allenfalls indirekt um Homosexualität. Bourdets satirisches Drama spielt mit den Geschlechterrollen und stellt Männer als das eigentliche „schwache Geschlecht“ dar).

Vorwärts. 12.02.1931. Erwähnung von Homosexualität im Kontext von einem bürgerlichen Leben in Frankreich.

Vorwärts. 14.02.1931. Sexualwissenschaftlicher Frageabend am 16.02.1931 im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 17.02.1931. Karl Lübben wird ein Sittlichkeitsdelikt an seinem 21-jährigem Schüler vorgeworfen. Gutachter war Dr. Leppmann. (Friedrich Leppmann. S.a. 7.11.1930: Magnus Hirschfeld wurde nicht als Gutachter zugelassen).

Vorwärts. 21.02.1931. Röhm-Karikatur. „Hitlers Fallstaffgarde“ (Sie kann als Karikatur im Kontext der Ernst Röhms Homosexualität verstanden werden, auch wenn die Denunziationskampagne gegen Röhm erst später einsetzte)

Vorwärts. 28.02.1931. Filmrezension: „Der Fall des Generalstabsoberst Redl“. Der Regisseur zeigt den „von seiner erotischen Veranlagung gequälten Menschen. Mit wenigen Strichen deutet er diskret die Homosexualität Redls an“ (Alfred Redl, Wien, Österreich).

Vorwärts. 28.02.1931. Sexualwissenschaftlicher Frageabend am 02.03.1931 im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 07.03.1931. „Wie ein Junge zum Räuber wurde“. „Gleichgeschlechtliche Beziehungen führten ihn in homosexuelle Lokale“ (Kriminalisierung).

Vorwärts. 09.03.1931. Erwähnung von Päderastie als Seuche und Laster.

Vorwärts. 22.03.1931. Raubüberfälle. Der Täter „war in homosexuellen Lokalen verludert“. (Mit einem Foto; Kriminalisierung).

Vorwärts. 28.03.1931. „Wanderburschen als Freiwild“. Mit einem Absatz über Fritz Haarmann.

Vorwärts. 12.04.1931. Am 12.04.1931 eine Führung durch das Institut von Magnus Hirschfeld für alle Genossen (SPD; Institut für Sexualwissenschaft).

Vorwärts. 08.05.1931. Vor dem Schöffengericht in (Berlin-)Charlottenburg mussten sich die „Postkastenmarder“ Grabella und Sminka verantworten. Grabella bzw. Grobella geriet an einen homosexuellen Freund und wurde durch ihn kriminell. Etwa drei Mal musste er für jeweils ein Jahr in einer „Irrenabteilung“ untergebracht werden. „Hier lernte er Sminka kennen mit dem er eine intime Freundschaft schloß“ (Kriminalisierung).

Vorwärts. 16.05.1931. Sexualwissenschaftlicher Frageabend am 18.05.1931 im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld). Außerdem findet am 19.05.1931 erstmal ein sexualwissenschaftlicher Frageabend nur für Frauen statt – vom Berliner Frauenarzt Dr. Levy-Lenz.

Vorwärts. 27.05.1931. Nazi Papenbrook (Abgeordneter und Lehrer) kritisiert einen „Schülerbund marxistischer Färbung“ am Siemens-Gymnasium in Berlin, weil sich dieser gegen den § 175 wenden und für ein offenes Bekenntnis zur gleichgeschlechtlichen Liebe für alle gleichgeschlechtlich veranlagten Schüler ab 16 Jahren werben (Politik).

Vorwärts. 03.06.1931. Andeutung der „Affäre Röhm“. (Erster Artikel über Ernst Röhm, der als Chef der SA seit dem 14.04.1931 als homosexuell diskreditiert wurde. S. mein queer.de-Artikel).

Vorwärts. 12.06.1931. Sexualwissenschaftlicher Frageabend am 15.06.1931 im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 25.06.1931. Große Artikel „Enthüllungen aus dem braunen Hause“. Ernst Röhm.

Vorwärts. 26.06.1931. „Hitlers Stabschef und der § 175“. Verfahren gegen Ernst Röhm eingeleitet. Zusätzlich die Röhm-Karikatur. „Amor im braunen Hause“.

Vorwärts. 28.06.1931. Erwähnung von Homosexualität im abgedruckten Roman „12 Stühle“ (Russland; die Autoren des Romans waren Ilja Ilf, bzw. Ilja Arnoldowitsch Fainsilberg, und Jewgeni Petrow).

Vorwärts. 03.07.1931. Fürsorgeprozess. Ein homosexueller Zögling wurde Sonja gerufen.

Vorwärts. 04.07.1931. Sexualwissenschaftlicher Frageabend am 06.07.1931 im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 04.07.1931. Verhandlung von Ernst Röhm gegen Münchener Post und seine „Schwulitäten“.

Vorwärts. 15.07.1931. Theater in der Klosterstraße zeigt „Das Mädchen aus der Fürsorge“ von Heinz Eule, dessen Aufführung verrissen wird. Helen führt die Haustocher „in die lesbische Liebe ein“. In einem Beitrag vom 11.07.1931 geht es um die Erstaufführung in der Klosterstraße. In anderen Ausgaben auch um Aufführungen im Wallner-Theater am 22.08.1931, 29.08.1931, 05.09.1931 und am 12.09.1931. (Lesben. Nach KI trägt das Theaterstück „Das Mädchen aus der Fürsorge“ den Untertitel „Ein Spiel des Lebens für reife Menschen“ und wurde u.a. in der „Leipziger Volkszeitung“ am 18.07.1931. S. 16 beworben. Es wird hier als Stück beschrieben, das „sexuelle Themen in freiester Weise behandelt“. Vermutlich ist es nicht identisch mit dem Drama „Eva im Bade. Das Mädchen aus der Fürsorge“, dass im Juni 1932 aufgeführt wurde).

Vorwärts. 18.07.1931. Sexualwissenschaftlicher Frageabend am 20.07.1931 im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 09.08.1931. Ein Gedicht bzw. Liedzeile: „Deutschland wach auf und Hitlers heil / Hoch Röhm und hoch das Hinterteil“!! (Literatur; Andeutung auf Analverkehr)

Vorwärts. 30.08.1931. Beilage „Jugend-Vorwärts“: Sexuelle Affären im „Braunen Haus“ (NSDAP-Zentrale) und die Gefährdung der Jugend. (Warnung vor homosexuellen Nazis wie Ernst Röhm).

Vorwärts. 03.09.1931. Rezension von Magnus Hirschfeld: „Sittengeschichte des Weltkriegs“. Der Nachtrag zu den beiden Bänden ist im April 1931 erschienen. Dagegen wurde rechtlich vorgegangen, weil Abbildungen und Gedichte als „unzüchtig“ angesehen wurden. Verfahren gegen den Verleger wurde eingestellt. „Die Kampagne gegen Hirschfeld (ist) noch nicht beendet“

Vorwärts. 07.09.1931. Sexualwissenschaftlicher Frageabend am 07.09.1931 im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 17.09.1931. Sexualwissenschaftlicher Frageabend am 21.09.1931 im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 21.09.1931. Zweifache Erwähnung von Homosexualität im Kontext eines größeren Artikels über „Kriminelle Jugend“ (Kriminalisierung).

Vorwärts. 24.10.1931. Sexualwissenschaftlicher Frageabend am 26.10.1931 im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 03.11.1931. Der 60-jährige Hans-Heinz Ewers ist ein strammer Nazi geworden (Der Artikel erschien taggenau zu seinem 60. Geburtstag. Nach Wiki trat er am 1. November 1931 der NSDAP bei).

Vorwärts. 07.11.1931. Dr. F. Abraham hält einen Vortrag über „Frauenkrankheiten“ am 09.11.1931 im Institut für Sexualwissenschaft (Felix Abraham, Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 14.11.1931. Sexualwissenschaftlicher Frageabend am 16.11.1931 im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 28.11.1931. Ausführliche Rez. „Mädchen in Uniform“ (Lesben. Erster Beitrag über den Spielfilm. Es ist wohl richtig, dass dieser Spielfilm nach Wiki erst seit den 70er Jahren als lesbischer Film rezipiert wurde. In keinem der Beiträge im „Vorwärts“ deutet sich an, dass der lesbische Subtext erkannt wurde. Es ist aber auch richtig, dass „Mädchen in Uniform“ in der Theaterfassung „Ritter Nérestan“ hieß und in der Lesbenzeitschrift „Die Freundin“ (1931. Heft 1) lesbisch rezipiert wurde).

Vorwärts. 05.12.1931. Dr. F. Abraham hält einen Vortrag über „Kriminelle Liebe“ am 07.12.1931 im Institut für Sexualwissenschaft (Felix Abraham, Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 11.12.1931. Der Film „Mädchen in Uniform“ fand „begeisterte Aufnahme“.

Vorwärts. 31.12.1931. Sexualwissenschaftlicher Frageabend am 04.01.1932 im Institut für Sexualwissenschaft findet. (N.N., Magnus Hirschfeld).

 

1932

Vorwärts. 01.01.1932. Vier Kinos zeigen „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 01.01.1932. Sexualwissenschaftlicher Frageabend am 04.01.1932 im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 05.01.1932. Zwei Kinos zeigen „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 08.01.1932. Turmstraße zeiget „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 15.01.1932. Kant-Festspiele zeigt „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 19.01.1932. Kant-Festspiele zeigt „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 26.01.1932. Odeon zeigt „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 29.01.1932. Drei Kinos zeigen „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 30.01.1932. Frageabend am 01.02.1932 im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 02.02.1932. Tivoli und Kukuk zeigen „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 06.02.1932. Vortrag vom Archivleiter Giese über „Sexuelle Triebabweichungen“ am 08.02.1932 im Institut für Sexualwissenschaften (Magnus Hirschfeld, Karl Giese).

Vorwärts. 12.02.1932. Drama von Reck und Wiese „Jugend im Kampf“ im „Komödienhaus“. Für „die Tolerierung der Homosexualität sind schon stärkere Worte und Argumente gefunden worden“ (Theater).

Vorwärts. 12.02.1932. Zeli mit „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 16.02.1932. Drei Kinos zeigen „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 16.02.1932. Der Film „Liebe ein Naturgesetz“. Hier mit ärztlichem Vortrag von Dr. Edwards. Hier als Jugendvorstellung. (im Vorwärts finden sich 17 Werbeanzeigen zu diesem Film 15.1.-12.8.1932. Meistens wird betont, dass er für Jugendliche verboten ist. Es wird oft ein wissenschaftlicher Vortrag und ein Mal am 12.08.1932 ein wissenschaftlicher Vortrag „nach“ Hirschfeld betont)

Vorwärts. 19.02.1932. Flora-Lichtspiele mit „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 23.02.1932. Viktoria-Theater: „Mädchen in Uniform“, „größte Filmüberraschung der Saison“ (Lesben).

Vorwärts. 26.02.1932. Kinowerbung: Excelsior und Stella-Theater mit „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 28.02.1932. Vortrag von Felix Abraham am 29.02.1929 über „Entstehung und Entwicklung des Menschen“ im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 28.02.1932. Vortrag von Felix Abraham am 29.02.1929 über „Entstehung und Entwicklung des Menschen“ im Institut für Sexualwissenschaft (Andere Ausgabe. Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 06.03.1932. Erwähnung „Halb Löwe, halb Tiger“ und das dritte Geschlecht (Kein direkter homosexueller Zusammenhang; Tierreich).

Vorwärts. 07.03.1932. „Das röhmische Prinzip“ und die Päderastie und die „widernatürliche Unzucht!“ (Ernst Röhm).

Vorwärts. 08.03.1932. Zitate aus den Röhm-Briefen „Hätten Sie für junge Neger in Uniform etwas übrig?“ (Ernst Röhm, Rassismus. S. 09.03.1932).

Vorwärts 09.03.1932. Röhm-Karikatur mit dem Zitat: „Hätten Sie für junge Neger in Uniform etwas übrig?“ (Ernst Röhm, Rassismus. S. 08.03.1932).

Vorwärts. 10.03.1932. Ernst Röhm und die Echtheit der Briefe.

Vorwärts. 11.03.1932. Filmpalast Tegel mit „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 12.03.1932. Ernst Röhm: Seine Perversitäten und die Echtheit seiner Briefe.

Vorwärts. 12.03.1932. Der Stahlhelm wendet sich an Hitler wegen den Röhm-Briefen, wo sich Ernst Röhm über seine gleichgeschlechtliche Neigung äußert. „abnorme Veranlagung“.

Vorwärts. 13.03.1932. „Röhm und die Röhmlinge“ und gleichgeschlechtliche Neigungen (Ernst Röhm).

Vorwärts. 16.03.1932. „Röhm macht Schule“. Der Nazi Erich Knebel wurde wegen § 175 verhaftet. (Ernst Röhm).

Vorwärts. 17.03.1932. „Röhm bleibt“, trotz der Röhm-Briefe. Er hat einen „schwulstigen Tagesbefehl“ herausgegeben. „Innere Fäulnis“ des Braunen Hauses (Ernst Röhm).

Vorwärts. 18.03.1932. Im preußischen Landtag kommt es zu Zwischenrufen „Röhm!“ und „Schwul-Heil!“ (Ernst Röhm. Cover).

Vorwärts. 18.03.1932. Eine geplante Rede von Ernst Röhm im Württembergischen Landtag wird als „unerhörte Provokation aller normal veranlagten und empfindenden Menschen angesehen“ (Politik).

Vorwärts. 18.03.1932. Lichtspielhaus mit „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 23.03.1932. „Syndikus Gertrud. Ein Transvestit wegen Heiratsschwindel vor Gericht“. Vor Gericht sprach er viel über seine „unglückliche Veranlagung“. Sechs Monate Gefängnis.

Vorwärts. 31.03.1932. Rudolf Letz, Johann Toth und Gemeindevorsteher Alfred Fischer. (Österreich)

Vorwärts. 03.04.1932. Erwähnung von Homo- und Heterosexuellen.

Vorwärts. 03.04.1932. Freispruch wird angefochten. Letz, Toth und Fischer (Österreich).

Vorwärts. 04.04.1932. „Die Röhm-Briefe echt“ (Ernst Röhm).

Vorwärts. 06.04.1932. „Schamlos! Der Lüstling Röhm bleibt oberster SA-Führer“ (Ernst Röhm).

Vorwärts. 12.04.1932. Kinowerbung: Schlüter-Theater mit dem Film „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 15.04.1932. Im Ma-Li: „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 16.04.1932. „Röhm kapituliert“. Klage Münchener Post zurückgenommen. Beleidigung wegen Homosexualität bzw. § 175.

Vorwärts. 19.04.1932. Über „Drittes Reich und drittes Geschlecht“ (hier als Wiedergabe aus Ludendorffs Buch „Heraus aus dem braunen Sumpf!“ von 1931/1932)

Vorwärts. 19.04.1932. Erwähnung von „homosexuellen Kreisen“.

Vorwärts. 23.04.1932. Über „Drittes Reich und drittes Geschlecht“ (hier als Wiedergabe aus Ludendorffs Buch „Heraus aus dem braunen Sumpf!“ von 1931/1932).

Vorwärts. 24.04.1932. Frauenveranstaltung: Am 29.04.1932: Besichtigung des „Institut für Sexualwissenschaft“ (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 12.05.1932. Klotz wurde verprügelt, weil er der Verbreiter der Röhm-Briefe war. (Ernst Röhm. (Erster Beitrag zu Klotz. Der sozialdemokratische Publizist Helmuth Klotz hatte drei ihm zugespielte Briefe Röhms an den Arzt Karl-Günther Heimsoth veröffentlichte, die im Juli 1931 bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmt worden waren).

Vorwärts. 12.05.1932. Der Genosse Wilhelm Sollmann begründet im Reichstag, warum sich die SPD für die Straffreiheit von Homosexuellen eingesetzt hat, nämlich „aus tiefem sozialem Mitgefühl für die Opfer einer krankhaften Veranlagung“.

Vorwärts. 13.05.1932. Paul Schulz hat Klage gegen die „Münchener Post" zurückgezogen. Ernst Röhm.

Vorwärts. 14.05.1932. Röhm-Karikatur. Rollkommando Heines (Edmund Heines; Ernst Röhm).

Vorwärts. 14.05.1932. Am Rande einer anderen Gerichtsverhandlung ging es auch um die Röhm-Briefe (Ernst Röhm).

Vorwärts. 20.05.1932. Arnold Bronnen, Hanns Heinz Ewers und „Reiter in deutscher Nacht“ (Literatur).

Vorwärts. 17.05.1932. Röhm-Briefe und Klotz (Ernst Röhm; Helmuth Klotz).

Vorwärts. 20.05.1932. Die Röhm-Briefe sind echt. (Ernst Röhm, Cover).

Vorwärts. 22.05.1932. Führung der Arbeiterwohlfahrt durch das „Institut für Sexualwissenschaft“ (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 24.05.1932. „Münchener Post", Martin Gruber und sein Artikel „Das Braune Haus der Homosexuellen“. Privatklage wurde nicht zurückgezogen. (Homosexuelle Nazis wie Ernst Röhm).

Vorwärts. 02.06.1932. Die Gefährdung der Jugend. Erwähnung der „Gefahren der Homosexualität im Massenschlafsaal“.

Vorwärts. 04.06.1932. Erwähnung von Homosexualität im Kontext von Hermann Brochs Romantrilogie: „Der Schlafwandler“ (Literatur).

Vorwärts. 11.06.1932. Unter der Überschrift „Chinesen und Indier in Afrika. Rassensorgen“ auch über Glückspiel, Opium und „Sodomie“.

Vorwärts. 18.06.1932. Sexualwissenschaftlicher Frageabend im Institut für Sexualwissenschaft am 20.06.1932 statt (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 23.06.1932. „Mädchen in Uniform“ ist einer der größten deutschen Erfolge im Ausland (Lesben).

Vorwärts. 17.06.1932. Frauenveranstaltung: Für die Besichtigung des „Magnus-Hirschfeld-Institutes“ sind noch Karten zu haben. (=Institut für Sexualwissenschaft, Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 24.06.1932. Ernst Röhm hat „mehr Gefallen an dem Schritt junger Soldaten als an dem Tanz von Kokotten“. Solche „Empfindungen“ sind nur für seine Gegner „anormal“.

Vorwärts. 24.06.1932. Kronen-Lichtspiele mit „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 28.06.1932. Kosmos Lichtspiele mit „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 26.07.1932. Kino Busch mit der Aufführung „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 10.08.1932. Bummel durch New York: Hinweis auf Kino-Werbung für „Das dritte Geschlecht“ (Film, USA).

Vorwärts. 12.08.1932. „Liebe ein Naturgesetz. Ein Film mit ärztlichem Vortrag nach Dr. Magnus Hirschfeld über die Beziehungen zwischen Mann und Weib in der Natur“.

Vorwärts. 12.08.1932. Über Leontine Sagan (Regisseurin von „Mädchen in Uniform“; Lesben).

Vorwärts. 20.08.1932. Erwähnung von Dorothea Wiek in „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 22.08.1932. Die Ermordung des 16-jährigen Kurt Schöning (Erste von mehreren Erwähnungen. Zu den Morden Kurt Schöning, Helmut Daube, Gerhard Schnäpel und Kurt Lehrke s.a. die Rezension von Jens Dobler von „Zeuge Waldeck. Das erfundene Leben des Rolf vom Busch“ Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft. Nr. 65/66. Dezember 2020).

Vorwärts. 23.08.1932. Die Ermordung des 16-jährigen Kurt Schöning und das „Sonderdezernat für homosexuelle Vergehen“.

Vorwärts. 04.09.1932. Frageabend am 05.09.1932 im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld – das war der letzte Beitrag über das Insitut).

Vorwärts. 06.09.1932. Kinowerbung: Theater am Moritzplatz „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 08.09.1932. Ernst Röhm gibt vor dem Landgericht in München die Echtheit seiner Briefe zu (Röhm-Briefe, Helmuth Klotz).

Vorwärts. 08.09.1932. Die Gefährdung der Jugend durch „Homosexualität oder Prostitution“

Vorwärts. 08.09.1932. Röhms Liebesbriefe haben sich vor dem Münchener Landgericht als echt erwiesen (Ernst Röhm; Helmuth Klotz).

Vorwärts. 10.09.1932. Über Christa Winsloe „Schicksal nach Wunsch“ (Lesben; „Mädchen in Uniform“).

Vorwärts. 13.09.1932. Im Filmpalast: „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 03.10.1932. Erich Preuße: „Berlin Alexanderplatz. Eine Studie“. Beschreibung, wie der Platz vor einem Jahr war. Dabei werden Strichjungen und Magnus Hirschfeld erwähnt (der seit November 1930 nicht mehr in Deutschland war).

Vorwärts. 04.10.1932. „Röhms Todesangst“. Die „Münchener Zeitung“ wurde verurteilt, weil sie die von Röhm behauptete Beteiligung von Nazis an Mordplänen ihm gegenüber nicht beweisen konnte. (Der Münchener Prozess stand nicht in einem direkten homosexuellen Zusammenhang. Die Mordpläne, wie auch die tatsächliche Ermordung 1934, standen in einem anderen Zusammenhang. Unter Röhm war die SA Anfang der 1930er Jahre zu einer paramilitärischen Massenorganisation mit Millionen Mitgliedern angewachsen. Dies machte Röhm zu einem potenziellen Konkurrenten für Hitler. Hermann Göring und Heinrich Himmler (SS) wollten die Macht der SA brechen, ihre eigene Position innerhalb des NS-Regimes zu stärken und drängten Hitler möglicherweise auf die Beseitigung von Röhm).

Vorwärts. 04.10.1932. Der 5. Kongress der „Weltliga für Sexualreform“ in der Tschechoslowakei (Magnus Hirschfeld).

Vorwärts. 05.10.1932. Artikel „Röhmlos“ über den Münchener Prozess. Mit der Röhm-Karikatur „Röhms Mordsangst“ (Zum Prozess und zur Angst von Ernst Röhm s. 4.10.1932).

Vorwärts. 06.10.1932. Artikel „Röhm wird widerlegt“. Zum Münchener Prozess. Mit einer Röhm-Karikatur (Ernst Röhm, der vor einem jungen SA-Mann kniet; Andeutung Oralverkehr?).

Vorwärts. 06.10.1932. Im Tivoli wird „Mädchen in Uniform“ gezeigt, mit dem Hinweis „Nicht jugendfrei“ (Lesben)..

Vorwärts. 07.0.1932. „Röhms Ausreden“ (Ernst Röhm).

Vorwärts. 07.10.1932. „Mädchen in Uniform“ (es geht nicht um Roman oder Film, sondern um militärische Freizeitkleidung von Frauen. Hier als Beleg für die Popularisierung der Formulierung. Lesben)

Vorwärts. 13.10.1932. Die Affäre Ernst Röhm und der Münchener Prozess (s. 04.10.1932).

Vorwärts. 29.10.1932. „Röhm redet. Eine Provokation der anständigen Bevölkerung“. Seine „Geschlechtliche Sonderveranlagung“ und die Röhm-Briefe. (Ernst Röhm, !!)

Vorwärts. 01.11.1932. „Röhms Kamerad“. Über „Graf Dumoulin-Eckart“ – auch der „schwule Graf“ genannt. (Der Graf war einer der führenden homosexuellen Nazis. S.a. Wiki mit Bild. Ernst Röhm).

Vorwärts. 12.11.1932. Klotz und die Röhm-Briefe (Ernst Röhm; Helmuth Klotz).

Vorwärts. 15.11.1932. Kinowerbung Union-Theater. „Mädchen in Uniform“ (Lesben)

Vorwärts. 18.11.1932. Wurde Röhm, „der Warme“, von Hitler „kaltgestellt“? Der „Liebhaber farbiger Soldaten“ (Ernst Röhm, Rassismus, Humor).

Vorwärts. 18.11.1932. Kinowerbung Komödienhaus. „Mädchen in Uniform“ (Lesben)

Vorwärts. 19.11.1932. Spielplan. Komödienhaus. „Mädchen in Uniform“ (Lesben)

Vorwärts. 19.11.1932. Kinowerbung Komödienhaus. „Mädchen in Uniform“ (Lesben)

Vorwärts. 20.11.1932. Kinowerbung Komödienhaus. „Mädchen in Uniform“ (Lesben)

Vorwärts. 23.11.1932. Werbung für Richard Linsert: „Kabale und Liebe“

Vorwärts. 01.12.1932. Mord bei einem homosexuellen Nazi-Paar: Eugen Freytag ermordete seinen namentlich nicht genannten Freund. Urteil: Vier Jahre. (Weitere Angaben zum Opfer sind nicht bekannt Auch die „Volksstimme“ vom 01.12.1932. S. 7 berichtete über den Prozess „mit homosexuellem Hintergrund“ ohne den Namen des Opfers zu nennen.).

Vorwärts. 01.12.1932. Gedicht über Ernst Röhm: „Nebenan hat Röhm sich sehr geziert / ‚Huch, ich bin ja noch nicht manikürt‘“ (Der – nicht homosexuelle – Kontext über einen Nachtzug mit Hitler und Röhm ergibt sich aus vorherigen und nachfolgenden Röhm-Treffern, die aber nicht verlinkt wurden).

Vorwärts. 03.12.1932. Filmvorführung. „Mädchen in Uniform“ (Lesben).

Vorwärts. 03.12.1932. Großer Artikel über einen „Raubmord in Tegel“ bzw. über die Ermordung des Johannes Bessert, der „homosexuell veranlagt“ war (Erster von zwei Artikeln. Zu diesem Raubmord an Johannes Bessert, geb. 26.03.1890, mit dem Tatverdächtigen Willi Mittelstädt gibt es eine Strafakte).

Vorwärts. 04.12.1932. Von dem Mordopfer Johannes Bessert ist bekannt, dass er die „Bekanntschaft mit jungen Männern“ suchte. Daher ist der Täter wohl in „entsprechenden Kreisen“ zu suchen. Fortsetzung des Artikels auf der nächsten Seite. (Kriminalisierung).

Vorwärts. 04.12.1932. Filmvorführung. „Mädchen in Uniform“ (Lesben)

Vorwärts. 04.12.1932. Filmvorführung. „Mädchen in Uniform“ (Lesben)

Vorwärts. 09.12.1932. „Mädchen in Uniform“ als Theaterstück (Lesben)

Vorwärts. 11.12.1932. Vortrag von Felix Abraham über „Sexualwissenschaftlicher Alltag“ am 12.12.1932 im Institut für Sexualwissenschaft (Magnus Hirschfeld) Noch zu Vorträge kopieren)

Vorwärts. 17.12.1932. Ein Witz: „Hinterseite?“. „Röhm fragen!“ (Ernst Röhm; Anspielung auf Analverkehr).

 

1933

Vorwärts. 07.01.1933. „Hitler und Papen unter einer Decke!“ (Eine Karikatur mit sexueller Anspielung, die in Verbindung mit der zeitgleich diskutierten Homosexualität von Ernst Röhm gesehen werden kann)

Vorwärts. 09.01.1933. Hitler hat Röhm nach Italien geschickt.

Vorwärts. 10.01.1933. Angeklagter Eich verkehrte in homosexuellen Lokalen

Vorwärts. 10.01.1933. „Röhm ist ‚zur Erholung‘ für einige Zeit nach Italien beurlaubt“.

Vorwärts. 12.01.1933. Die Briefe von Ernst Röhm und der Journalist Klotz (Helmuth Klotz).

Vorwärts. 14.01.1933. Als kritisiertes Zitat aus der Nazi-Presse: „Der Homosexualismus ist eine tödliche, stinkende Pest“ usw.

Vorwärts. 14.02.1933. Zitat von Röhm?: „Man muß sich eben an meine Eigenart gewöhnen!“ im Kontext von SA-Puppen mit Locken.

Vorwärts. 14.02.1933. Kinowerbung „Mädchen in Uniform“ (Lesben)

 

Seit dem 18. Juni 1933 erschien die Zeitung unter dem Titel „Neuer Vorwärts“ durch den ins Exil nach Prag geflüchteten Parteivorstand. 1938 wurde der Sitz der Redaktion nach Paris verlegt, wo die Zeitung bis Mai 1940 erschien.

 

1933

Neuer Vorwärts. 23.07.1933. Verfilmung des Romans von Hanns Heinz Ewers „Horst Wessel“

Neuer Vorwärts. 06.08.1933. Der „Hitlerbarde“ Hanns Heinz Ewers: über Horst Wessel. Er pflegt und melkt die „schwüle, schlüfrige, zotige“ Literatur.

Neuer Vorwärts. 20.08.1933. Marinus van der Lubbe stand auf der Liste der „Lieblinge“ von Ernst Röhm (Reichstagsbrand).

Neuer Vorwärts. 20.08.1933. „Verbrecher und Homosexuelle. Fragen über Fragen“. Ein Journalist muss sich die Gefängniszelle mit Homosexuellen teilen. Verbindung zu Ernst Röhm, Edmund Heines und sonstige Röhmlinge.

Neuer Vorwärts. 20.08.1933. Hanns Heinz Ewers ist der „Hofpoet des Hitlerstaates“ und „Bettfragen (unnatürlichster Art) waren schon immer sein Lieblingsthema“.

Neuer Vorwärts. 10.09.1933. „Perverse und erotisch Anormale“ wie Ernst Röhm und Edmund Heines.

Neuer Vorwärts. 10.09.1933. Vorderasien. Das Reich der Assassinen. Erwähnung Homosexualität (Ausland).

Neuer Vorwärts. 24.09.1933. Über die „SA-Homosexuellen“ (Ernst Röhm, Edmund Heines, Hans Bell).

Neuer Vorwärts. 01.10.1933. Im Kontext von Röhm ist von „Homosexuellen, Morphinisten und Betrügern“ die Rede. „Von Röhm selbst ist bekannt, daß er nicht nur homosexuell ist (das wäre eine Privatsache), sondern auch Jugendliche mißbraucht“ hat.

Neuer Vorwärts. 08.10.1933. Erwähnung von „widernatürliche Unzucht“.

Neuer Vorwärts. 05.11.1933. Des „zynischen Knabenschänders“ Ernst Röhm. Die Jugendführer sind „homosexuell verseucht“.

Neuer Vorwärts. 05.11.1933. Mit einem Foto und der Bildunterschrift „Röhm und der Exkronprinz fühlen sich“ (Ernst Röhm; homosexueller Kontext?).

Neuer Vorwärts. 26.11.1933. Ein „Kerl mit dem Vorleben Röhms“ (Ernst Röhm).

Neuer Vorwärts. 10.12.1933. Die „besonderen Neigungen des Herrn Röhm sollten ihn zu einem unmöglichen und unappetitlichen Partner“ für eine politische Zusammenarbeit machen.

Neuer Vorwärts. 10.12.1933. „Röhm soll heiraten“.

Neuer Vorwärts. 31.12.1933. Ernst Röhm macht Urlaub auf der Insel Capri (Italien).

 

1934

Neuer Vorwärts. 28.01.1934. „Schulreform im Geiste Röhms“. Eine Lehrakademie wurde nach Ernst Röhm benannt.

Neuer Vorwärts. 11.02.1934. Verfahren gegen den Kaufmann Ottokar Andreas Koller aus Bayreuth. „Aber nicht Röhm!“. „Schweinereien“. Auch im Kaiserreich wurden arme Teufel verknackt, „während die beste Gesellschaft in der Adlervilla in Potsdam ungestraft ihren Vergnügungen nachging“ (Die Anspielung auf die „Adlervilla“ bezieht sich auf die Harden-Eulenburg-Affäre).

Neuer Vorwärts. 18.03.1934. Witze. Männer um Röhm werden „Mädchen in Uniform“ (Anspielung auf gleichnamigen Filmtitel) genannt. „Nero hat Rom angesteckt, ich habe Röhm angesteckt“. (Flüsterwitze. Humor).

Neuer Vorwärts. 20.05.1934. Am Grab eines SA-Mannes sprach Ernst Röhm von „warmer Verbundenheit“. Das Propagandaministerium verbot den Zeitungen, diese Formulierung zu drucken.

Neuer Vorwärts. 10.06.1934. Ernst Röhm und seine Jünglinge kauften Lippenstift und Puder.

Neuer Vorwärts. 24.06.1934. Ernst Röhms „Beziehungen zu kleinen Negerknaben“.

Neuer Vorwärts. 08.07.1934. S. 1 (Cover): Titel: „Hitlers blutiger Verrat!“„Es fällt in den Bereich des politischen Mordes“ – eine „wohlvorbereitete Massenabschlachtung“ – „gegen ihre eigenen Spießgesellen“. Mit einem zweiten Artikel „Wie Röhm zum ‚Vorwärts‘ flüchtete“: Es geht um Dr. Bell, der am 09.04.1932 Schutz beim Vorwärts suchte.

Neuer Vorwärts. 08.07.1934. S. 2: Nur Spalte 2: Röhm-Putsch, Goebbels und Hitler. „Wer hat denn nicht gewusst, dass Röhm homosexuell“ war. Sie kannten die „Negerknabenbriefe“. Papen machte Witze über seine „Veranlagung“.

Neuer Vorwärts. 08.07.1934. S. 7. Artikel: „Wenn Hitler säubert“ (Röhm-Putsch).

Neuer Vorwärts. 15.07.1934. Zwei Erwähnungen: Nach dem „Erschießen von Homosexuellen“ / Ein Witz: Hitlerjunge Quax (=“Hitlerjunge Quex“) will wissen, was homosexuell bedeutet. Vater: „Das wird man, sobald man ein Verräter ist“.

Neuer Vorwärts. 15.07.1934. Zwei Beiträge: Die Biographie „Ernst Röhm. Geschichte eines Hochverräters ist guter Brennstoff für den kommenden Winter. Unten: „Moral 1934“ über Hanns Heinz Ewers, der mit „Alraune“ einen der „schwülsten, pornographischsten Romane“ der vorigen 20 Jahre schuf (Literatur).

Neuer Vorwärts. 29.07.1934. Verurteilung von Leuten, die auf Homosexualität von Ernst Röhm, Edmund Heines u. a. hinweisen. Das „Schicksal“ haben sie „tausendfach verdient“.

Neuer Vorwärts. 29.07.1934. Über eine nach Ernst Röhm benannte Straße und der 30. Juni 1934 („Röhm-Putsch“).

Neuer Vorwärts. 14.10.1934. Die Antike und das Eheverbot für Homosexuelle.

Neuer Vorwärts. 04.11.1934. Jetzt wird das „dritte Reich zum allergrößten Teile von Homosexuellen regiert“. Einer von ihnen ist Karl Ernst. Er war Stammgast im „Eldorado“, dem „Stammlokal und Hauptquartier der homosexuellen SA“. Ernst Röhm verliebte sich in ihn und Karl Ernst bekam den Spitznamen „Frau Röhm“. Später war Ernst mit Major von Arnim zusammen !!

Neuer Vorwärts. 16.12.1934. Ein Berliner Obergruppenführer ist „eine Zierde nicht nur des ‚Dritten Reiches‘, sondern auch des ‚dritten Geschlechts‘.

Neuer Vorwärts. 23.12.1934. Die „Massenjagd auf Homosexuelle“ scheint die These zu bekräftigen, dass ein neuer Terror wie am 30.06.1934 zu befürchten ist (Röhm-Putsch).

Neuer Vorwärts. 30.12.1934. Großer Artikel „Die Hofkamarilla der Homosexuellen“ (Parallelen zwischen dem Harden-Eulenburg-Skandal von 1907-1909 und dem Skandal um Ernst Röhm).

 

1935

Neuer Vorwärts. 06.01.1935. Beim Kampf gegen Röhm ging es nicht um „Sexualprobleme“

Neuer Vorwärts. 20.01.1935. „Homosexuelle Schweinehunde“ bei SA und SS.

Neuer Vorwärts. 28.04.1935. Friedrich II. wäre „wahrscheinlich als Homosexueller“ ins KZ gekommen

Neuer Vorwärts. 05.05.1935. Erwähnung von Eltern, die ihre Kinder vor der Homosexualität bewahren.

Neuer Vorwärts. 28.07.1935. Arnolt Bronnen: „Die Septembernovelle“ über die „gleichgeschlechtlich Liebe“. Schutz vor antisemitischen Anfeindungen.

Neuer Vorwärts. 01.09.1935. Ernst Röhm und seine „Lustknaben“.

Neuer Vorwärts. 09.09.1935. Der 30-jährige Heinrich Eichen hat „Burschen“ vermutlich in der Hitlerjugend (HJ) „zur Homosexualität verführt“.

Neuer Vorwärts. 24.11.1935. Staatsrat Dr. Hans Severus Ziegler wird Vorsitzender der Schiller-Stiftung. „In seinen Mußestunden betätigte er sich homosexuell“ (Denunziation; zu Zieglers Homosexualität s.a. Wiki).

Neuer Vorwärts. 24.11.1935. Über „das Treiben von Röhm, Heines u.a.“ war Hitler spät entrüstet (Ernst Röhm, Edmund Heines).

Neuer Vorwärts. 15.12.1935. Ironischer Text über Ernst Röhm und Edmund Heines, die „lange genug“ geduldet wurden, bis sie erschossen wurden.

 

1936

Neuer Vorwärts. 19.01.1936. Verfahren gegen die „braunen Jünglinge Schenke und Günther Kaufmann“

Neuer Vorwärts. 26.01.1936. „Tanz auf dem Vulkan“. Orgien in Hotelzimmern zu Zeiten von Ernst Röhm. (Der Titel kann keine Anspielung auf den Roman „Der Vulkan“ von Klaus Mann sein, weil dieser erst 1939 erschien)

Neuer Vorwärts. 09.02.1936. Erpressung von Herrn Ammende und die „Privatneigung“ von Ernst Röhm.

Neuer Vorwärts. 08.03.1936. Am 18.03.1936 beginnt ein Prozess wegen dem Einsturz eines Berliner S-Bahn-Tunnels. Im Vorfeld wurde der zuständige Sachbearbeiter, Staatsanwaltassessor Riehl, angeblich wegen Homosexualität, verhaftet. Zwei Staatsanwälte widersetzten sich. (KI verweist bei dem Einsturz des Tunnels vom 20.08.1935 auf die „Berlin-Chronik“. Der Name des Sachbearbeiter Franz Riehl soll sich aus dem Buch von Michael Braun: „Nordsüd-S-Bahn Berlin“ ergeben).

Neuer Vorwärts. 29.03.1936. Ein als „homosexuell verdächtiger Steuerinspektor“ und die Juden. (Von der Redaktion wurde sein Name und seine Adresse nicht mit abgedruckt)

Neuer Vorwärts. 28.06.1936. Eine Art Drama zum Jubiläum des 30. Juni 1934 mit Ernst Röhm, Edmund Heines und einem Kichern über Männlichkeit (Theater; Röhm-Putsch).

Neuer Vorwärts. 30.08.1936. Die „Schweinehunde“ Ernst Röhm, Ernst, Edmund Heines und der 30. Juni 1934 (Röhm-Putsch).

Neuer Vorwärts. 27.09.1936. Erwähnung „regelwidrigem Verkehr (homos. oder perverser Veranlagung)“

Neuer Vorwärts. 27.09.1936. Rassenkunde und Sterndeuterei. Die Nazis Hanussen, Edmund Heines und Homosexualität. (Erik Jan Hanussen war der Künstlername von Hermann Chajm Steinschneider, s. Wiki).

 

1937

Neuer Vorwärts. 07.02.1937. Rudolf Heß wurde der Homosexualität bezichtigt (Denunziation).

Neuer Vorwärts. 28.02.1937. Ein Günstling von Ernst Röhm hatte Kontakt mit homosexuellen Kreisen in Moskau.

Neuer Vorwärts. 11.04.1937 „Die Homosexualität und die Radfahrer“.

Neuer Vorwärts. 11.04.1937. Die NS-Zeitung „Das Schwarze Korps“ hetzt gegen Homosexelle.

Neuer Vorwärts. 09.05.1937. Über Peitsche und Knüppel. „her mit einer kleinen Homosexuellen- Jagd.“

Neuer Vorwärts. 09.05.1937. „Perverse“ Priester. Klöster und Orden haben „Knabenschändern ein bequemes Leben“ gesichert (Kirche. Der Artikel steht im Kontext der sogenannten „Sittlichkeitsprozesse“ oder „Ordensprozesse“ in den Jahren 1936/1937 mit rund 250 Gerichtsverfahren. Sie dienten nicht der Strafverfolgung, sondern der NS-Propaganda. S.a. wiki).

Neuer Vorwärts. 30.05.1937. Berichte von Denunziationen nach § 175

Neuer Vorwärts. 06.06.1937. Ernst Röhm, Edmund Heines, Karl Ernst u.a. waren Hitler seit mehr als 10 Jahren „vor dem 30. Juni als aktive Homos bekannt. Sie blieben trotzdem seine Lieblinge; er machte die Böcke zu Gärtnern“ (Röhm-Putsch).

Neuer Vorwärts. 04.07.1937. In dem Artikel über den „Dresdner Nazi-Sumpf“ geht es vor allem um den Dresdner Oberbürgermeister Ernst Zörner. Am Rande wird die Homosexualität des reaktionären Hauptschriftleiters Dohrmann eingegangen (Es ist möglich, dass damit der evangelische Geistliche Franz Dohrmann, 1881–1969, gemeint ist).

Neuer Vorwärts. 15.08.1937. „Röhmisches, aber nicht Katholisches“. Als Gegengewicht zu den „Sittlichkeitsprozesse“ der Nazis, möchte der Vorwärts auf die sittlichen Verfehlungen in der HJ bzw. auf „stadtbekannte homosexuelle Jugendverführer“ in Berlin aufmerksam machen. Es werden folgende Namen genannt: Häffke, Scheidacher, Westermeier, Josef Hiltl, Ludwig Frankl, Norbert Schikker, Joseph Lehnert, Georg Fischer (Opfer Berthold Brunnhuber); Otto Max Desbalmer (Opfer Josef Flötzinger), Lambert Schebeller (Opfer Schulmädchen). 25 Mitglieder der HJ haben sich als „männliche Prostituierte“ betätigt. Die Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche ist auf dem Niveau, „wer besser Knaben schänden kann“ !! (Zu Beginn ein Wortspiel über Ernst Röhm; Kontext der „Sittlichkeitsprozesse“ von 1936/1937).

Neuer Vorwärts. 13.10.1937. „Der Fall Rutha in der Londoner Presse“, 14 andere Nazis und „unnatürliche Vergehen“ (Zu dem Skandal von Heinz Rutha von 1937 s. Wiki).

Neuer Vorwärts. 28.11.1937. Ernst Röhm, seine Briefe und seine „sexuellen Verfehlungen“

 

1938

Neuer Vorwärts. 20.02.1938. Urteil Reichsgericht 25.11.37. Der „homosexuelle Umgang mit einem Juden“.

Neuer Vorwärts. 12.06.1938. 30. Juni 1934. Das „blutige Strafgericht an Röhm und den Seinen“ (Ernst Röhm; Röhm-Putsch).

Neuer Vorwärts. 03.07.1938. In Zeitz-Naumburg wurden „Kontrollen nach Homosexuellen durchgeführt“. 31 Verhaftungen, u.a. Jugendfliegerlager Lauchau.

Neuer Vorwärts. 17.07.1938. „Verlorene Weltgeltung“. Buch von Rudolf Klare: „Homosexualität und Strafrecht“ (1937). Nach Tacitus wurden „homosexuelle Männer im Moor versenkt“. Die Nazis möchten die Todesstrafe für Homosexuelle wieder einführen. Fortsetzung auf der nächsten Seite mit einem Hinweis auf Homosexualität in Germanien.

Neuer Vorwärts. 09.10.1938. Erwähnung von „Knabenschänderei“ im Kontext der Machtergreifung

Neuer Vorwärts. 30.10.1938. Erwähnung: Weiteres Ansteigen der Vergehen gegen 175 wurde verhindert.

 

1939

Neuer Vorwärts. 12.03.1939. „Artverderber“. Von „Röhm und seinen Lieblingen“. Auch Knabenliebe der Antike. Als Zitat von Streicher: „Einstein der Knabenschänder“.

Neuer Vorwärts. 16.04.1939. Über eine Äußerung von Mussolini in einer italienischen Zeitung von 1915 über den „homosexuellen Krupp von Essen“ und Flammen, die Deutschland „reinigen“ werden (Gemeint ist offenbar eine Todesstrafe, Friedrich Alfred Krupp und der mit ihm verbundene Homosexuellen-Skandal „Krupp auf Capri“. S. Wiki)

Neuer Vorwärts. 11.06.1939. Der „Röhm-Rebellion“ wurde ein „blutiges Ende“ bereitet (Ernst Röhm; Röhm-Putsch).

Neuer Vorwärts. 16.07.1939. Die Gefahr von Ernst Röhm konnte „offenbar nur durch den 30. Juni (1934) gebannt werden“ (Röhm-Putsch)

Neuer Vorwärts. 19.11.1939. Unklares Gedicht u.a. über Ernst Röhm (Literatur).

 

1940

Neuer Vorwärts. 28.01.1940. Erwähnung im Rahmen einer Aufzählung: Ein Mann hat sich nach § 175 an einem Jugendlichen vergangen.

Neuer Vorwärts. 25.02.1940. Erwähnung: Eine Mutter erzählt vom sexuellen Missbrauch an einem ihrer Söhne.

Neuer Vorwärts. 10.3.1940. Erich Kohlberger aus Konitz wurde wegen homosexueller „Verführung“ Minderjähriger“ hingerichtet. Urteil vom Sondergericht Hannover. (Pädo. S. a. „Hamburger Tageblatt“ vom 10.02.1940, S. 5, linke Spalte. Kohlberger „verführte mehrere Jungen“).

 

 

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